„Sturkopf“ und voll schuldfähig

Acht Monate Gefängnis für 64-jährigen Dörverdener

Dörverden - Es waren nicht nicht nur übelste Beleidigungen, die sich Mitarbeiter der Verdener Kreisverwaltung von einem 64 Jahre alten Angeklagten aus Dörverden anhören mussten. Einer Frau drohte er, dass sie den nächsten Tag nicht überleben werde, und bei der letzten Tat kündigte er in einer E-Mail an, dass er „die Bude in die Luft jagen“ werde. In einem Berufungsverfahren zeigte sich der Angeklagte einsichtig, doch die 5. Kleine Strafkammer sah keinen Grund, die vom Amtsgericht Verden verhängte achtmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen.

In 64 Lebensjahren hat es der Mann auf mehr als 40 Vorstrafen gebracht. Mit Delikten wie vorsätzlicher Trunkenheit im Straßenverkehr, Betrug, vorsätzlichem Fahren ohne Fahrerlaubnis, versuchter Nötigung, Entziehung elektrischer Energie und vorsätzlicher Körperverletzung hat er recht konstant seit 35 Jahren sein Strafregister immer weiter fortgeschrieben. Rund ein Dutzend Mal wurde er wegen Beleidigung verurteilt. Außerdem stand er unter laufender Bewährung. Als Grund für die Taten in der Zeit von April bis Juni 2016 nannte er eine verspätete Auszahlung des Arbeitslosengeldes II.

Mittlerweile habe er sich geändert, erklärten der Angeklagte und seine Verteidigerin. Er habe einen Psychologen in der Familie, der habe ihm klar gemacht, dass er einen anderen Weg finden muss, um Konflikte zu lösen. „Das Verhältnis zum Landkreis hat sich auch normalisiert. Ich habe mich entschuldigt und kriege meine Leistungen jetzt zwei Tage vor den anderen“, führte der 64-Jährige aus. Zudem argumentierte er mit einer schweren Erkrankung und einer anstehenden Operation.

Aktuell habe er einen Konflikt im persönlichen Umfeld. „Normalerweise haue ich den aus der Wäsche“, betonte der Angeklagte. Doch da bleibe er nun ruhig. „Er hatte damals nicht das Bewusstsein, was er mit den Taten in den Menschen auslöst“, erläuterte seine Anwältin. Das habe sich nun geändert.

„Problematische Persönlichkeitszüge“

„Problematische Persönlichkeitszüge mit impulsiven und dissozialen Verhaltensweisen“ lautete die Diagnose des psychiatrischen Sachverständigen. Wenig empathisch, aber voll schuldfähig. Kurzum ein „Sturkopf“, so der Sachverständige. Der Angeklagte nickte zustimmend.

Die Berufung wurde verworfen, so hatte es Oberstaatsanwalt Jann Scheerer zuvor beantragt. „Leicht ist uns das nicht gefallen“, merkte der Vorsitzende Richter Joachim Lotz zu Beginn der mündlichen Urteilsbegründung an. Weil der Angeklagte nun bevorzugt vom Landkreis behandelt wird, laufe es gut, so Lotz. Dies könne man kritisch hinterfragen. „Wir haben aber nicht die Überzeugung und nicht die Erwartung, dass die Verurteilung alleine Sie zum Umdenken bewegt“, erklärte Lotz. „Es braucht die Haftstrafe.“

Der Angeklagte hatte eine Strafaussetzung zur Bewährung erreichen wollen. „Sie kriegen mich nicht wieder in den Knast“, kündigte er dem Vorsitzenden nach Prozessende an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. 

wb

Rubriklistenbild: © dpa-tmn

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