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Für einen Abend ein Gefühl von Heimat in Verden

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Von: Antje Haubrock-Kriedel

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Eine Frau singt an einem Piano.
Anna Niagara spielte zum „Alten Neujahr“ ukrainische Volkslieder. © Haubrock-Kriedel

Die Pianistin und Sängerin Anna Niagara hatte für den Sonnabend anlässlich des „Alten Neujahrs“ zu einem besonderen Konzert in die Räume der Landeskirchlichen Gemeinschaft (LKG) eingeladen. Gemeinsam mit ihren Landsleuten sang sie ukrainische Volkslieder. Das Konzert war sehr gut besucht, auch viele Deutsche waren unter den Gästen. Einige Ukrainerinnen waren in traditioneller Kleidung gekommen.

Verden – Nach dem julianischen Kalender wird am 14. Januar das sogenannte „Alte Neujahr“ gefeiert. Dieser inoffizielle Feiertag wird in der Ukraine vor allem in der Familie begangen. Bei der Feier des orthodoxen Heiligabend am 6. Januar in der St. Andreaskirche, die Anna Niagara ebenfalls musikalisch begleitete, entstand die spontane Idee für das Neujahrskonzert in der LKG.

Anna Niagara war bis Kriegsbeginn Pianistin in der Philharmonie von Charkiw. Die 35-Jährige floh im Mai mit ihrem neunjährigen Sohn nach Deutschland. Beide leben jetzt in Hülsen.

Ein Leben ohne Musik ist für Anna Niagara nicht vorstellbar. Die Sängerin und Pianistin komponiert auch eigene Lieder. Seit sie in Deutschland lebt, hat sie bereits mehrere Konzerte in der Umgebung gegeben. „Es kamen nur Deutsche, die Ukrainer wussten es wohl nicht, weil es nicht groß angekündigt wurde“, vermutet sie.

Sie fragten mich nach ukrainischen Liedern, viele weinten, als ich sie spielte.

Anna Niagara

Zur Feier des orthodoxen Heiligabend am 6. Januar kamen aber viele Menschen aus ihrer Heimat. „Sie fragten mich nach ukrainischen Liedern, viele weinten, als ich sie spielte“, erzählt Anna Niagara. Sie selbst habe ihre Gefühle nach der Flucht aus der Ukraine lange verschlossen. „Ich musste für meinen Sohn stark sein“, sagt sie. Da sie ihr Klavier in der Heimat zurücklassen musste, hatte sie zunächst kaum die Möglichkeit zu musizieren. Aufgrund einer Annonce überließen ihr zwei Frauen ein Piano. „Als ich das erste Mal spielte, musste ich weinen, alle Emotionen kamen hoch“, erzählt die Musikerin.

Ihre Konzerte sind für sie die Möglichkeit, mit den Menschen in Verbindung zu treten. Auch mit deutschen Musikern hat sie bereits gespielt, das sei eine sehr interessante Erfahrung gewesen, sagt sie. Anna Niagara ist sehr dankbar für die Hilfe, die sie bislang in Deutschland erfahren hat. „Ich wüsste nicht, wie mein Leben sonst wäre. Ich kann hier machen, was ich liebe, und mein Sohn kann hier zur Schule gehen. In der Ukraine hatte er nur Online-Unterricht“, erzählt sie.

Die ukrainischen Gäste singen mit

In ihrem Blog berichtet sie über die Situation in der Ukraine und wirbt um Spenden. „Mir geht es hier gut, ich muss einfach etwas tun. Viele Menschen brauchen Medikamente und Nahrungsmittel“, weiß sie. Auch bei ihrem Konzert in der LKG bat sie um Spenden für die Menschen in Charkiw.

Auf dem Programm standen vor allem Shchedrivky, ukrainische Volkslieder, die in die Zeit der großen Feiertage passen. Mit ihrer ausdrucksvollen Stimme und dem temperamentvollen Klavierspiel riss Niagara ihr Publikum mit. Die ukrainischen Gäste sangen ergriffen die Lieder mit den schönen Melodien mit, ein Stück Heimat war plötzlich wieder da.  

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