Dr. Jörg Vogeler für „Zahnärzte ohne Grenzen“ unterwegs / 500 Patienten behandelt / Fotopräsentation am Donnerstag

Drei Wochen Einsatz in der Mongolei

Dr. Vogeler und sein Kollege bei der Behandlung einer kleinen Patientin.

Langwedel - (jw) · Wenn ein Zahnarzt seine Praxis im August für drei Wochen zumacht, was wird der schon vorhaben? Süßes Nichtstun im sonnigen Süden mag sich der manchmal von Klischees nicht freie Mitmensch denken – und läge in unserem Fall total daneben. Dr. Jörg Vogeler schloss seine Praxis in Langwedel, um an einem dreiwöchigen Arbeitseinsatz der Hilfsorganisation „Zahnärzte ohne Grenzen“ in der Mongolei teilzunehmen.

„Ich war mit meinem Team (zwei Zahnärzte, zwei Studenten als Helfer, eine einheimische Zahnärztin und ein Übersetzer) in Tumentsogt, einer abgelegen Siedlung in der ostmongolischen Steppe“, berichtet Vogeler.

Wie man dahin kommt? Neuneinhalb Stunden Flug nach Ulaanbaatar plus 14 Stunden Fahrt in einem Land Cruiser-Wagen. „Die letzten 100 Kilometer gab es überhaupt keine Straße mehr, sondern lediglich einen Feldweg. Die Landschaft der Grassteppe ist ziemlich eintönig, wirkt aber dadurch sehr beruhigend auf gestresste Großstädter-Seelen“, so Vogeler.

Tumentsogt wurde in den 70-er Jahren von den Sowjets erbaut. Seitdem ist aber nicht viel in Sachen Instandhaltung passiert, so der Eindruck Vogelers. Seine Erklärung: „Die Mongolen sind in der Tiefe ihrer Seelen eben immer noch Nomaden, die sich nicht allzu sehr für feste Behausungen interessieren. Außerdem sind die meisten sehr arm. Einen Handwerker können sie nicht bezahlen, nicht einmal das Material für Reparaturen.“

Wirklich feste Häuser gibt es nur für die öffentlichen Einrichtungen, die Menschen leben in einfachen Hütten oder Jurten. So wurde auch das Einsatzteam mit dem Deutschen in einer Jurte untergebracht, die im Vorhof der Krankenstation aufgebaut worden war. In drei freigeräumten Büros und Behandlungszimmern bauten die Helfer unverzüglich ihre mobilen Zahnbehandlungseinheiten auf.

„Schon beim Aufbauen füllte sich der Flur vor unseren Behandlungszimmern mit Patienten, so dass wir sofort mit der Arbeit anfangen konnten. Mit Hilfe des Übersetzers – Purve, der einige Jahre in Stuttgart gelebt hatte – konnten wir meist sehr schnell klären, welche Probleme die Menschen hatten.“ Oft waren es Karieslöcher, die mit Amalgam- oder Kunststoff-Füllungen versorgt wurden. Tief zerstörte oder gelockerte Zähne wurden gezogen.

Der Patientenandrang war enorm. Obwohl man versuchte schnell zu arbeiten, dehnten sich die Arbeitstage auf zehn Stunden aus, auch am Wochenende. Insgesamt konnte man über 500 Patienten behandeln.

Trotz der gehörigen Arbeitsbelastung fühlten sich die Helfer bestens aufgenommen. Dr. Vogeler: „Der Krankenhaus-Chef, die Ärztinnen und Schwestern kümmerten sich prima um uns. Abends wurden wir einige Male zu mongolischen Parties eingeladen, die wir so schnell nicht vergessen werden.“ In der freien Natur wurde eine Jurte aufgebaut, ein Schaf geschlachtet, gegart und verspeist. Da gab es dann auch lecker Innereien. Je nach Geschmack ein Stück von der Zunge, einer Niere oder vom Darm. Dazu: Wodka.

„Nach dem Essen lieben die Mongolen es, zu singen. Es sind Lieder mit sanfter Melodie, so wie die Landschaft. Auch uns Deutschen wurde es nicht erlassen, wenigstens ein deutsches Lied vorzutragen. Aus Mangel an volksmusikalischer Allgemeinbildung blieb es beim „Eisgekühlten Bommerlunder“, den Mongolen gefiel es aber, und sie klatschten und tanzten mit.“

Nach zwei Wochen war der Einsatz in Tumentsogt beendet. „Der Abschied fiel schwer, vor allem, weil wir viele Patienten unbehandelt zurücklassen mussten.“ Fünf Tage blieben für Urlaub und Besichtigungen.

„Was uns besonders beeindruckt hat in der Mongolei, ist einerseits die Weite der Landschaft, die dem Himmel so viel Raum lässt und andererseits die Freundlichkeit und Ausgeglichenheit der Menschen. Diese Eindrücke haben sich uns eingeprägt und uns ein bisschen verändert.“

Wer gern mehr über die Mongolei erfahren und sehen möchte, ist herzlich eingeladen, am Donnerstag, 23. September um 19 Uhr ins Gasthaus Klenke, Herrenkamp 2 in Langwedel, zu kommen. Dort zeigt Dr. Jörg Vogeler eine Fotopräsentation über den Mongolei-Aufenthalt des „Zahnärzte ohne Grenzen“-Teams.

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