„Zeigen Sie Eigeninitiative“

Neue Vorschläge für Wegeseitenränder aus der Nachbargemeinde Brockel

Viele interessierte Gäste kamen zum Infoabend des Nabu ins Müllerhaus, darunter auch Ratsmitglieder. - Foto: Leeske

Brunsbrock - Seit längerer Zeit sucht die Gemeinde Kirchlinteln eine Lösung für das Problem der Überackerung von Wegen. Nun lud der Nabu Kirchlinteln zu einer Informationsveranstaltung mit den Referenten Manfred Radtke vom BUND und dem Bürgermeister Rolf Lüdemann der Gemeinde Brockel im Landkreis Rotenburg ins Müllerhaus Brunsbrock ein. „Der Nabu Kirchlinteln ist bereit, bei der Gestaltung der Wegeseitenräder mitzuwirken“, signalisierte der Vorsitzende Gustav Schindler an diesem Abend.

„Warten Sie nicht, bis irgendwer etwas macht, sondern zeigen Sie Eigeninitiative bei der Pflege der Seitenränder“, mahnte Lüdemann.

Der Bürgermeister aus Brockel stellte das Pflegekonzept in seiner Gemeinde anhand von praktischen Beispielen vor und gab so ganz neue Anregungen für Kirchlinteln. Einerseits stelle seine Gemeinde bei schwerwiegenden Verstößen mit Hilfestellung eines Vermessungsbüros den Grenzverlauf fest und markiere die Grenze mit Kunststoffpfählen für die Kosten von circa 1000 Euro. Andererseits säe sie in Zusammenarbeit mit dem dortigen Ortsverband des Nabu auf den nun breiteren Wegerändern Blühstreifen. „Dabei müssen Sie unbedingt die Bürger durch Eigenbeteiligung mitnehmen“, so Lüdemann. Der Landwirt mit dem angrenzenden Acker sei dann auch zufrieden, da neben seinem Feld kein Wildwuchs von Disteln und Quecken entstehen würde.

Die Kosten für weitere Projekte hoffe die Gemeinde mit Unterstützung der Bingostiftung decken zu können. In bestimmten Fällen sei die Verwaltung auch zum Verpachten der Flächen übergegangen, wenn durch die örtlichen Verhältnisse ein Blühstreifen keinen Sinn machte. „Für mich als Bürgermeister ist es wichtig, dass die Wegeränder auch schön aussehen und die Einwohner damit zufrieden sind“, sagte Lüdemann. Deswegen riet er davon ab, die Besitzverhältnisse wiederherzustellen, aber die Wegeräder ansonsten sich selbst zu überlassen.

Ein seltener Anblick in der Gemeinde Kirchlinteln: ein Weg mit breiten, unbewirtschafteten Seitenrändern. - Foto: Raczkowski

Über die rechtlichen Voraussetzungen bei dieser Thematik informierte der langjährige Kommunalpolitiker Manfred Radtke aus Rotenburg in seinem kurzen Vortrag. Er sieht durch das Bundesnaturschutzgesetz die öffentliche Hand, also in diesem Fall die Gemeinde Kirchlinteln, in der Pflicht, die Ziele des Naturschutzes besonders zu berücksichtigen. Weiter habe durch die Niedersächsische Kommunalverfassung der Bürgermeister die Pflicht, die Vermögensgegenstände der Gemeinde besonders pfleglich zu verwalten.

Zur Überprüfung der genauen Grenzen empfahl Radtke, Internetdienste wie etwa geolife.de und den Feldblockfinder der Landwirtschaftskammer, zu nutzen.

Weiter berichtete der Landschaftswart Jürgen Trahn aus Hohenaverbergen von positiven Beispielen, bei denen der Fremdnutzer einsichtig war. Allerdings gebe es auch Fälle, wo er auf Unverständnis bei den Betroffenen stößt.

Außerdem schilderte der Landwirt Lars Hogrefe seine praktischen Erfahrungen. „Als Pächter wird uns vom Eigentümer nahegelegt, immer scharf an die Grenzen zu beackern, um einem Flächenverlust vorzubeugen“, sagte Hogrefe. Selbst bei benachbarten Feldern werde teilweise mal versehentlich drei Meter über die Grenze gegangen. Problematisch sei auch die Aussaat von Imkermischungen oder Blühstreifen wegen der bürokratischen Hürden. „Einmal war meine Fläche mit der Imkermischung etwas größer als angemeldet und gleich drohten mir kostspielige Sanktionen“, schilderte Hogrefe. Er forderte vom Nabu und BUND Unterstützung beim Bürokratieabbau im Sinne des Naturschutzes.

 lee

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