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Im Waidmannsheil gibt’s zartes Nutria auf der Speisekarte

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Von: Christel Niemann

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Dem Braten traut zwar nicht jeder, aber die Zahl derer, die sich Nutria-Ragout schmecken lassen, nimmt kontinuierlich zu.
Dem Braten traut zwar nicht jeder, aber die Zahl derer, die sich Nutria-Ragout schmecken lassen, nimmt kontinuierlich zu. © Niemann

Weil sie Deiche zerstören, werden die intensiv bejagt. Köche wie Jörg Rosenbrock, Chef im Gasthaus Waidmannsheil in Diensthop, können den Nutrias derweil durchaus etwas Positives abgewinnen.

Diensthop – Nutrias werden auch in hiesigen Breiten immer mehr zur Plage und müssen – da sie unter anderem die Deiche untergraben – verstärkt bejagt werden. Mancher Waidmann zieht daraus einen schmackhaften Nutzen und bietet das ursprünglich in Südamerika beheimatete Tier Gastronomie und Hobbyköchen zum Kauf an. Auch im Gasthaus Waidmannsheil steht der Nager auf der Speisekarte.

Ablehnende Haltung eher eine Kopfsache

Jörg Rosenbrock, Chef im Gasthaus Waidmannsheil in Diensthop, hatte zunächst Bedenken, wegen der Ähnlichkeit der Tiere mit Ratten. „Ich habe mich lange dagegen gesträubt, es dann aber doch gewagt. Heute kann ich sagen, dass die Entscheidung richtig war. Die Tiere stammen ausschließlich aus der Allerniederung. Ich beziehe das Fleisch von einem heimischen Jäger, der es mir tiefgefroren und küchenfertig liefert. Das Fleisch ist qualitativ ebenso hervorragend wie schmackhaft und die ablehnende Haltung sicher eher eine reine Kopfsache.“

Rosenbrock räumt zudem mit einem Irrglauben auf: Anfangs habe man fälschlicherweise gedacht, Nutrias seien Allesfresser. „Inzwischen weiß man, dass es reine Pflanzenfresser sind. Folglich wurde auch die Pflicht zur Trichinenschau für das Nutria-Fleisch aufgehoben, da es bei einem Pflanzenfresser nicht zu Trichinen-Befall kommen kann.“

Auch die Knochen kocht Jörg Rosenbrock aus. Der Fond ist später würzige Basis für die Sauce des Nutria-Gerichts.
Auch die Knochen kocht Jörg Rosenbrock aus. Der Fond ist später würzige Basis für die Sauce des Nutria-Gerichts. © NIemann

So neu ist der Verzehr von Nutria-Fleisch nicht und eigentlich gar nichts Außergewöhnliches: „In der DDR wurden Nutrias auf Farmen für die Fell- und Fleisch-Produktion eigens gezüchtet“, weiß Rosenbrock und fügt noch hinzu, dass die Tiere biologisch zur Ordnung der Nagetiere und zur Familie der Meerschweinchen gehörten. Mit Ratten hätten sie folglich gar nichts zu tun.

Und wie schmeckt nun das Nutria-Fleisch? „Ich finde, der Geschmack ist dem von Reh mit Kräutern sehr ähnlich, während die Konsistenz des Fleisches – wir Köche nennen es die Textur – eher an die von Kaninchen erinnert.“ Die Gäste, die wegen dieses besonderen Angebots auf der Speisekarte teils sogar aus dem Umland anreisen, lobten den würzigen Eigengeschmack und die außergewöhnliche Zartheit des Fleisches. Und laut Rosenbrock nimmt die Nachfrage zu. „Die Menschen suchen das Neue und Außergewöhnliche. Das Nutria-Ragout kommt daher gut an.“

Ab Mai wieder im Angebot

Bei der Zubereitung hat sich Rosenbrock wegen der Tiergröße dafür entschieden, das Fleisch ausschließlich zu Ragout zu verarbeiten und es je nach Jahreszeit zusammen mit herzhaftem Gemüsesorten wie Rosen- und Wirsingkohl oder Bohnen und Bratkartoffeln zu servieren. Appetit bekommen? Ab Mai steht die Spezialität wieder im Waidmannsheil auf der Speisekarte.  

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