Verwaltungschef gibt Entscheidung bekannt

Dörverdens Bürgermeister Alexander von Seggern kandidiert erneut

 Bürgermeister Alexander von Seggern in seinem Büro
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Will es noch mal wissen: Am 12. September stellt sich Dörverdens Bürgermeister Alexander von Seggern erneut zur Wahl.

Der Druck ist vom Kessel: Nachdem er sich Monate lang bedeckt gehalten hatte, gab Dörverdens Bürgermeister Alexander von Seggern am Dienstag bekannt, dass er sich am 12. September erneut zur Wahl stellt.

  • Von Seggern kandidiert aus dem selben Grund wie schon 2014.
  • Ob die Fraktionen im Gemeinderat seine Entscheidung unterstützen – oder eigene Kandidaten aufstellen – steht noch nicht fest.
  • Ein Dörverdener Politiker macht aber jetzt schon klar: Er wird seinen Hut nicht in den Ring werfen.

Dörverden – Bei der Bürgermeisterwahl, die im September gemeinsam mit der Kommunalwahl stattfindet, wird der Vater von zwei Töchtern erneut als parteiloser Einzelbewerber antreten. „Ich möchte gerne weiterhin mein berufliches Engagement und meine persönlichen Fähigkeiten als Leiter der Dörverdener Gemeindeverwaltung und oberster Repräsentant sachorientiert in den Dienst der Menschen unserer Gemeinde stellen“, so schreibt es der Westener in seiner offiziellen Pressemitteilung.

Keine leichtfertig getroffene Entscheidung

Bereits seit Monaten wurde von Seggern von der Lokalpresse immer wieder gefragt, ob er erneut kandidieren werde. Kein Wort dazu war aus dem 45-Jährigen herauszubekommen, und auch die Dörverdener Politik war etwas ratlos: Keiner wusste mit Sicherheit, ob der Verwaltungschef, der seit 2014 im Amt ist, noch einmal antreten würde. Hat er wirklich so intensiv darüber nachdenken müssen? „Es ist ja so: Irgendwie ist bei solch einer Bekanntgabe jeder Zeitpunkt verkehrt, immer findet es jemand zu früh oder zu spät. Ich hatte mir vorgenommen, die Entscheidung spätestens ein halbes Jahr vorher zu treffen. Das habe ich jetzt getan. Und es geht letztendlich um meine berufliche Zukunft für die kommenden fünf Jahre: So etwas entscheidet man nicht leichtfertig. Ich habe es sorgfältig abgewogen.“

Der Hauptgrund, warum er noch einmal kandidieren wolle, sei der gleiche wie vor sechseinhalb Jahren. Da war er gegen die amtierende Bürgermeisterin Karin Meyer (SPD) angetreten und hatte gewonnen. Er empfinde, wie er sagt, seinen Beruf als eine Berufung, und er wolle ihn weiterhin zum Wohle der Menschen ausüben. „Und ich bin zu dem Schluss gekommen: Ich traue mir es zu.“

Viele Projekte, von der Wirtschaftsplanung bis hin zum Breitbandausbau, seien seit seinem Amtsantritt gemeinsam mit der Politik bereits umgesetzt worden oder wenigstens schon weit fortgeschritten. „An dem Abschluss der laufenden Vorhaben möchte ich mit Vernunft und Augenmaß, aber auch dem notwendigen Mut weiterarbeiten. Den neuen Herausforderungen werde ich mich nachhaltig und mit voller Kraft stellen“, schreibt von Seggern in seiner Erklärung.

Neue Herausforderungen warten schon

Realistisch gesehen gebe es aber auch viele Projekte, die noch nicht zum Ende geführt werden konnten, gibt von Seggern unumwunden zu. Sei es die Realisierung des Gewerbe- und Industrieparks in Barme oder der Bau von neuen Feuerwehrhäusern. Weitere Herausforderungen stünden auch schon in den Startlöchern: Das Thema Ganztagsschulen und die Frage, wie sich die Gemeinde da aufstellen möchte, zum Beispiel. „Aber auch der Themenkomplex Infrastruktur“, der weit über die Frage hinaus gehe, welche Straßen wann wie saniert werden müssten. „Die kommunalen Gebäude müssen energietechnisch auf den Prüfstand. Der Fall des Hallenbades, das bekanntlich einen Schaden im Dach hat, zeigt leider auch, dass unsere Immobilien in die Jahre kommen.“

Arbeitsintensives Corona-jahr

Die vergangenen zwölf Monate hätten allerdings die bisherigen Herausforderungen in den Schatten gestellt. „Das war beruflich das intensivste Jahr bisher.“ Das Schlimmste an der Pandemie sei seiner Meinung nach, dass man es mit einem „unsichtbaren Gegner“ zu tun habe. „Sonst habe ich es ja vor allem mit Menschen zu tun. Die einem natürlich auch nicht immer wohlgesonnen sind. Denen begegne ich dann aber mit offenem Visier.“ In der Verwaltung habe man sich intensiv um Dinge kümmern müssen, die man bisher nicht für möglich gehalten hatte. „Als es erstmals hieß: Ab Montag wird der Betrieb in allen Einrichtungen eingestellt, das war für mich der einschneidenste Moment.“ Er sei als Bürgermeister oftmals nah am Einsatzgeschehen und habe sich zumindest gedanklich oder in Form von Übungen schon mit vielen Katastrophenszenarien auseinandergesetzt. „Aber so eine Lage – das war für mich bis dahin nicht vorstellbar.“ Viele Entscheidungen seien seit Ausbruch der Pandemie zu treffen gewesen, immer neue Verordnungen umzusetzen. „Was mich wirklich bewegt, ist aber, dass bis heute Menschen schwere Krankheitsverläufe haben und auch daran sterben. Das treibt mich sehr um.“

Von Seggern hofft auf Unterstützung

Von Seggern hofft, dass die Dörverdener Politik weiterhin mit ihm zusammenarbeiten möchte. „Auch für die nächste Wahlperiode stehe ich als Direktkandidat gegenüber allen demokratischen Parteien und Wählergemeinschaften für eine kooperative Zusammenarbeit offen und werbe unverändert für einen gemeinsamen Erfolg“, heißt es in der Erklärung.

Unabhängig von der Entscheidung der CDU bleibe ich bei meinem Wort, dass ich gegen Alexander nicht kandidieren werde. Dazu stehe ich.

Adrian Mohr, Fraktionsvorsitzender der CDU

Die Fraktionsvorsitzenden im Dörverdener Gemeinderat hat von Seggern bereits vor ein paar Tagen informiert. Adrian Mohr (CDU) sagte auf Nachfrage: „Persönlich begrüße ich die Entscheidung von Alexander von Seggern, erneut zu kandidieren. Damit herrscht nun Klarheit, was die Ausgangslage angeht. Das ist gut.“ In vielen Bereichen sehe er die Gemeinde mit von Seggern auf dem richtigen Weg. „Die Zusammenarbeit von Rat und Verwaltung ist fair und vertrauensvoll. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass wir in verschiedenen Bereichen nicht da stehen, wo wir jetzt stehen wollten.“ Natürlich hingen Verzögerungen auch mit der Pandemielage zusammen. „Das geht ja nicht nur uns in Dörverden so. Die Bilanz ist also durchwachsen, aber sie ist nicht schlecht.“ Die CDU-Basis werde in einer von Stefan Bormann geleiteten Mitgliederversammlung entscheiden, ob sie von Seggerns Kandidatur wieder aktiv unterstützt. „Wir machen das von Inhalten und Zielen abhängig – und nicht reinweg von der Person.“ In der langen Phase der Unklarheit über von Seggerns Kandidatur wurde Mohr oft gefragt, ob er nicht selbst Bürgermeister seiner Heimatgemeinde werden will. Auch die VAZ hat bei dem Stedorfer bereits vor Monaten nachgehakt. „Unabhängig von der Entscheidung der CDU bleibe ich bei meinem Wort, dass ich gegen Alexander nicht kandidieren werde. Dazu stehe ich.“

Wir würden uns schon wünschen, dass Dörverden im September eine Wahl hat.

Jens Künzler, Fraktionsvorsitzender SPD

Jens Künzler, SPD, sagt zur Kandidatur des amtierenden Bürgermeisters: „Gut, dass er sich bekennt und die Verhältnisse jetzt klar sind. Die Zusammenarbeit mit ihm war immer fair und sachlich.“ Ob die SPD einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt? „Ganz ehrlich, ich habe jetzt niemanden, den ich aus dem Hut zaubern kann. Aber für uns als SPD ist klar: Wir würden uns schon wünschen, dass Dörverden im September eine Wahl hat.“ Und das funktioniere eben nicht so richtig, wenn es nur einen Kandidaten gibt. „Wir werden uns jetzt mit den Genossen beraten müssen, wie es weitergehen soll.“

Ich glaube schon, dass wir mit von Seggern gemeinsam die Gemeinde weiterentwickeln können.

Walter Franzmeier, Gruppenvorsitzender Grüne/Linke

Walter Franzmeier, Gruppenvorsitzender Grüne/Linke: „Dörverdens Bürgermeister befindet sich schon länger unverschuldet im Krisenbewältigungsmodus. Ich würde es ihm gönnen, in Zukunft mal ganz normal arbeiten zu können. Viele große Projekte befinden sich derzeit auf halber Strecke. Aber wir sind da auf dem richtigen Weg. Ich glaube schon, dass wir mit von Seggern gemeinsam die Gemeinde weiterentwickeln können.“

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