Aussage bei Polizei nur „Gelaber“?

Unterschiedliche Angaben zu Tod an Silvester

Verden/Dörverden - Ungewohnt einig waren sich Mittwoch die sieben Verteidiger in dem Landgerichtsprozess um den Tod eines 42-Jährigen in der Silvesternacht 2015/2016 in Dörverden.

Fünf Angeklagte müssen sich seit Juni wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge vor der 3. Großen Strafkammer verantworten. Vergeblich versuchten deren Anwälte, die Befragung eines Kriminalhauptkommissars zur polizeilichen Aussage des 21 Jahre alten Angeklagten zu verhindern. Darin hatte er sich, seinen Bruder, zwei Cousins und seinen Onkel belastet.

Bezüglich des Randgeschehens gab es Übereinstimmungen zur späteren Einlassung vor Gericht. Jedoch hatte der 21-Jährige in dem Prozess über seinen Verteidiger erklären lassen, dass der einzige Schlag, den er gesehen habe, der des später Getöteten gegen seinen ebenfalls angeklagten Bruders gewesen sei.

Schlägerei mir Fäusten und Waffe

Laut dem Vernehmungsprotokoll sagte der 21-Jährige jedoch bei der Polizei: „Dann haben sich alle vier auf ihn gestürzt und auf ihn eingeschlagen.“ Selbst sei er hingefallen. „Als ich wieder hochkam, war die Schlägerei in Gang“, heißt es weiter. „Ich habe ihm auch eine Faust gegeben. Er stand direkt vor mir. Da habe ich zugeschlagen, aber wirklich nur ein leichter Schlag.“

Laut der Anklageschrift hatte sich das spätere Opfer in Streitigkeiten zwischen den Angeklagten und einer betrunkenen Frau eingemischt. Die Angeklagten sollen den 42-Jährigen umringt und auf ihn eingeschlagen haben. Der Bruder des 21-Jährigen hat in dem Prozess bereits eingeräumt, dem 42-Jährigen einen Schlag mit dem Griff einer Schreckschusswaffe verpasst zu haben.

Glaubwürdigkeit wird geprüft

Wie glaubwürdig der 21-Jährige ist, bleibt abzuwarten. Ein psychiatrisches Gutachten ist in Arbeit. In dem Prozess hatte er über seinen Verteidiger erklären lassen, dass er „Störungen“ habe und deshalb in Therapie sei. „Ich erzähle Dinge, die nicht stimmen, um mich wichtig zu machen. Mir war nicht klar, was mein Gelaber für Konsequenzen hat.“

Hinsichtlich der Aussage des 21-Jährigen keine 48 Stunden nach der Tat gab es von den Verteidigern Kritik, die Berechtigung haben könnte. Dabei ging es auch um die Frage der Belehrung des 21-Jährigen, der erst als Zeuge und dann als Beschuldigter vernommen worden war. Ob die polizeiliche Aussage als Beweis verwertet werden darf, hat die Kammer noch nicht entschieden.

wb

Mehr zu dem Prozess: 29-Jähriger hat vage Erinnerungen an den Konflikt an Silvester

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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