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Lätare-Spende in Verden: Diese Seeräuber wurden wahrlich sehnsüchtig erwartet

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Von: Antje Haubrock-Kriedel

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Zwei Frauen und zwei Männer stehen neben einem Fass und halten Fische in die Luft.
Keine Berührungsängste die Heringe unters Volk zu bringen: Daniela Behrens, Klaus Störtebeker (Bernd Maas), Johann Saathoff und Kristina Vogt (v.l.). © Haubrock-Kriedel

Endlich wieder Brot und Heringe fürs Volk. Nach zweijähriger coronabedingter Zwangspause traten Klaus Störtebeker und sein Gefolge am Sonntagnachmittag wieder auf dem Rathausplatz auf, um das Vermächtnis aus dem Jahr 1401 zu erfüllen. Erstmals seit Jahrhunderten fand das Spektakel nicht an einem Montag statt, so konnten auch Familien dabei sein.

Verden – Tatkräftig unterstützt wurde Störtebeker alias Bernd Maas von den Ehrengästen Johann Saathoff (SPD), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Daniela Behrens (SPD), Niedersächsische Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung, und Kristina Vogt (Linke), Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa der Hansestadt Bremen.

Schon Stunden bevor es an die Verteilung von Brot und Heringen ging, wurden die Gäste von einem bunten Rahmenprogramm mit Musik und Comedy bestens unterhalten.

Deutliche Worte für Putin-Applaudierer

„Schön euch zu sehen“, begrüßte Störtebeker die Verdener. Mitgebracht hatte er die „Jugend“ in Gestalt von Juliana, die dem rauen Seemann kräftig Paroli bot. „2022 ist das Jahr der Jugend, weil sie auf alles verzichten musste, was das Leben richtig geil macht. Ich bewundere die Jugend, weil sie die Suppe auslöffelt, die wir ihr eingebrockt haben“, sagte Störtebeker. Bei den Jugendlichen betrage die Impfquote 90 Prozent, erinnerte er. Zu allem Überfluss müssten sie nun auch noch mit einer neuen Weltordnung leben, weil sich das „Gerippe des Bösen“ aus den Fluten erhoben habe. „In diesem Land sitzen Leute im Bundestag, die diesem Idioten auch noch applaudieren. Die würde ich am liebsten einen Kopf kürzer machen“, fand der Seeräuber deutliche Worte.

Schließlich leerte Störtebeker standesgemäß einen Krug Bier in einem Zug. So gestärkt begrüßte er die Ehrengäste. Bremen sei nicht zuletzt wegen der beiden linken Senatoren gut durch die Pandemie gekommen, betonte Kristina Vogt. Nun müssten viele „Taler“ umverteilt werden, zum Beispiel in die Ausbildung. Ganz im Sinne Störtebekers müsse man etwas von den Reichen nehmen, um es den Armen zu geben.

Kesse Fragen gehören dazu

Ob sie das Amt der Gesundheitsministerin in diesen Zeiten übernommen habe, weil sie nicht schnell genug auf dem Baum gewesen sei, fragte Störtebeker Daniela Behrens. „Weil ich meinen Job so gut gemacht habe, stehen heute hier so viele Menschen auf dem Platz“, konterte diese. Die Mehrheit halte sich an die Regeln. Nur wenn man die ganze Mannschaft mitnehme, klappe das und man müsse nicht so viele „über die Planken schicken“. Sie stellte einen guten Sommer und großartigen Herbst in Aussicht. „Lassen sie uns mit positiver Stimmung in die Zukunft blicken“, schloss sie.

Johann Saathoff sei in der großen Politik angekommen, noch im Januar habe er mit „Gazprom-Schröder“ gesprochen, stichelte Störtebeker. „In der Politik ist Dialog wichtig, gerade, wenn die See stürmisch und rau ist“, betonte Saathoff. Die Menschheit sei auf kluge Politiker angewiesen die nicht zuließen, dass Konflikte weiter eskalierten. „Geld und Angst kennen wir Kinder der Küste nicht, die wenigen, die viel haben, müssen abgeben, an die vielen, die wenig haben.“ Genauso wie Störtebeker es mit den Heringen mache. Dann kamen Gummihandschuhe und Schürze zum Einsatz und die Ehrengäste zeigten keine Berührungsängste, die Heringe unter das Volk zu bringen.

Viele Menschen drängen sich an einer Absperrung
Bei strahlendem Sonnenschein verfolgen viele Menschen den Auftritt Störtebekers und seiner Kumpanen. © Haubrock-Kriedel

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