Zorn der Milchbauern erwischte CDU-Mann Grindel: „Raus“-Rufe

Eklat bei Milchpreisdiskussion

Die Milchbauern glauben der Politik und dem Bauernverband kein Wort mehr und nehmen das Heft des Handelns jetzt selbst in die Hand.Fotos: Wieters

Verden - LANDKREIS (woe) Den Milchbauern steht das Wasser bis zum Hals. Wie verzweifelt sie sind, wie sie jeden Tag um ihre nackte Existenz bangen müssen wegen des „katastrophalen Milchpreisniveaus“ von 19 Cent je Liter, erlebten Politiker nun hautnah auf der Podiumsdiskussion, zu der der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) nach Jeddingen eingeladen hatte.

Vor 200 Gästen äußerten sich Bundestagskandidaten und Landtagsabgeordnete verschiedener Parteien zum Thema. Die zu Beginn aufgeheizte Stimmung fachte der ehemalige EU-Abgeordnete Dr. Friedrich Wilhelm Graefe zu Baringdorf noch mehr an. In seinem Eingangsreferat hielt er der Politik vor, sie sei für die Misere der Milchbauern verantwortlich. In drastischen Worten kritisierte er den Bauernverband, der die Interessen der Milchindustrie, keinesfalls aber die Interessen der Milchbauern vertrete, so Baringdorf.

Dafür gab es Beifall auf offener Szene. „Wir müssen den Markt organisieren und die Milchmenge reduzieren. Ein Monat keine Milch mehr und der Markt reagiert“, sagte er. „Wenn Politiker euch nach dem Mund reden“, deutete Graefe zu Baringdorf aufs Podium, „dann ist das legitim, weil Wahlkampf ist.“

BDM-Vorstandsmitglied Martin Morisse sagte: „Wir müssen uns selber helfen. Ab Montag werden wir den Milchbauern eine Selbstverpflichtungserklärung zusenden, in der sie freiwillig auf fünf Prozent ihrer Quote verzichten. Mehr als die Hälfte müssten mitmachen.“

Knuth Uhland (FDP), Heiner Haase (Grüne) und Marianne König (Die Linke) setzten sich für eine Milchpreisregulierung ein, „damit die Milchbauern einen fairen Milchpreis erhalten“. Ein regionaler SPD-Vertreter war erst gar nicht erschienen, dafür aber der ostfriesische Landtagsabgeordnete Wiard Siebels und der CDU-Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel. Beide vertraten eine andere Ansicht, womit sie den Unmut des Saalpublikums auf sich zogen und fortan immer unterbrochen wurden.

Siebels: „Ein Ausstieg aus der Quotenregelung wäre richtig. Billigmilch von außen würde auf den Markt kommen und die Milchbauern würden weniger Milch abliefern.“

Grindel sagte: „Um die Milchpolitik zu ändern, brauchen wir eine Mehrheit im EU-Parlament. Die haben wir nicht. Die Bundesregierung will die Agrar-Sozialsysteme verbessern.“

Ein enttäuschter Wähler: „Wenn SPD und CDU etwas sagen, reden sie wie der Bauernverband.“ Einige Milchbauern, und damit eigentlich traditionelle CDU-Stammwähler, erklärten offen, sie würden künftig die „Grünen und die Linken“ wählen. Der raue Ton wurde im Laufe des Abends immer aggressiver. Nach emotionalen Wortbeiträgen über den Existenzkampf der Milchbauern, versuchte Grindel mit Sachargumenten gegenzuhalten.

Mit seinen Äußerungen verärgerte er allerdings die Zuhörer, die ihn mit lautstarken Raus-Rufen übertönten. Grindel blieb jedoch. Kurz vor Mitternacht endete der verbale Schlagabtausch und fast alle verließen frustriert den Saal.

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