Hausbesuch bei Alexander von Seggern

Teamarbeit mal vier – zu Gast bei Dörverdens Bürgermeister

Ein Mann und eine Frau stehen nah beieinander.
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Seit mehr als 20 Jahren ein gutes Team, erst als Paar, jetzt auch als zweifache Eltern: Frauke Sieling und Alexander von Seggern.

Noch bevor die Haustür sich öffnet, linst ein Blondschopf aus dem Fenster daneben. Im Elternhaus des Dörverdener Bürgermeisters in Westen ist inzwischen Generation Nummer fünf am Start – und hat, da muss sich Alexander von Seggern gar nichts vormachen, charmant, aber bestimmt das Kommando übernommen.

Dörverden-Westen – Die Presse hat sich angekündigt. Zur Homestory. Statt des Amtsträgers soll der Privatmensch in den Mittelpunkt gerückt werden. Für Alexander von Seggern heißt das: Der Anzug, „die Uniform“, bleibt im Schrank. Freizeitlook ist angesagt, Jeans, bequeme Pantoletten und offenes Hemd. Ohne Krawatte.

Der Gast wird ins Wohnzimmer geführt. Links in der Ecke lockt ein gemütliches Ecksofa mit dicken Kissen. Die Unterhaltung findet aber am Esstisch statt. Dort ist die Kaffeetafel eingedeckt. Selbst gebackenen Kuchen gibt es auch. So ganz lässt sich der offizielle Charakter des Treffens eben doch nicht ignorieren.

Aufgewachsen im Mehrgenerationenhaushalt

Die Atmosphäre ist aber entspannt. Zumal von Seggern verrät, dass die Familie auch mit Freunden in der Regel an jenem Tisch sitze. Er ist zu beiden Seiten ausziehbar. So ist irgendwann nach Corona wieder für viele daran Platz. Vielleicht schon Anfang September, wenn die große Tochter in die erste Klasse kommt?

Diverse Gebrauchsspuren weisen das Möbel als betagt aus. Eventuell ein Erbstück? Es würde passen, ist es doch dieser Mix aus Alt und Jung, aus Alt und Neu, der sich wie ein roter Faden durch das Leben des 46-Jährigen zieht und ihn geprägt hat.

Aufgewachsen ist er in einem Mehrgenerationen-Haushalt. Unten wohnten die Großeltern, oben von Seggerns Mutter, alleinerziehend, mit ihm und dem älteren Bruder. „Mittags, wenn wir nach Hause kamen, war auf jeden Fall Oma da“, erzählt er von einer Kindheit, die er als „sehr sehr behütet“ empfunden hat.

Leben in einem 120 Jahre alten Haus

Inzwischen leben Alexander von Seggern und seine langjährige Lebensgefährtin Frauke Sieling mit den beiden Töchtern Malin (6) und Mara (2) allein in dem rund 120 Jahre alten Haus. In den zurückliegenden Jahren hat das Paar im Inneren vieles neu gestaltet. Dabei haben die Eltern noch genügend Raum gelassen, den die Töchter später einmal nach eigenen Wünschen gestalten könnten. Die äußere Hülle des Hofes aber ist noch weitestgehend die, die Urgroßvater Louis Warnke, ein Landwirt, einst um 1900 errichtete.

Die Familiengeschichte hat Alexander von Seggern, tief in Westen verwurzelt, zumindest schon einmal in Teilen recherchiert. Für eine Chronik reicht dies noch nicht. „Aber für ein bisschen Wissen über die Herkunft“, sagt er. In der Gegenwart leben, dabei die eigene Geschichte und – nicht zuletzt dank der Kinder – die Zukunft im Blick haben, wieder verbindet sich das Alte mit dem Neuen.

Töchter sorgen für reichlich Abwechslung

Nun aber genug sinniert. Zurück an die Kaffeetafel – und zum Apfelkuchen. Frauke Sieling hat ihn mit tatkräftiger Unterstützung von Mara und Malin gebacken. Noch einen Klecks Sahne drauf, mmh, lecker. Mara greift trotzdem lieber zu den Keksen. Als es ihr mit den Großen zu langweilig wird, nimmt sie sich ein Bilderbuch und setzt sich aufs Sofa. Klettert dann mit einem Malbuch auf Mamas Schoß, rutscht wieder herunter, verschwindet kurz und kehrt mit einer grünen Glibbermasse zurück, in die sie nun mit Wonne ihre kleinen Hände drückt.

Die große Schwester hat sich nach nebenan in die Küche verzogen. Zum Malen. Offenbar ein Hobby von ihr. So deuten es jedenfalls die Kinderzeichnungen an, die mit Familienfotos um den Platz an der Wand konkurrieren.

Die Tür geht auf, Malin kehrt zurück und verteilt selbstgemalte Strafzettel. Wo eine Sechsjährige wohl mit Knöllchen zu tun hatte? Ihr Papa klärt das später auf. Grinsend schiebt er es auf jemanden aus der Verwandtschaft.

Kandidat mit gehörigem Schalk im Nacken

Von Seggern sitzt ein gehöriger Schalk im Nacken. Und der gewinnt manchmal einfach die Oberhand. Auch, als Malin den Besuch nach dem Alter fragt. Mit ernstem Blick und erhobenem Zeigefinger geht der Papa auf die Tochter zu. „Das haben wir doch besprochen“, sagt er zu ihr, „das fragt man eine Dame nicht.“ Kurze Pause. „Man fragt nach ihrem Gewicht.“ Schallendes Gelächter.

Offenbar ist Mama Frauke für die Erziehung – und die gute Kinderstube – zuständig und Papa Alexander für den Unfug. Und für den Foxtrott.

Während des Lockdowns habe sich die Familie weitestgehend isoliert, berichtet er. Damit der Spaß aber nicht gänzlich auf der Strecke blieb, verwandelte sich das Wohnzimmer auch schon mal in eine Disco für die großen und die kleinen Hausbewohner. Weil Alexander von Seggern „ein sehr guter Tänzer“ ist, wie Frauke Sieling ihm attestiert, war es natürlich an ihm, der Sechsjährigen die Grundschritte nebst Drehung beizubringen.

Stolz, mit einem Funkeln in den Augen, präsentieren Vater und Tochter ihren Tanz. Mama und Schwester schauen zu und gönnen den beiden ihren Spaß.

Entscheidung, erneut zu kandidieren, fiel gemeinsam

Oft fehlt für solches Vergnügen die Zeit. Bürgermeister sein, das ist ein Stundenfresser. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stehe es bei ihm eher schlecht, gibt Alexander von Seggern zu. Ohne den einzigartigen Rückhalt und eine „so starke Partnerin, wie ich sie habe“, könne er diesen Job nicht machen. Die Entscheidung, wieder zu kandidieren, sei daher gemeinsam gefällt worden. Sein Hauptgrund: „Ich fühle mich der Allgemeinheit verpflichtet.“ Und sie sagt: „Es macht dir ja auch Spaß.“

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