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Gebietsänderung aus Scharnhorster Sicht „eine richtige Entscheidung“

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Von: Katrin Preuß

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Gemeinsam mit Annette Ilge beleuchten Friedrich Dunker (l.) und Gerard-Otto Dyck die Geschichte der Gebietsreform aus Scharnhorster Sicht.
Gemeinsam mit Annette Ilge beleuchten Friedrich Dunker (l.) und Gerard-Otto Dyck die Geschichte der Gebietsreform aus Scharnhorster Sicht. © Preuß

Seit 50 Jahren ist Scharnhorst keine eigenständige Gemeinde mehr, sondern Teil der Stadt Verden. Der Zusammenschluss hatte für beide Seiten so seine Vorteile.

Verden-Scharnhorst – Beim Festakt im Verdener Rathaus, auf den Tag genau 50 Jahre nach Unterzeichnung des Gebietsänderungsvertrages (wir berichteten), hatte Gerard-Otto Dyck ein wenig kritisch gereimt. Vor allem den Zustand der Halse und den Abfluss von Verdener Trinkwasser gen Bremen hatte der Scharnhorster Ortsbürgermeister aufs Korn genommen.

Dennoch: Die Gebietsreform vor einem halben Jahrhundert, die Scharnhorst von der eigenständigen Gemeinde zu einer Ortschaft der Stadt Verden machte, sei „eine richtige Entscheidung“ gewesen. Zumal den damals entstandenen Ortschaften über die Einrichtung von Ortsräten ein gewisses Recht zur Mitbestimmung erhalten blieb, viele – immer komplizierter werdende – Aufgaben aber abgegeben wurden.

Die Scharnhorster wiederum brachten vor 50 Jahren eine stattliche Mitgift mit in die „Ehe“, darunter 950 Hektar forstwirtschaftliche Flächen. So war dieser Zusammenschluss auch für Verden von Vorteil.

Nun soll das Ereignis in den Ortschaften und in der Stadt gefeiert werden. Sonntag, den 22. Mai, haben die Scharnhorster Organisatoren sich dafür ausgeguckt (11 bis 17 Uhr, rund ums Dorfgemeinschaftshaus)– und im Rahmen der Vorbereitungen auch einen Blick auf die Historie geworfen.

Elsbeth Söhl hatte bereits für die 1981 erschienene Ortschronik einiges zusammengetragen. Und auch die Festschrift, die 2017 anlässlich der 750-Jahr-Feier der Ortschaft erschien, bietet einiges an Fakten. Zum Glück, denn Protokolle und andere Unterlagen gibt es kaum. Aber da sind ja noch die Zeitzeugen.

Ein Schild mit Bedeutung: Der Name der Ortschaft steht oben, das zeigt eine gewisse Eigenständigkeit.
Ein Schild mit Bedeutung: Der Name der Ortschaft steht oben, das zeigt eine gewisse Eigenständigkeit. © Preuß

Neben Dyck, der seit 1980 in Scharnhorst lebt, und Annette Ilge, ebenfalls zugezogen, befasst sich aktuell auch „Urgestein“ Friedrich Dunker mit der Materie. Das Ortsratsmitglied, Jahrgang 1952, kann sich noch persönlich ans Vorher-Nachher erinnern. Genauso wie dessen Mutter Ilsemarie Dunker.

Die 92-Jährige berichtete dem Trio von den Hausschlachtungen, die auch in den 70er-Jahren noch gang und gäbe waren. Nicht nur in Scharnhorst. Daher beinhaltete der 1972 unterzeichnete Gebietsänderungsvertrag auch einen Paragrafen, der weiterhin Hausschlachtungen in den Ortschaften zuließ.

34 Höfe hatte die Gemarkung Scharnhorst 1972. Der Schlachter hatte also gut zu tun. Einmal im Jahr, immer, wenn's kalt genug war, rückte er an. „Es duften ja keine Fliegen oder Brummer unterwegs sein“, erklärt Friedrich Dunker. An einem Tag sei der Fachmann zum Schlachten gekommen, am nächsten Tag zum Wurstmachen. Dabei seien die Schweine nahezu komplett verwertet worden. „Da blieb fast nix über“, so Dunker. Entsprechend lange konnten die Menschen davon auch essen.

Die Eigenständigkeit, die Scharnhorst vor 50 Jahren aufgab, hatte im Übrigen für eine solch kleine Gemeinde auch so ihre Tücken. „Wir mussten alles selber machen“, sagt Dunker und meint damit die Aufgaben, die heute der städtische Betriebshof übernimmt.

Dorfbewohner mussten Wege selber planieren

„Wer hilft mit?“, lautete die Standardfrage des Gemeinderates an die Scharnhorster, wenn es beispielsweise um das Beschneiden von Hecken, das Planieren von Wegen oder das Schneeräumen gibt. „Da wurde morgens die Stulle eingepackt und dann ging's los“, berichtet Landwirt Friedrich Dunker. „Aber nicht in der Erntezeit.“ Derlei mehr oder freiwillige Dienste entfielen mit der Eingliederung Scharnhorsts.

Im Gebietsänderungsvertrag festgehalten war außerdem, dass die Stadt Verden in der Ortschaft diverse Straßen ausbaut, darunter die Kreisstraße 28 in Richtung Flugplatz. „Und der Schnuckenstaller Weg sollte eine überörtliche Verbindungsstraße werden“, berichtet Gerd Dyck. Dazu sei es jedoch nicht gekommen. „Und da sind wir auch nicht traurig drüber.“ Denn eine solche Querverbindung bis zum Osterkrug hätten wohl für einiges mehr an Verkehr gesorgt. So aber konnte sich die Ortschaft ihren dörflichen Charakter erhalten.

202 Scharnhorster stimmten für Verden

202 Scharnhorster hatten dafür gestimmt, das ihre Gemeinde Teil der Stadt Verden werden sollte, nur neun hatten sich für Kirchlinteln ausgesprochen. Beide Ort sind etwa gleich entfernt. In Verden allerdings gingen die Scharnhorster Kinder auf die weiterführenden Schulen. Und kirchlich gehörte man zum Dom. Das schuf Verbindungen. Und es machte die Entscheidung leicht.

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