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Ein Fotograf auf der Suche nach dem Glück: Alexander Tempel aus Verden veröffentlicht Buch

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Von: Reike Raczkowski

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Eine Frau riecht an einer Handvoll Kräutern
Glücklichmacher Natur: Elisabeth Mittelberger will als Jugendliche weg aus ihrem kleinen Heimatdorf und als Spitzenköchin im Ausland Karriere machen. Während der Ausbildung zur Köchin merkt sie jedoch schnell, dass es gerade die Heimat ist, die sie zum Glücklichsein braucht. Sie übernimmt den Bauernhof der Familie und findet ihre Zufriedenheit im achtsamen Umgang mit der Natur. © Alexander Tempel

Wie wird man glücklich? Alexander Tempel lächelt. So allgemein sei das nicht für jeden zu beantworten, sagt der 40-Jährige. „Aber eins weiß ich sicher. Es hat nichts mit Geld oder großen Autos zu tun.“

Odeweg – Der Fotograf, der in Odeweg lebt, muss es wissen. Zwei Jahre hat er an seinem Projekt „GlücksUmwege“ gearbeitet. Diese Woche ist sein gleichnamiges Buch bei National Geographic erschienen. Für das Projekt ist Alexander mit seiner Frau Ilka vier Monate durch die Alpen gereist – auf der Suche nach glücklichen Menschen. Er hat sie gefunden, befragt und fotografiert. Das Ergebnis ist ebenso berührend wie inspirierend.

Am Anfang stand eine persönliche Krise

Die Entscheidung für die Reise fällt in einer schwierigen Lebenssituation. Anfang 2020 verstirbt Alexanders Mutter plötzlich und unerwartet, kurze Zeit später folgt der Corona-Lockdown. Der persönliche Schicksalsschlag und die soziale Isolation bringen Alexander dazu, sich zu fragen, was es braucht, um glücklich zu sein. Ob man Glück eigentlich fotografieren kann. Und schließlich macht er sich auf die Suche nach dem Glück.

Vier Monate in den Alpen unterwegs

Gemeinsam mit Ilka geht es in die Alpen. In einem Camper, einem Pick-Up mit Wohnkabine, und ohne echten Plan. „Wir haben bewusst nur einen Startpunkt festgelegt, keine Route“, sagt Alexander. In den Alpen angekommen, machen sich die Tempels auf die Suche nach glücklichen Menschen. Die erste Person, die sie besuchen, ist Ulli, eine Hüttenwirtin, die Knödelkochkurse gibt, und die sie in einer Reisebroschüre entdecken. „Danach ist es ein wenig wie ein Schneeballsystem: Wenn wir jemanden kennenlernen, gibt es einen Tipp, wen wir als Nächstes besuchen sollen“, berichtet Ilka von dem Trip, den auch sie wohl nie vergessen wird.

Von der Bäuerin bis zum Bäckermeister

Sie lernen einen philosophierenden Bäckermeister kennen, eine meditierende Bäuerin, einen freundlichen Ziegenbauern und nicht zuletzt einen erfolgreichen Hotelier, der jeden Tag seinen Lieblingsbaum umarmt. Sie alle und die weiteren Protagonisten des Buches erzählen dem Ehepaar, wie sie zu diesem Punkt in ihrem Leben gekommen sind, berichten von früheren Lebenskrisen und Tiefschlägen und erzählen, was sie letztendlich zu zufriedenen Menschen macht. „Was alle diese Menschen gemeinsam haben, ist, dass sie in ihrem Leben viele Umwege machen mussten, um das Glück oder zumindest innere Zufriedenheit zu finden“, sagt Alexander.

Fotografien von glücklichen Menschen und atemberaubenden Landschaften

Die Fotografien, die er von diesen Begegnungen macht, sind teils spektakulär, teils von einer berührenden Zurückhaltung. „Ich habe nichts gestellt, nur mit natürlichem Licht gearbeitet“, berichtet der gebürtige Verdener. Neben den menschlichen Protagonisten spielt aber auch ein weiteres Motiv eine große Rolle: die atemberaubende Natur der Alpen.

Auch das persönliche Glück rückt in den Fokus

Das Ehepaar erzählt, dass an ihnen diese Reise nicht spurlos vorbei gegangen sei. Beide hätten viel über sich selbst erfahren. Zum Beispiel, dass sie sich nach zehn Jahren in Hamburg nach ihrer Heimat zurücksehnten. Anstatt die Entscheidung noch länger vor sich herzuschieben, sind sie nach Odeweg gezogen, in die Nähe von Ilkas Heimatdorf Deelsen. Ilka gestand sich außerdem ein, dass ihr Job in einer Unternehmensberatung sie nicht glücklich macht. Sie kündigte. „Ich habe mir auch immer einen Hund gewünscht“, sagt sie lächelnd und krault Lana, die junge Berner Sennenhündin, hinter den Ohren. Auch Alexander habe auf der Reise viel über sich selbst gelernt und herausgefunden, dass er für ein zufriedenes Leben Ruhe, Natur, liebe Menschen und kreative Herausforderungen braucht.

Buch soll Inspiration sein

Der Fotograf wünscht sich, dass die Geschichten, die er von seiner Reise mitgebracht hat, andere Menschen dazu inspirieren, ihr Glück selbst in die Hand zu nehmen. „Es ist nicht leicht, aus seinem alten Leben auszubrechen“, sagt er. Das fange schon damit an, dass es schwer sei, einen ungeliebten, aber sicheren Job aufzugeben. „Und wenn man auch noch eine Familie zu versorgen hat, ist es natürlich noch schwerer“, sagt Ilka. „Aber Geld ist nun einmal tatsächlich nicht alles. Man muss schon herausfinden, was einen glücklich macht, was dem eigenen Leben Sinn verleiht. Wir haben den ersten Schritt gewagt, und dann hat sich alles andere gefügt.“ Alexander: „Glück ist, das ist mir klar geworden, oft das Ergebnis von mutigen Entscheidungen.“

Mehr Infos zum Buch finden Interessierte unter www.gluecksumwege.de.

Eine spektakuläre Berglandschaft mit zwei Wanderern.
Den persönlichen Weg zum Glück zu finden, ist nicht leicht, aber es lohnt sich. © Alexander Tempel
Ein Mann mit Käppi steht vor einem Camper.
„Kann man Glück fotografieren?“, fragte sich Alexander Tempel. Der gebürtige Verdener nahm sich vor, es zumindest zu versuchen. Er reiste in die Alpen, wo er sich auf die Suche nach glücklichen Menschen machte. Und fündig wurde. © Alexander Tempel

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