Archäologische Ausgrabung bei Heckmann / „Der Firma erhebliche Kosten verursacht“

Zeugen der Vergangenheit schlummern in Hülsen

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Große Hitze herrschte an manchen Ausgrabungstagen. Aus archäologischer Sicht hat sich der Aufwand aber gelohnt.

Hülsen - Von Dirk Kattwinkel. Die Errichtung einer neuen Produktionshalle der Firma Heckmann in Hülsen machte fast 30 Jahre nach der ersten Ausgrabung auf dem Firmengelände eine weitere Maßnahme notwendig. Bernd Steffens, Mitarbeiter der Kreisarchäologie, der aufgrund von Auflagen in der Baugenehmigung die Baggerarbeiten beobachtet hatte, entdeckte dabei archäologische Befunde: Direkt unter dem Mutterboden kamen die ersten dunklen Flecken im Boden und prähistorische Keramik zutage.

Die Auflage schreibt vor, dass wenn der Verdacht besteht, dass archäologische Funde auftreten, der Bauherr oder in diesem Fall sein Architekt den Beginn der Erdarbeiten mitteilen muss, damit sie von Fachleuten beobachtet werden können. „Das hat alles gut geklappt. Herr Heckmann und sein Architekt haben sich vorbildlich verhalten“, so Dr. Jutta Precht von der Kreisarchäologie.

Trotz hoher Kosten: alle Beteiligten sehen Ausgrabung positiv

Daraufhin hat der Bauherr Heinz Heckmann die Bremer Grabungsfirma Archaenord mit der Ausgrabung beauftragt. Die Firma hat die Ausgrabungsfläche in kurzer Zeit untersucht, sodass für die Baumaßnahme kein zeitlicher Verzug entstanden ist. „Das war nicht zuletzt möglich dank der guten und unkomplizierten Zusammenarbeit mit dem Bauherrn Heinz Heckmann” so Dr. Jutta Precht.

Grabungshelferin Friederike Schons zeigt eine Scherbe.

„Trotzdem bin ich stinksauer“, so Heinz Heckmann in einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Denn die Ausgrabung hat erhebliche Kosten für die Firma verursacht“, so der Unternehmer. Davon abgesehen stehe er den Ausgrabungen aber positiv gegenüber. Archaenord habe trotz der teilweise extremen Hitze so flott gearbeitet hat, dass sie schon im Vorfeld der Baumaßnahme fertig geworden ist. „Das ist im Übrigen auch das Bestreben der Kreisarchäologie: Ich versuche, wo immer möglich, zu Kompromissen zu kommen, die die gesetzlichen Bestimmungen beachten, aber dem Bauherrn nicht allzu viele Unannehmlichkeiten bereiten. Archäologische Denkmalpflege funktioniert meiner Überzeugung nach nur gemeinsam mit den betroffenen Bürgern. Es freut mich, dass Herr Heckmann die Ausgrabung schlussendlich doch positiv sieht“, so Dr. Jutta Precht.

Siedlungsspuren der vorrömischen Eisenzeit gefunden

„Archäologische Funde und Befunde sind so etwas wie ein Archiv im Boden, das die einzigen und einzigartigen Quellen unserer prähistorischen Vergangenheit enthält. Ihre undokumentierte Zerstörung ist unwiederbringlich, die Ausgrabung die einzige Chance, die in diesen Quellen enthaltenen Informationen zu sichern“, so die Expertin weiter. Konkrete Angaben zum Ergebnis könne sie derzeit noch nicht machen, da die Auswertung noch nicht begonnen habe.

„Nur so viel: Wir haben Siedlungsspuren der Vorrömischen Eisenzeit ausgegraben, dazu gehören Pfostengruben ebenso wie Abfallgruben und auch mindestens ein Grubenhaus. Somit schließt diese Grabung fast nahtlos an die letzte Grabung an. Zudem haben wir sehr viel Keramik auf dieser vergleichsweise kleinen Fläche gefunden. Einschränkend bezüglich der zu erwartenden Ergebnisse ist noch zu erwähnen, dass auf diesem Gelände nach Kriegsende Waffen und Munition vernichtet wurden, und das wohl recht unsanft. Für uns bedeutet das, dass die Befunde davon zumindest teilweise in Mitleidenschaft gezogen wurden“, so Dr. phil. Daniela Nordholz, Inhaberin der Ausgrabungsfirma Archaenord.

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