Gewaltopfer Christoph Rickels berichtet am Präventionstag vor Hauptschülern

Mit einem Schlag endet das hoffnungsvolle Leben

+
Gewaltopfer Christoph Rickels (sitzend in der Mitte) erzeugte bei den siebten Klassen große Betroffenheit. ·

Achim - Von Manfred Brodt„Moin, moin, ich bin der Krüppel, der mit einem Schlag kaputt und zu dem gemacht wurde, was ich jetzt bin“, führte sich gestern Morgen Christoph Rickels, Opfer einer Gewalttat, bei den siebten Klassen der Achimer Hauptschule am Präventionstag ein.

Vor sieben Jahren hatte der heute 27-Jährige in der Diskothek in Aurich Abschied gefeiert, weil er als Soldat nach Süddeutschland gehen sollte. An jenem Abend hatte er auch einem Mädchen ein Getränk spendiert, was einen jungen Mann derart eifersüchtig gemacht hatte, dass er Christoph Rickels mit wenigen Schlägen niederstreckte und ins monatelange Koma schickte.

Im wahrsten Sinne des Wortes schlagartig war damit das bisherige Leben des Opfers als Sportler, Schulsprecher, Rockmusiker, Rapper oder Aktivist der Jungen Union zu Ende. Nach langen Klinik- und Reha-Aufenthalten lebt er als Behinderter weiter. Viele seiner Bekannten hatten nach seiner Tragödie den Behinderten gemieden, und er hat erkannt, dass das keine Freunde waren.

Christoph Rickels demonstriert am eigenen Beispiel den ihm 90 Minuten gebannt und auch bei technischen Pannen höchst geduldig und verständnisvoll folgenden Hauptschülern nicht nur, dass Gewalt, zur Schau gestellte Stärke und, „auf dicke Hose zu machen“, alles andere als cool sind, sondern wirbt auch für Gemeinsamkeit, die es nach seiner Einschätzung kaum noch gibt und nicht nur gefragt ist, wenn einer zum Opfer wird.

Nicht von ungefähr heißt so auch sein Projekt „First togetherness“, also zuerst Gemeinsamkeit. „Warum können wir nur noch gegeneinander erfolgreich sein? Lasst uns den Erfolg teilen“, lautet sein Credo. Die Solidarität schließt auch Zivilcourage ein, wenn ein Schwächerer von einem Stärkeren gequält wird.

Wenn er bei seinen Auftritten für diese Botschaften wirbt, muss er hin und wieder auch lachen, um das dann gleich entschuldigend zu kommentieren: „Das Lachen ist auch so ein Krankheitsbild nach dem Koma, ein Emotionskontrollverlust.“

Christoph Rickels erzählt den Schülern von seinem blühenden Leben vor der Gewalttat und spielt ihnen auch den Song vor, den er eine Woche vor dem schrecklichen Niederschlag produziert hatte, mit der Textzeile und dem Wunsch, „dass der Mut mir die Kraft zum Leben schenkt, dass die Sonne mich durchs Leben lenkt.“ Das Lied mit den wegweisenden Worten soll ihm auch geholfen haben. als es während seines Komas in seinem Klinikzimmer erklang.

Nach 90 Minuten tiefer Betroffenheit der siebten Klassen gestern dann noch ein lustiger Schlusspunkt. Christoph Rickels fordert einen Freiwilligen der Klassen zum Liegestützen-Wettbewerb heraus, und der Behinderte gewinnt bei 20 Liegestützen. Der Mut hat ihm eben wieder die Kraft zum Leben geschenkt.

Vor den 90 Minuten hatten die Hauptschüler mit der Achimer Polizei-Kontaktbeamtin Katja Brammer über die verschiedenen Formen der Gewalt und Konfliktlösung gesprochen, danach führte sie der ihnen schon bekannte Marc Bonar vom Studio Tomado in die Selbstverteidigung ein.

Die Hauptschüler werden zur Thematik ein Logbuch führen und alles zusammen mit ihren Pädagogen noch vertiefen. Ziel des Projektes, das von einer Arbeitsgemeinschaft „Gewalt“ aus Lehrkräften der Hauptschule, des Gymnasiums am Markt und der Polizei innerhalb des Präventionsrates ins Leben gerufen wurde und auch noch an anderen Achimer Schulen laufen soll, ist, die Schüler zu sensibilisieren und zu stärken, die Welt friedlicher und menschlicher zu machen.

Das könnte Sie auch interessieren

Weihnachtsmarkt in Eitzendorf

Weihnachtsmarkt in Eitzendorf

Nikolausmarkt in Bücken

Nikolausmarkt in Bücken

Weihnachtsmarkt am Sudweyher Bahnhof

Weihnachtsmarkt am Sudweyher Bahnhof

Weihnachten auf Rittergut Falkenhardt

Weihnachten auf Rittergut Falkenhardt

Meistgelesene Artikel

Maritime Musik zum Advent mit dem Shanty-Chor Verden in der St. Johanniskirche

Maritime Musik zum Advent mit dem Shanty-Chor Verden in der St. Johanniskirche

Verdener Klärwerk: „Nervensystem getroffen“

Verdener Klärwerk: „Nervensystem getroffen“

Neues Supermarktgebäude in Kirchlinteln gleicht einer „Tropfsteinhöhle“

Neues Supermarktgebäude in Kirchlinteln gleicht einer „Tropfsteinhöhle“

Heino Meyer – mit viel Gefühl

Heino Meyer – mit viel Gefühl

Kommentare