Verstorbener Eritreer: Familie findet Trost bei der Beerdigung

„Danke, dass er bei euch so geliebt worden ist“

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Im Rahmen einer Trauerfeier in Westen (Foto) waren Spenden für eine Überführung des Leichnams gesammelt worden. Die Mutter des toten Flüchtlings ist voller Dankbarkeit, weil sie so die Möglichkeit bekam, angemessen Abschied von ihrem Sohn zu nehmen. Archivfoto: Bruns

Westen - Von Wiebke Bruns. Vier Monate nach dem Tod eines Flüchtlings aus Westen steht immer noch nicht fest, ob sich dafür jemand vor Gericht wird verantworten müssen. Der 24-Jährige war Mitte April in einer Verdener Discothek in eine Schlägerei geraten und wenige Tage später gestorben. Vier Tatverdächtige wurden festgenommen, aber schnell wieder auf freien Fuß gesetzt. Zu der Todesursache macht die Staatsanwaltschaft Verden bislang keine Angaben, da die Untersuchungen immer noch nicht abgeschlossen sind.

Ein Gutachten liegt mittlerweile vor, doch dies habe weitere Fragen aufgeworfen, erklärte Lutz Gaebel, Sprecher der Staatsanwaltschaft Verden, auf Nachfrage. Erst wenn alle medizinischen Fragen geklärt seien, werde die Behörde Auskünfte zur Todesursache erteilen.

Der Leichnam des 24-Jährigen wurde mittlerweile nach Äthiopien, wo seine Mutter lebt, überführt und dort beigesetzt. Eine Rückführung nach Eritrea wäre nicht möglich gewesen, erklärt Bärbel Bösche. Die Westenerin steht in engem Kontakt mit einer in Frankfurt lebenden Tante des Verstorbenen und hatte sich darum gekümmert, dass der junge Mann bei seiner Familie bestattet werden konnte. Was alles andere als einfach war.

Zunächst habe man überhaupt keine Kontakte zu Angehörigen herstellen können. Dann wurde die Tante ausfindig gemacht, die dann selbst nach Westen kam. Es musste ein Bestatter gefunden werden, der die Überführung ins Ausland vornehmen konnte, und diverse Gespräche mit Botschaften mussten geführt werden. Ohne die große Spendenbereitschaft der Öffentlichkeit wäre die Überführung nicht möglich gewesen, betont die Westenerin und stellt ihr eigenes Engagement dabei in den Hintergrund. Die genaue Spendensumme kennt die Westenerin nicht, dies sei über den Caritasverband gelaufen.

Die Tante flog mit ihrem toten Neffen nach Äthiopien und berichtete Bärbel Bösche von der Trauerfeier und dem sehr großen Dank der Mutter des 24-Jährigen, den sie auf diesem Weg an die vielen Spender weitergeben möchte. Das ganze Dorf habe bei der Beerdigung Abschied genommen. Alle seien sehr stolz auf den 24-Jährigen. „Danke Deutschland und Danke, dass er bei euch so geliebt worden ist“, habe die Mutter über die Tante ausrichten lassen. Davon sind sie überzeugt, denn sonst hätte sich niemand für die Überführung des Leichnams eingesetzt und es wäre nicht so viel Geld zusammengekommen.

Trost finde die Familie, genauso wie die 17 Flüchtlinge aus Westen, die dort mit dem 24-Jährigen gelebt haben, in ihrem Glauben. Aus den Gesprächen mit der Tante weiß Bösche, dass viele Familien nie erfahren, was aus ihren Kindern geworden sind, die voller Hoffnung auf ein besseres Leben geflüchtet sind. Bösche spricht nicht von Flüchtlingen, sondern von Freunden. Das sei auch der 24-Jährige für sie gewesen und deshalb hatten auch die Westener im Rahmen einer Gedenkfeier von ihm Abschied genommen.

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