Trotz Pandemiebeschränkungen: Dörverdener Schüler wollen Musik machen

„Wir werden nicht leiser, aber besser“

Eine Gruppe Schülerinnen und Schüler auf dem Schulhof mit verschiedenen Blasinstrumenten.
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Bei schönem Wetter macht das Musizieren auf dem Schulgelände sogar richtig Spaß. Wenn aber demnächst die Temperaturen sinken, können die Schüler der Bläserklasse nur hoffen, dass nicht zeitgleich die Infektionszahlen steigen. Denn ob sie für den Musikunterricht ins Freie müssen, hängt immer von der jeweils aktuellen Warnstufe ab.

Ich wünschte, wir hätten jeden Tag Musik“, sagt Ciara und strahlt. Die Zehnjährige ist mächtig stolz, Teil der neuen Bläserklasse an der Aller-Weser-Oberschule zu sein. 15 Fünftklässler haben sich dazu entschieden, daran teilzunehmen. Organisatorin Nathalie Schmidtmeyer ist darüber sehr glücklich, allerdings gibt sie zu, dass praktischer Musikunterricht in Pandemiezeiten eine gewisse Herausforderung darstellt.

Dörverden – „Das gilt übrigens auch für die Nachbarn der Oberschule, die derzeit immer häufiger in den „Genuss“ kommen, die ersten Spielversuche der Kinder live zu erleben. Denn je nach Warnstufe darf nur draußen musiziert werden.

Traum: eine Überdachung auf dem Schulhof für die Musiker

Ciara und ihren Mitschülern macht das – noch – nichts aus. Was natürlich daran liegt, dass bisher das Wetter mitgespielt hat. Wenn demnächst die Temperaturen sinken und es mehr regnet, wird es nicht mehr so einfach sein, an der frischen Luft bei Laune zu bleiben. „Wir haben uns da natürlich schon Gedanken gemacht“, erzählt Schulleiter Alexander Schock. „Wir haben zum Beispiel bei einem Zeltverleih nachgefragt, aber das ist finanziell für uns einfach nicht drin.“ Der Traum sei, irgendwann, vielleicht mithilfe von Spenden, eine Überdachung auf dem Schulgelände installieren zu können, doch das sei Zukunftsmusik.

Glücklicherweise gilt die Open-Air-Musik-Regelung nur für die Warnstufe eins. „Hoffen wir jetzt, dass es nicht so bald wieder dazu kommt“, sagt Schmidtmeyer, die derzeit nämlich mit ihren jungen Trompetern in der Mensa – auf Abstand – proben darf. Den Unterricht für die Holzblasgruppe (Querflöte und Klarinette) übernimmt Paul Misell, um die jungen Posaunisten kümmert sich Friederike Wessel.

„Tatsächlich war das Ausprobieren der Instrumente zu Schuljahresbeginn pandemiebedingt eine Herausforderung“, berichtet Schmidtmeyer. So ließen sich zwar Trompeten, Klarinetten und Posaunen noch mithilfe von Desinfektionstüchern aus der Apotheke und einem Wasserkocher gut reinigen. „Die Querflöten sind da aber zu empfindlich.“ Deswegen durften die Schüler diese Instrumente nicht testen, bevor sie sich dafür entschieden. Das sei nicht optimal, aber letzten Endes habe jeder ein passendes Musikinstrument für sich gefunden. „Und mittlerweile hat jeder sein eigenes, also kein Problem.“

In Kürze, wenn mit der Versicherung alles geklärt ist, dürfen die jungen Musiker die schuleigenen Instrumente sogar mit nach Hause nehmen. Darauf freut sich besonders der zehnjährige Armando: „Ich will meiner Mutter auf der Posaune etwas vorspielen, vielleicht findet die das gut, mal gucken.“

Es muss noch viel geübt werden

So ganz viel beherrschen die Bläserklassenschüler aber natürlich noch nicht auf ihren Instrumenten. „Wir arbeiten im Moment noch an den ersten fünf Tönen und an der richtigen Körperhaltung“, sagt Schmidtmeyer. Dass am Anfang nicht alles besonders schön klingt, ist natürlich klar. „Wir müssen noch fleißig üben“, weiß auch Melina (10), die Posaune spielt. Und wenn die Probe wegen Corona draußen stattfindet – und die Fenster in den umliegenden Klassenräumen wegen der Lüftungsvorschriften alle geöffnet sein müssen – dann kann das auch schon mal etwas anstrengend für Unbeteiligte werden. „Da habe ich schon ein paar Rückmeldungen bekommen“, so Schmidtmeyer. Schulleiter Schock schmunzelt. „Das ist charmant ausgedrückt“, sagt er. Ein Kollege habe nach einer Probe die Musiklehrerin im Lehrerzimmer gefragt: „Wie hältst Du das bloß aus?“ Schmidtmeyer lacht. „Und ich war an diesem Tag so stolz, weil alle Schüler es geschafft hatten, einen Ton aus ihrem Instrument zu bekommen.“

Jedenfalls hoffe sie auf Verständnis, auch von der benachbarten Grundschule, wenn die Kinder pandemiebedingt ihren Musikunterricht wieder auf das Schulgelände verlegen müssen. Neulich sei sie von einer Kollegin gefragt worden, ob sie künftig immer so laut proben würden. Schmidtmeyer habe geantwortet: „Wir werden zwar nicht leiser, aber besser. Versprochen.“

Zwei kleine Lieder, vielleicht „Morgen kommt der Weihnachtsmann“ und „Jingle Bells“, könnten demnächst auf dem Probenplan stehen. Die Hoffnung auf ein Weihnachtskonzert hat Schmidtmeyer allerdings schon so gut wie aufgegeben. Sie glaubt nicht, dass die Entwicklung der Coronazahlen so eine Veranstaltung hergeben wird. So oder so, die Stimmung in der Bläserklasse ist gut: „Ich freue mich wirklich jeden Tag auf den Musikunterricht“, sagt die zehnjährige Angeliqué. „Dafür würde ich sogar am Wochenende kommen“, meint Ciara.

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