Abdifatah Hassan Mohamed engagiert sich in seinem Praktikum bei ITB Solutions

Überglücklich über die Chance

Technikbegeistert: Asylbewerber Hassan Mohamed und Schülerpraktikant Alexander zerlegen einen Computer in seine EinzelteileJ Foto: Niemann

stedebergen/verden - Seit Monaten stehen Flüchtlinge und Asylbewerber im Fokus der öffentlichen Diskussion – auch im Landkreis Verden. Integration setze Sprachkenntnisse und Arbeitsmöglichkeiten voraus, so der übereinstimmende Tenor der Fachleute und ehrenamtlichen Unterstützer. Klaus Kiesewetter, Chef der Verdener Firma ITB Solutions, einem IT-Dienstleister in den Bereichen EDV, Informationstechnologie und Telekommunikation, wollte pragmatisch handeln – und hat einem jungen Flüchtling ein Praktikum in seinem Betrieb ermöglicht. Sein Ansatz: Die Branche arbeitet weltweit nahezu identisch. Und so fährt Abdifatah Hassan Mohamed von seiner Unterkunft in Stedebergen täglich mit dem Bus in den Verdener Betrieb.

Nach jahrelangen guten Erfahrungen mit Schülerpraktikanten ist Kiesewetter optimistisch, auch Flüchtlingen über Praktika den Weg zu einer Arbeit oder einem Ausbildungsplatz ebnen zu können. Der 28-jährige Hassan Mohamed stammt aus Mogadischu. Er ist freundlich und lächelt viel, was berührend ist, wenn man weiß, welche Erfahrungen der junge Somali gemacht hat.

Vor zwei Jahren hat er seine von Krieg und Terror zerrüttete Heimat hinter sich gelassen und ist über Kenia, Uganda, Südsudan, Libyen und über das Mittelmeer nach Italien, bis nach Deutschland und letztlich in die Gemeinde Dörverden gelangt. Angesichts der teils traumatischen Erlebnisse auf seiner Flucht vor der islamistischen Al-Schabbat-Miliz wirken die vergangenen zwölf Monate in Sicherheit in der Flüchtlingsunterkunft in Stedebergen offensichtlich heilend. „In Somalia ist es sehr gefährlich. Überall fühlt man den Krieg. Ich hatte Todesangst. Es gibt keine Freiheit, und weil ich als Nachrichtenjournalist gearbeitet habe, war mein Leben bedroht.“ Familienmitglieder und viele seiner Freunde oder Arbeitskollegen seien ermordet worden. „Hier kann ich frei leben und hoffentlich auch bald arbeiten.“

Auf den Abschluss seines Asylverfahrens wartet Hassan Mohamed voller Ungeduld, doch er weiß die Wartezeit zu nutzen. „Ich habe bereits einen dreimonatigen Deutschkurs besucht und lerne die Sprache durch das Internet“, präsentiert er bereits erstaunlich gute Deutschkenntnisse. Über die Chance, ein Praktikum bei ITB Solutions zu absolvieren, sei er „überglücklich“. Die Tätigkeit beschreibt er als interessant und abwechslungsreich. So hat Hassan Mohammed, wie auch der erst 14-jährige Schülerpraktikant Alexander Budanow, an den ersten Praktikumstagen zunächst einmal nach Vorgabe das Innenleben eines Computers komplett zerlegt und danach wieder zusammengebaut.

Gemeinsam mit Kiesewetter hat er sich außerdem auch mit den einzelnen Berufen in der IT-Branche beschäftigt und dabei für sich die Fachrichtung Fachinformatiker Systemintegration entdeckt. „Mohammed Hassan ist sehr lernwillig und wissbegierig “, ist Kiesewetter vom Potenzial des jungen Mannes beeindruckt. „Außerdem ist er pünktlich und arbeitswillig“, so der Chef weiter. Vielleicht würde er dem Somali sogar einen Ausbildungsplatz anbieten, doch selbst ausgebildet hat Kiesewetter bislang noch nicht. „Es ist zwar eine Option, aber frühestens im kommenden Jahr“, sagt er. Hassan Mohamed indes hat sein Berufsziel fest im Blick. Außerdem ist es sein größter Wunsch, seine Frau und die vierjährige Tochter, die in einem somalischen Lager leben, nach Deutschland zu holen. Er weiß, dass er bis dahin noch einen langen Weg zu gehen hat. Zurück in seine Heimat möchte er nicht mehr. Zu groß ist seine Furcht vor Verfolgung und Tod. - nie

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