Verteidiger äußern Zweifel an der Schuld des Kapitäns / Aufhebung des Haftbefehls beantragt

Tod auf Binnenschiff: Zeugen sagen vor Gericht aus

War es doch nicht der Kapitän, der auf einem Binnenschiff im Schleusenkanal in Dörverden seinen Steuermann getötet hat? Im Landgericht wurden jetzt verschiedene Theorien seitens der Verteidigung aufgestellt.
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War es doch nicht der Kapitän, der auf einem Binnenschiff im Schleusenkanal in Dörverden seinen Steuermann getötet hat? Im Landgericht wurden jetzt verschiedene Theorien seitens der Verteidigung aufgestellt.

Dörverden – War es doch nicht der Kapitän, der auf einem Binnenschiff im Schleusenkanal in Dörverden seinen Steuermann getötet hat? Handelt es sich womöglich um gar kein Tötungsdelikt? Und wenn doch, kommen Drogendealer als Täter in Betracht? In dem Verdener Landgerichtsprozess gegen einen 39 Jahre alten Angeklagten haben die Verteidiger verschiedene Theorien aufgestellt. Sie halten ihren Mandanten für nicht mehr dringend tatverdächtig und haben die Aufhebung des Haftbefehls beantragt.

Bevor der Antrag gestellt wurde, sagten Zeugen aus. Auf einen Verdener Rettungssanitäter, der am Morgen des 25. Januar auf dem Schiff im Einsatz war, wirkte der Angeklagte, der die Rettungskräfte morgens alarmiert hatte, „betroffen“. Er habe gesagt, dass der Tote sein Schwager gewesen sei. Weil der Tote „klitschnass“ gewesen sei, habe der 31-Jährige zunächst an ein Ertrinken als Todesursache gedacht.

Die Staatsanwaltschaft geht von einem Tötungsdelikt am späten Abend des 24. Januar aus. Im Streit habe der Kapitän den 37 Jahre alten Steuermann getötet. Ein Schiffslotse, der an den Tagen zuvor wiederholt und auch an diesem Freitagvormittag bei den beiden Männern an Bord war, will jedoch keinerlei Streit, nicht mal Spannungen bemerkt haben. „Das kam mir sehr harmonisch vor bei den beiden“, sagte der 78-Jährige aus Elsfleth in dem Prozess. „Ruhig und ausgeglichen“ habe der Schiffsführer gewirkt und der Steuermann „sehr aktiv“.

Alles sei ganz normal gewesen. „Ich bin lange im Beruf. Mir fällt jede Kleinigkeit auf. Im positiven und im negativen Sinne.“ Betrunken sei keiner der Männer gewesen. „Das habe ich bei tschechischen Schiffen noch nie erlebt“, merkte der Schiffslotse an.

Offenbar gibt es Videoaufnahmen der Schleusenanlage. Die Staatsanwaltschaft gehe auf Grund dieser Aufnahme davon aus, dass kein Dritter auf das Schiff gelangt war. Aber an dem betreffenden Steg habe das Schiff gar nicht angelegt, stellte der Vorsitzende Richter Volker Stronczyk fest. Zudem sei auf den Aufnahmen zu erkennen, dass ein Auto im Bereich des Schiffsanlegers geparkt hatte.

Damit könne ein Dealer gekommen sein, so die Theorie der Verteidiger. Die Freundin des „Verstorbenen“ habe berichtet, dass dieser täglich ein Gramm Crystal Meth konsumiert habe. In den Haaren nachweisbar, aber nicht im Blut. Die Verteidiger ziehen den Rückschluss, dass der 37-Jährige „dringend diese Droge benötigte“, so Rechtsanwältin Daniela Post. Er habe keinen Vorrat gehabt, denn die Polizei habe auf dem Schiff keine Drogen gefunden.

Offenbar schließen sie auch eine Verbindung der Täter in die tschechische Heimat von Angeklagten und Opfer nicht aus. So sei die Freundin des Opfers von „ihrer Mutter bereits am Abend des Todes“ über selbigen informiert worden. Es sei „davon auszugehen, dass die Mutter der Zeugin ihre Informationen von dem tatsächlichen Täterumfeld hat“, argumentierte die Verteidigerin.

Argumentiert wird auch mit Angaben des Rechtsmediziners. Danach sei nicht auszuschließen, dass eine „schwerwiegende Herzerkrankung in Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum und dem Sturz ins Wasser zum Tode geführt hat.“

Spätestens Montag will die Kammer darüber entscheiden, ob der Haftbefehl aufgehoben und der Angeklagte aus der Untersuchungshaft entlassen wird.  wb

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