Chefredakteur schwer krank

„FAN Television“ schaltet nach zwei Jahren wieder ab

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Stolz zeigten sich die beiden jungen Unternehmer Kay Zimmer (l.) und Georg Mahn zum Sendestart vor zwei Jahren. Nun ist ihr „Lebenstraum“ geplatzt.

Dörverden - Von Volkmar Koy und Michael Krüger. Als bislang letzter kommerzieller Lokalsender ging FAN Television im November 2011 auf Sendung, als erster schaltet er nun wieder ab: Der private TV-Sender mit Sitz in Dörverden (Landkreis Verden) wird den Sendebetrieb zum 31. Oktober einstellen.

Das bestätigte Geschäftsführer Kay Zimmer gestern Nachmittag. Gesundheitliche Probleme des Chefredakteurs machten diesen Schritt unausweichlich. Doch es gibt auch Hinweise auf wirtschaftliche Schwierigkeiten.

In Internet-Foren sorgte diese Information bereits gestern Nachmittag für heiße Diskussionen. Mit-Geschäftsführer und Chefredakteur Georg Mahn (37) hatte auf seiner Facebook-Seite die Schock-Nachricht gepostet und damit öffentlich verbreitet: „Herzinfarkt“. Wie Kay Zimmer dazu ausführte, seien damit 50 Prozent des Senders ausgefallen. Sein Kollege habe sogar zwei Herzinfarkte erlitten, was das gesamte Team von FAN nachhaltig schockiert habe. Zimmer: „Ich bin übermannt von den Ereignissen.“

Fernsehen aus Niedersachsen (FAN) hatte am

1. November 2011 den Sendebetrieb aufgenommen. Die primäre Verbreitung erfolgt in Niedersachsen via Kabel digital, teils analog und im Land Bremen via digitalem Kabel. Ferner nutzt der Sender rund 20 Mediatheken, um im Video-on-demand-Verfahren Inhalte zum individuellen Abruf anzubieten. Möglich wurde der Sendestart vor zwei Jahren erst durch eine Neufassung des Niedersächsischen Mediengesetzes – werbefinanzierten lokalen und regionalen Sendern wurde der Markt eröffnet. Zuvor war eine landesweite Verbreitung kommerzieller Anbieter Bedingung, Bürgerfunk musste sich anderer Geldquellen als Werbung bedienen. Als erste Sender gingen zum Januar 2011 der Friesische Rundfunk und Regio.TV aus Lohne an den Start. Es folgten mit OS1.TV und EV1.TV lokale Anbieter aus den Regionen Osnabrück und Emsland, als fünfter und bislang letzter TV-Sender seiner Art in Niedersachsen folgte FAN.

Georg Mahn, der auch Hauptgesellschafter des Senders ist, befinde sich laut Zimmer nunmehr in Behandlung. Mit einer baldigen Rückkehr des Journalisten auf den Regiestuhl sei indes nicht zu rechnen. Zimmer: „Um ihn zu ersetzen, müsste ich drei Mitarbeiter einstellen.“ Der FAN-Geschäftsführer weiter: „Wir müssen unseren Lebenstraum schweren Herzens beenden.“

Finanzielle Gründe sind laut Zimmer kein Grund für die Einstellung des Programms. In den zwei Jahren habe sich FAN sehr gut entwickelt. Maßgeblich mit Georg Mahn: „Er ist mehr als der Kopf der Firma.“ Offenbar sei aber das Arbeitspensum des Kollegen schlicht zu groß gewesen. 3,5 Millionen Euro hatten Mahn und Zimmer in den Start des Programms aus Dörverden investiert. Fördergelder des Landes flossen nicht.

Die Landesmedienanstalt zeigte sich gestern weniger überrascht. Dietmar Füger, Abteilungsleiter im Bereich Telemedien, bestätigte, dass es einen Anruf gegeben habe zur Einstellung des Programms: „Das ist schade, angesichts der bisherigen Erfahrungen im schwierigen Geschäft des Lokalfunks aber keine Überraschung.“ Da es bislang keine genauen Untersuchungen zur Reichweite der Sender gebe, tue sich der Werbemarkt schwer. Das sei auch in anderen Bundesländern, die schon lange vor Niedersachsen ihre Lizenzvergabe liberalisiert haben, nicht anders. Die Entwicklung bei FAN habe sich abgezeichnet: „Schon vor drei oder vier Monaten wurde von FAN der Platz im analogen Kabelnetz gekündigt“, sagt Füger – also lange vor den aktuellen gesundheitlichen Problemen des Chefredakteurs. Zum Handeln sieht sich die Landesmedienanstalt derzeit nicht gezwungen. Die Lizenz für das digitale Kabelnetz bleibe bestehen, dort gebe es schließlich keine Probleme mit einem begrenzten Platzangebot. Angedeutet worden

sei Füger auch eine Fortführung des Programms nur im

Internet.

FAN-Geschäftsführer Zimmer will nach eigenen Angaben nun mit Kabel Deutschland und mit den Betreibern des Satelliten Astra über eine Auflösung der Verträge verhandeln. Danach könnte das Kabelsignal zum 31. Oktober abgeschaltet werden. „Was dann passiert, weiß ich noch nicht“, so Zimmer. Vornehmlich wolle er zunächst mit den 22 Mitarbeitern des Senders die Lage durchsprechen. Bis zum 31. Oktober solle der Sendebetrieb in jedem Fall aufrecht erhalten bleiben.

Kay Zimmer ist übrigens auch Geschäftsführer der Internetfirma „Schuhplus“, ebenfalls mit Sitz in Dörverden. Sender und Schuhe seien jedoch zwei vollkommen getrennte Geschäftszweige. Von Problemen des einen auf den anderen zu schließen, sei falsch.

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