Gut besuchte Bürgerversammlung / Gegner hielten sich zurück / Ideenwettbewerb „Kunst in die Mitte“

„Dynamischer Kreisel“ vielleicht

Moderiert von Angelika Steinbach, wurde im Ratssaal lebhaft diskutiert.

Achim - (mm) · Der City-Kreisel bei Gieschen – Aufregerthema in Achim, aber vielleicht auch Chance für die Innenstadt. Neue und alte Konzepte, ihr mehr Leben einzuhauchen, stellten örtliche Stadtentwickler mehr als 100 interessierten Bürgerinnen und Bürgern am Montag im Ratssaal vor.

Es wurde lebhaft, kontrovers und mitunter auch lautstark zur Sache diskutiert, aber zu einer – wie von manchen vermutet – Anti-Kreisel-Veranstaltung geriet der Abend nicht.

Kreisel-Gegner Breu (hinten) bei den Planern.

Nach der Begrüßung der großen Runde durch Bürgermeister Uwe Kellner führte Angelika Steinbach aus dem Fachbereich Stadtentwicklung der Verwaltung kompetent, locker, aber auch bestimmt durch die Themen, die sich ein Stück weit über die Kreisel-Ausgestaltung hinaus drehten. Der von der „Initiative Achimer Bürger für den Erhalt der Gieschen-Kreuzung“ (IAB) lange heftig bekämpfte Bau des Ampelersatzes eröffne Perspektiven für die „Entwicklung und Attraktivierung des innerstädtischen Hauptgeschäftsbereichs“, betonte Steinbach. 200 000 Euro Fördermittel der Europäischen Union stünden dafür bereit. Mit 9 000 Euro vergleichsweise günstig käme der Umbau des Alten Markts zur „Veranstaltungsfläche“. Der dortige, längst nicht mehr sprudelnde Brunnen oder auch das benachbarte Figurenduo Animus und Anima könnten künftig ja den Kreisel zieren, lauteten mehr oder weniger ernst gemeinte Vorschläge.

„Wir haben doch schon den Bibliotheksplatz. Warum soll denn jetzt eine weitere große Pflasterfläche angelegt werden, die dann nur wenige Male im Jahr genutzt wird“, wandte sich Klaus Bischoff vom Heimatverein gegen das Vorhaben.

Weiter verfolgt werden sollen auch die früheren Pläne, auf dem nach dem Hausabriss weitgehend freigeräumten Grundstück Scherf/Rühe ein sogenanntes Fachmarkt-Zentrum zu errichten. Für einen Baumarkt wäre das Areal dennoch zu klein und zu hügelig, informierte Steinbach auf Nachfrage, aber ein „Elektro-Markt“ und ein „kleines Bettenhaus“ könnten sich dort ansiedeln. Die Zuwegung solle vom Schmiedeberg entlang der Obstbaumwiese erfolgen, wodurch das Kirchenviertel vor Verkehrsströmen bewahrt bliebe.

Nach dem Abbruch des Drogerie-Jung-Komplexes soll auch die Fußgängerzone im Westen ein neues, einladendes Gesicht erhalten. Die freie Fläche könnte zum Teil durch einen „Café-Shop“ mit viel Glas und Stehtischen vor dem Lokal zum „markanten Eingangsbereich“ gestaltet werden, verriet Steinbach entsprechende Pläne.

Was Kreisel-Gegner Herbert Mudersbach sticheln ließ: „Warum wird an einer Stelle ein Gebäude eingerissen und an fast derselben Stelle soll ein anderes wieder neu aufgebaut werden?“

Der eher klotzige Bau habe einem „richtigen Eingangstor“ zur Fußgängerzone entgegen gestanden, entgegnete Steinbach. Und das könnte demnächst in Angriff genommen werden. Genauso wie die Ausgestaltung der Kreisverkehrsinsel.

„Wieso sollten ausgerechnet Leute, die zum großen Teil gegen den Kreiselbau waren, nun dabei mitmachen?“, schüttelte Mudersbach den Kopf.

Und IAB-Sprecher Heinz-Dieter Breu legte nach. „Wir glauben Ihnen nicht mehr.“ Nachdem die Stadt das Projekt ohne Bürgerbegehren durchgezogen habe, sei das „Misstrauen sehr groß“.

Doch zum von manch einem befürchteten großen Eklat kam es nicht. Breu führte später sogar von ihm fotografierte Beispiele für hübsch gemachte Kreisel aus anderen Städten vor.

Und wie soll das Rondell mitten in Achim, das auch beleuchtet werden soll, mal aussehen? Jeder, der Lust hat, gleich ob Privatperson, Firma, Verein oder Schule, kann sich ab sofort am von der Verwaltung initiierten Ideen-Wettbewerb „Kunst in die Mitte“ beteiligen. Bevor eine „kleine Jury“ die Wahl trifft, nimmt Heidi Eden, Tel. 9160415, bis 30. November Vorschläge entgegen.

Einige gab es schon in der Versammlung. Gästeführerin Elke Gerbers regte an, das tonnenschwere Wal-Kunstwerk „Freund von Weser“ vom Alten Markt rüber zu bugsieren. Ein anderer war dafür, den riesigen Feldstein aus dem Rathauspark auf die „Insel“ zu hieven. Ein sich drehender großer, transparenter Würfel mit Achimer Sehenswürdigkeiten in Miniaturform drin, hielt eine Dritte für das Beste. Andere favorisierten ein Blumenbeet, und das könnte noch durch ein „Willkommens“-Schild bereichert werden, meinte eine Frau.

„Es sollte ein Schild aufgestellt werden, auf dem steht, wieviel der Kreiselbau den Bürger gekostet hat“, giftete jemand dazwischen. Für die Schulen sei kein Geld da, „aber für so was. Sie sollten sich schämen“, verschärfte ein Vater noch den Tonfall.

Aber schließlich endete alles schiedlich-friedlich. Und mit der Idee der „wechselnden Kunst“ durch Achimer Kunstgruppen für einen „dynamischen Kreisel“.

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