Völkische Landnahme

Andrea Röpke sorgt mit Lesung und Diskussion für volles Haus

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Aus den Reihen der Organisatoren: Charlotte Niekamp, Fabian Lohmann, Andrea Röpke, Martin Preuß und Bernward Nüttgens (von links).

Dörverden - Die Überraschung stand den Organisatoren förmlich ins Gesicht geschrieben: Trotz hochsommerlicher Temperaturen waren rund 100 Personen bei der Lesung mit anschließender Diskussion mit Andrea Röpke im Kulturgut Ehmken Hoff in Dörverden am Start. Die Journalistin und Rechtsextremismus-Expertin stellte ihr neues Buch „Völkische Landnahme – Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos“ vor, in dem sie die Gefahren aufzeigt, die von extrem rechten Personen und Gruppierungen ausgehen.

Die Sorge um das Thema Rechtsextremismus scheint groß, aber ebenso auch das Engagement für Demokratie, wie das große Interesse an der Veranstaltung zeigte. Nach der Buchvorstellung der versierten Szene-Kennerin kam dann auch sogleich eine lebhafte Diskussion in Gang: über völkische Siedler, die lokale Situation und Möglichkeiten des Engagements für eine offene Gesellschaft zustande. „Wir sind überwältigt von der Resonanz. Fast 100 Besucher an so einem warmen Sommerabend, damit haben wir nicht gerechnet. Dass so viele sich über die Strategien der extremen Rechten auf dem Land informieren wollen und so engagiert diskutieren, das macht Hoffnung“, freute sich Tina Wedemeier aus dem Kreis der Veranstalter von Forum Zukunft, Wabe und ContRa über die ausgesprochen gute Resonanz.

Schreckliche Taten wie unlängst der Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten kämen schließlich nicht aus dem Nichts, sondern würden durch rechtsextreme Strukturen ermöglicht. Und die wären überall in Deutschland aktiv, auch in der hiesigen Region. Wedemeier: Daher ist es umso wichtiger, gut darüber Bescheid zu wissen, wie sie agieren, damit extrem rechte Personen oder Gruppen sich nicht in Dorfgemeinschaften schleusen oder man selber nicht – wenn auch unwissentlich – deren Ideologien weitertrage.

Volles Haus trotz warmer Sommertemperaturen.

Andrea Röpke wies in ihrem Referat über völkische Siedler, Familienideologien und die Verbindungen in AfD-Kreise hin, die der Bewegung neuen Aufschwung gebe. Die Journalistin mahnte an, sich nicht durch rechte Geschichten von Gemeinschaft oder Natur täuschen zu lassen, zumal derlei Szenen zunächst ganz heimelig wirkten. Später – oder bei genauerem Hinschauen – fielen dann die militärischen und hierarchischen Strukturen auf, die Alltag und Organisationen der völkischen Siedler prägten. „Wir müssen uns informieren und wir müssen vor allem in kulturellen Institutionen und Schulen wissen, mit wem wir es zu tun haben“, unterstrich die Expertin.

Doch das ist nicht immer leicht. Es gehört laut Röpke schließlich zur Strategie von Rechtsradikalen, dass sie als solche nicht sofort zu erkennen sind, „Wir beobachten, dass sich Frauen und Männer aus der völkischen Bewegung zunehmend in dörflichen Strukturen engagieren und in Sport- und Schützen- oder Landfrauenvereine eintreten, um dort Einfluss zu nehmen.“ Auch ergriffen viele von ihnen bewusst Berufe, in denen soziale Beeinflussung möglich sei, beispielsweise in Kindergärten oder Heilberufen oder auch als private Musiklehrer. Die Strategie, rechtes Gedankengut in die Mitte der Gesellschaft zu transportieren und dort zu normalisieren, sei ein zunehmend schleichender Prozess, der von vielen Menschen nicht gleich wahrgenommen werde und was in den vergangenen Jahren aber stark zugenommen habe. In der Diskussion wurde auch der regionale Kontext beleuchtet. Dabei wurde deutlich, dass auch im Landkreis Verden rechtsextreme Personen und Gruppen am Werk sind.

Drohungen und körperliche Übergriffe

Eine Teilnehmerin berichtete von nächtlichen rechten Aktivitäten, die sie beobachtet hat. „Es grillt wieder“, sage sie dann. Rudi Klemm von Wabe sagte, dass man regional zwar nicht in Sachsen sei, es aber gleichwohl auch hier Menschengruppen gebe, die Bedrohungen durch Rechtsextreme ausgesetzt wären. Geflüchtete Menschen und diejenigen, die sich für die Flüchtlinge einsetzen. „Es hat bereits Drohungen und einzelne körperliche Übergriffe gegeben.“ Klemm wies daher darauf hin, dass Wabe als Ansprechpartner zur Verfügung stehe, wenn Menschen rechte Aktivitäten in ihrem Umfeld bemerkten oder von rechter Gewalt betroffen wären.

Trotz des ernsten Themas war die Stimmung hoffnungsvoll. „Es ist schön, so Gleichgesinnte und Gleichdenkende zu treffen“, lobte ein Besucher. Zudem sei es wichtig, zu zeigen, dass die, die von den Rechten bedroht werden, nicht alleine sind.

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