Wintergemüse made in Westen

Auf dem Feld mit Ökobäuerin Amalie Lohmann: Auch zum Jahresende gibt es Vitaminbomben

Leichter Frost macht dem Winterporree nichts aus. Amalie Lohmann schmeckt er besonders gut in der klassischen Lauchcremesuppe. Fotos: Rac zkowski
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Leichter Frost macht dem Winterporree nichts aus. Amalie Lohmann schmeckt er besonders gut in der klassischen Lauchcremesuppe.

Westen - Wer sich gesund und klimafreundlich ernähren möchte, kauft saisonales Gemüse aus der Region. Und im Sommer und Herbst ist das auch kein Problem, weil die Auslagen voll sind mit knackiger Frischware von Aubergine bis Zucchini. Aber was wächst denn eigentlich mitten im Winter bei uns? „Eine ganze Menge“, weiß Ökobäuerin Amalie Lohmann vom Westener Lohmannshof.

Der Betrieb hat jahrzehntelange Erfahrung auf dem Gebiet des Wintergemüseanbaus. „Bei uns wird es in der kalten Jahreszeit nicht ruhiger, eher im Gegenteil“, erzählt Lohmann. Denn neben klassischem Lagergemüse wie Kartoffeln, Steckrüben, Knollensellerie, Knoblauch, Hokkaidokürbissen sowie rote und gelbe Bete baut der Lohmannshof noch zahlreiche Vitaminbomben an, die erst im Dezember geerntet werden. Sie kommen somit knackfrisch vom Feld, wenn sie im Hofladen, auf dem Wochenmarkt, in den Bioläden oder über das Gemüseabo vermarktet werden.

Da wäre zum Beispiel die Pastinake. „Viele kennen sie vor allem aus der Babynahrung“, weiß Lohmann. „Was schade ist, denn sie ist ein sehr schmackhaftes Gemüse.“ Ob als cremige Suppe oder als knusprige Beilage aus dem Ofen: Die Wurzel sorgt für Abwechslung auf dem Teller. Die Pastinaken werden bei Lohmanns nicht gelagert, sondern frisch geerntet. „Das liegt vor allem daran, dass beim Lagern die Erde antrocknet, abfärbt und die Pastinake ihre strahlend weiße Farbe verliert.“ Damit das Gemüse schön bleibt, darf es also bis kurz vor dem Verkauf in der Westener Erde bleiben. Auch die Möhren warten noch im Boden auf ihren großen Moment. Dazwischen findet sich ein Feld mit Wurzelpetersilie, die mit ihrem würzigen Geschmack zum Beispiel winterlichen Eintöpfen das gewisse Etwas verleiht.

Gemüse-Anbau ganz ohne Chemikalien

Lohmann ist sichtlich stolz darauf, dass das Gemüse so gut geraten ist – ganz ohne den Einsatz von Chemikalien. „Das ist doch toll, dass das funktioniert, oder? Das Unkrautmanagement ist bei uns natürlich viel aufwendiger“, berichtet sie. Umso schöner sei es dann, wenn eine Ernte besonders üppig ausfällt.

So strahlt eine Landwirtin nur, wenn ihr Grünkohl besonders gut geraten ist.

Bisher sieht es gut aus in Sachen Wintergemüse 2020. Die 37-jährige Amalie, die den Hof gemeinsam mit Johannes Oppenhorst und Corbinian Schöfinius 2015 von ihren Eltern übernommen hat, zeigt auf ein Feld, auf dem blassgrüne Stangen in der Morgensonne glitzern. „Unser Winterporree ist robust, der kann leichte Bodenfröste gut ab.“ Sie holt eine Stange aus dem Boden. Die Wurzeln sind voller Erde und die äußeren Blätter welken bereits. „Der Putzaufwand für unsere Mitarbeiter ist beim Winterporree besonders groß. Deswegen ist dieses Gemüse auch teurer als die Sommersorten.“ In Sachen Geschmack sei es aber ganz weit vorn. „Ich mag es am Liebsten klassisch, als Lauchcremesuppe, gerne mit etwas Lammhack von unseren Rauhwolligen Pommerschen Landschafen.“

Grünkohl schmeckt auch im milden Winter

Das bisher milde Wetter habe auch seine Schattenseiten: „Die Pflanzen wachsen bei diesen Temperaturen natürlich immer weiter – und bauen dann auch irgendwann ab.“ Bisher sei aber noch alles im grünen Bereich. Besonders auf diesem einen Feld, wo ein besonders hübsches Gemüse seine dunkelgrünen, skurril geformten Blätter ausbreitet. „Sind sie nicht wunderschön?“, fragt Lohmann lächelnd und bückt sich, um den „Reflex“ in Augenschein zu nehmen. „Das ist eine moderne Grünkohlsorte.“ Sie holt eine besonders schön gewachsene Pflanze aus der Erde – und räumt mit einem Mythos auf: Kälte mache das gesunde Gemüse zwar tatsächlich süßer, aber „dass Grünkohl zwingend Frost braucht, stimmt so nicht. Die modernen Sorten haben weniger Bitterstoffe und schmecken auch im milden Winter.

Auch Pastinaken haben gerade Saison.

Die Landwirtin schätzt den Geschmack dieses nährstoffreichen Wintergemüses sehr und gibt den Tipp, ruhig mal andere Zubereitungsweisen als den klassischen Bremer Grünkohl mit Pinkel auszuprobieren. „Die Smoothie-Generation weiß ja, dass man ihn zum Beispiel auch gut roh verzehren kann.“ Dann blieben die Vitamine besonders gut erhalten. Aber auch als exotisches Gericht würde der Kohl zur Höchstform auflaufen, etwa mit Erdnussmus oder Kokosmilch (siehe Rezept).

Regionale Salate im Fokus

Wer gerne Salat isst, muss im Winter nicht auf regionale Angebote verzichten. „Im Gewächshaus haben wir Feld- und Asiasalat sowie den weniger bekannten Postelein“, berichtet Lohmann.

Nur ein Westener Wintergemüse findet in diesem Jahr nicht den Weg über die Verkaufstheke: „Unser Topinambur ist uns wegen der Trockenheit leider missglückt. Die Knollen sehen alle aus wie kleine Murmeln. Da lohnt die Ernte nicht.“ Das Feld sei deswegen in diesem Winter ein Wildacker – sehr zu Freude der heimischen Tierwelt.

Rezept: Kohl mal ohne Pinkel - vegetarisch und exotisch

Schön scharf und außerdem vegetarisch ist diese exotische Variante vom Grünkohl, wie ihn Amalie Lohmann mag: Es braucht ein Kilogramm Grünkohl, drei Esslöffel Olivenöl, vier Chilischoten (frisch), eine Chilischote getrocknet, ein Esslöffel Senfsamen, einen Teelöffel Kreuzkümmelsamen, zehn frische Curryblätter, drei Zwiebeln, fünf Zentimeter Ingwerwurzel, einen Teelöffel Kurkuma, eine unbehandelte Orange, 150 Milliliter Kokosmilch und etwas Salz. Grünkohl zupfen, klein schneiden und blanchieren. Zwiebeln, Chilis und Ingwer klein schneiden. Orangenschale abhobeln, Frucht auspressen. Öl in einem Topf erhitzen, Chilis, Senfsamen, Kreuzkümmel und Curryblätter hinzugeben. Eine Minute unter Rühren anschwitzen lassen. Zwiebeln hinzufügen und goldbraun anbraten. 

Den klein gehackten Ingwer dazugeben. Nach etwa einer Minute den Grünkohl und Kurkuma hinzufügen und bei mittlerer Hitze dünsten. Immer wieder ein paar Esslöffel Wasser hinzugeben, damit nichts anbrennt (circa 200 Milliliter insgesamt). Nach circa 15 Minuten den Orangensaft und die Kokosmilch hinzugeben. Die Hitze stark reduzieren und auf sehr kleiner Stufe weitere zehn Minuten garen. Es sollte jetzt nicht mehr kochen, damit die Kokosmilch nicht gerinnt. Zum Schluss mit Salz und Orangenschale abschmecken. Dazu passt Basmatireis – der Autorin haben aber auch Salzkartoffeln gut dazu geschmeckt.

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