1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Verden

Verdener Schokoladenseite in Szene gesetzt

Erstellt:

Von: Markus Wienken

Kommentare

Einrahmer Dieter Roscheck nimmt Maß. Was unter Glas liegt, braucht nicht nur einen Rahmen, um dauerhaft gut auszusehen.
Einrahmer Dieter Roscheck nimmt Maß. Was unter Glas liegt, braucht nicht nur einen Rahmen, um dauerhaft gut auszusehen. © wienken

Dieter Roscheck ist Einrahmer...ein selten gewordener Beruf...aber Kunstwerke in Szene setzen, das könnte wieder in Mode kommen...hoffentlich...

Verden – Das Motiv ist bekannt: Verdens Schokoladenseite in Aquarell, wunderbar. Aber der Rahmen! „Das geht so natürlich gar nicht“, sagt Dieter Roscheck. Das Bild gehört in Szene gesetzt. Und dauerhaft konserviert. Roscheck ist nicht nur Galerist, er ist auch Einrahmer. Als solcher eilt er in seiner Werkstatt von Schublade zu Schublade, weiß, wo was liegt und hat in Windeseile passende Alternativen parat, mal höher, mal niedriger im Preis. Circa 600 Rahmen, da gilt es, den Überblick zu wahren.

Verdener Kunst mit Passepartout und unter Glas

Aber zurück an den Werktisch, wo Roscheck sich wohlfühlt. Das Aquarellbild „Ansicht Verdener Dom“, liegt unter Glas, ist dennoch schutzlos Licht und damit dem Verfall preisgegeben. „Ein neues Passepartout, die Rückwand aus säurefreiem Papier, das wären die ersten Schritte“, erklärt Roscheck. Und dann nimmt er Glas, aber nicht das einfache, sondern vielmehr Museumsglas. „Entspiegelt und mit UV-Schutz hängt das Bild in ganz anderem Licht“, so der Experte. Doch damit nicht genug. Mit Spezialklebeband verbindet Roscheck Glas und Rückwand. „Weder Staub noch kleinere Tierchen, insbesondere Gewitterfliegen, kommen da durch. Das Motiv ist so gut wie konserviert.“

Der Verdener Einrahmer „legt“ das Bild

Wie lange braucht der Einrahmer für seine Arbeit? „Sehr unterschiedlich, aber mit zwei bis drei Wochen ist zu rechnen“, sagt Roscheck. Hat er alle Zutaten zusammen, spricht der Einrahmer weniger von Arbeit, sondern er „legt“ aus den Einzelteilen das Bild. „Ein bisschen wie bei einem Puzzle.“

Vielleicht geht’s beim nächsten Bild etwas schneller? Roscheck lässt sich nicht drängen. Geduld, auch die gehört, ebenso wie das Gespräch mit dem Eigentümer des Bildes zum Job des Einrahmers. Wie der Zufall es will, wieder eine Verdener Ansicht. Deutlich größer, deutlich robuster, fast rustikal. Ein Ölbild, im Mittelpunkt der Dom, davor eine Koppel Pferde. Der Rahmen aus grobem Holz, ist das Bild mit ein paar geschickten Handgriffen sauber und ohne Makel aus dem alten „Gefängnis“ befreit.

Das Bild mit Verdener Dom wird gerahmt.  Die Auswahl ist groß.
Auf der Suche nach der passenden Inszenierung wird viel probiert. Die Auswahl ist groß, der Geschmack unterschiedlich, der Preis auch. © Wienken, Markus

Der richtige Rahmen für das Bild mit Verdener Dom

Und es geht noch besser. Das Ölbild auf Holz gemalt, weiß Roscheck schon genau, was drumherum zu der Szene passen könnte. Er greift in eine Schublade nach der anderen, holt gezielt vier völlig verschiedene Muster ans Licht, die er jeweils in die Ecken des Bildes platziert. Roscheck prüft die vier Muster, die alle passen könnten, preislich aber deutlich auseinander liegen. Zwei davon, zwar kunstvoll aus Holz gefertigt, bewegen sich preislich im unteren Segment. Deutlich mehr müsste ein Auftraggeber für einen Rahmen mit Silberauflage hinlegen. Oder gar sogenannte Vergolderrahmen, beschichtet mit blaugrünem Poliment. Nach der Grundierung sind die Gehrungsschnitte nicht mehr sichtbar und der Rahmen wirkt, als wenn er aus einem Stück wäre. „Alles Handarbeit und, wie ich finde, wo es passt, sehr schön.“

Aber dennoch, ist der Einrahmer nicht aus der Mode gekommen? Und warum eigentlich dieser – mit Verlaub – merkwürdige Name. Roscheck schmunzelt ein wenig, beantwortet die zweite Frage zuerst. „Nur Rahmer hätte sich halt doch sehr nach einer Margarine angehört.“ Soweit so knapp.

Verdener Dieter Roscheck als Quereinsteiger zum Einrahmer

Ausführlicher Zeit nimmt sich Roscheck für die erste Frage. Zunächst lange als Geschäftsmann in der Papierindustrie unterwegs, entdeckte Roscheck als Quereinsteiger die Vorliebe zu Bilderrahmen und Passepartout – und wurde Einrahmer. „Wohlwissend, dass mit Beginn der 1970er-Jahre die Zeit von Wechselrahmen und Ikea in die Wohnungen eingezogen war.“ Roscheck war es egal, er sattelte mit Beginn der 2000er-Jahre um, eröffnete gemeinsam mit seiner Frau Sylvia Casaretto die Galerie Casaretto Art in der Brückstraße. Mittlerweile ist das Haus zwar nach vielen erfolgreichen Jahren – auch altersbedingt – geschlossen, doch die Arbeit mit der Kunst lässt Roscheck nicht los. „Ich glaube an einen Trend, hin zu mehr Qualität statt Quantität“, sagt der 67-Jährige. Und er setzt auf die Einsicht: „Die Notwendigkeit nachhaltigen Handelns ist hier einer der Treiber. Darauf will die jüngere Generation nicht verzichten, wenn sie den Raubbau an Natur und Ressourcen stoppen möchte.“

Ans Aufhören denkt der Verdener Einrahmer Roscheck noch nicht

Auch für Postkarten gibt’s einen passenden Rahmen.
Klein aber fein präsentiert: Auch für Karten gibt’s einen passenden Rahmen. © Wienken, Markus

Ans Aufhören denkt der Einrahmer Roscheck noch nicht. Denn: „Es gibt fast nichts, was man nicht einrahmen, inszenieren kann“, sagt Roscheck. Das fängt an bei der Briefmarke und hört auf bei einem Industrieauftrag, ein Bild, zwei Meter hoch und acht Meter breit. „Oder Schaukästen mit Babyschuhen oder beleuchteter Mokkatasse von der Oma, bleibende Erinnerungen, aber vor allem schöne Kunst haben einen hochwertigen Rahmen verdient.“

Da wäre Roscheck als Einrahmer bei einem der Lieblingsprojekte, die Fotocollage „Verdener Giebel 3.0 – Hommage an Eilert Obernolte“. Fotograf Jürgen Hold hat die Druckgrafik im Jahr 2021 mit 99 Verdener Häusern an einem imaginären Steilufer nachempfunden. „Nun gibt es das Werk als ,Verdener Giebel bei Nacht’, und, wie ich finde, es ist sehr gelungen.“ Soviel ist sicher: dem Verdener Einrahmer geht die Arbeit nicht aus.

Und wenn doch? Dann schreibt Roscheck Geschichten, ist als „Robin Hut“ unterwegs, textet Schräges, Poetisches und Prosaisches. Ein weiteres Kapitel, das jetzt allerdings den „Rahmen“ sprengen würde.

Weitere Infos
zu Projekten und Verdensien von Dieter Roscheck unter E-Mail roscheck@casaretto-art.de oder www.der-wortspieler.de.

Auch interessant

Kommentare