Trotz Pandemie: Dörverdener Schule bietet nach den Sommerferien Bläserklassen an

Sehnsucht nach Musik und etwas Normalität

Jugendliche und Erwachsene posieren mit verschiedenen Blasinstrumenten.
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Werben für das musikalische Profil an der Aller-Weser-Oberschule Dörverden: Nathalie Schmidtmeyer, Friederike Wessel, Leonie Buschold, Celine Buschold, Alexander Schock, Vivien Sofie Klein, Chiara Marie Brauckmüller und Julien Zabel (von links). Auf dem Bild fehlt Paul Misell.

Leonie öffnet den Koffer und strahlt. Sie hat schon lange keine Querflöte mehr in der Hand gehabt, aber sie hat nur gute Erinnerungen an das Instrument. Vor ein paar Jahren war sie Mitglied einer Bläserklasse an der Aller-Weser-Oberschule in Dörverden. Jetzt berichtet sie gemeinsam mit anderen „Ehemaligen“ in einem Video, warum ihr diese Zeit in guter Erinnerung geblieben ist. „Ich hab das echt vermisst“, sagt ihre Mitschülerin Vivien und setzt die lächelnd Flöte an.

  • Nach den Sommerferien gibt es an der Aller-Weser-Oberschule in Dörverden wieder Bläserklassen.
  • Musik trotz Pandemie? Die Verantwortlichen haben sich die Entscheidung nicht leicht gemacht.
  • Eltern müssen ihre Kinder anmelden.

Dörverden –Das Video mit den Abschlussschülern soll Viertklässler informieren – und sie bestenfalls dazu bewegen, sich selbst für eine Bläserklasse nach den Sommerferien anzumelden. Denn nach mehrjähriger personalbedingter Pause soll es an der Schule wieder eine geben und die Vorfreude ist groß.

„Ich denke, wir wünschen uns alle ein Stück Normalität zurück. Die Schüler mussten wegen der Pandemie auf sehr vieles verzichten“, sagt Lehrerin Nathalie Schmidtmeyer, die gemeinsam mit Friederike Wessel und Paul Misell die Schüler an den Blasinstrumenten unterrichten wird und die hofft, dass sich viele Eltern finden, die ihre Kinder für das musikalische Profil in Klasse 5 und 6 anmelden. Die Schüler lernen dann über zwei Jahre ein Instrument und musizieren sowohl im Instrumentalunterricht in Kleingruppen als auch gemeinsam im Orchesterunterricht. „Es ist kein zusätzlicher Unterricht, es ist einfach eine musikalische Schwerpunktsetzung“, erklärt Schulleiter Alexander Schock. Die Schüler, die nicht an der Bläserklasse teilnehmen, haben stattdessen anderen Unterricht.

Es sind keine musikalischen Vorkenntnisse nötig. Vom ersten Ton an wird gemeinsam mit den anderen Schülern und Musiklehrern geübt. Auch der Kauf eines Instruments ist nicht notwendig, da dieses von der Schule zur Verfügung gestellt wird. Es kann sich jeder anmelden, der gerne musizieren möchte. In der Dörverdener Bläserklasse gibt es Querflöten, Klarinetten, Trompeten und Posaunen. Alle Schüler probieren jedes Instrument aus und geben dann Wünsche an, an denen sich der Lehrer bei der Verteilung orientiert.

Laut des Info-Flyers über das Angebot gibt es zahlreiche Gründe, die für einen Besuch der Bläserklasse sprechen. Es sei zum eine günstige Möglichkeit, ein Instrument zu lernen. Zum anderen lege es eine solide Basis in der musikalischen Erziehung, fördere die Entwicklung von positivem Lernverhalten sowie das Sozialverhalten der Kinder. Vor allem aber mache es Spaß. Die monatliche Gebühr betrage pro Schüler 20 Euro, Bildungspaketempfänger könnten einen monatlichen Zuschuss von 10 Euro beim Landkreis beantragen. Nach den zwei Jahren in der Bläserklasse können die Jugendlichen in Arbeitsgemeinschaften an der Schule oder natürlich auch in verschiedenen Ensembles in der Region musizieren.

Die Schule sei sich ihrer Verantwortung sehr bewusst und habe die Entscheidung, den besonderen Unterricht trotz Pandemie wieder anzubieten, nicht leichtfertig getroffen, sagt Schmidtmeyer. Und letztendlich könne an der Schule auch noch niemand mit Sicherheit sagen, ob im Frühherbst tatsächlich schon wieder gemeinsam musiziert werden darf. „Aber wenn wir uns jetzt nicht dazu durchringen können, die entsprechenden Vorbereitungen zu treffen, dann verlieren wir ein ganzes Schuljahr“, sagt Rektor Schock. Er ist genauso wie die Lehrer davon überzeugt, dass es besser ist, im schlimmsten Fall die Grundlagen vorerst nur im Theorie-Unterricht zu vermitteln, als tatsächlich ein weiteres Jahr abzuwarten.

„Und man kann bei schönem Wetter auch draußen mit reichlich Abstand proben“, sagt Friederike Wessel, die genau das mit ihren Posaunenchor-Schülern im Pandemiejahr gemacht habe. „Die Kinder stört das nicht, höchstens die Nachbarn“, sagt sie schmunzelnd.

„Es ist einfach eine schöne Abwechslung zum normalen Unterricht“, findet Abschlussschülerin Celine. Sie könne allen Viertklässlern nur raten, sich zur Bläserklasse anzumelden. Es sei eine Art Stressausgleich, finden auch Chiara, Leonie und Vivien. „Das beste waren die Auftritte“, sagt Julien Zabel, der in der fünften und sechsten Klasse das Klarinette-Spiel gelernt hat. „Ich erinnere mich daran, dass wir einmal in der Weihnachtszeit im Seniorenheim gespielt haben. Das hat Spaß gemacht.“

Und wenn alles richtig gut läuft, könnten auch die neuen Fünftklässler schon bald ihre eigenen Auftritte haben. „Wer weiß, vielleicht gibt es kurz vor Weihnachten ein kleines Exklusivkonzert für die Eltern“, hofft Bläserklassenleiterin Nathalie Schmidtmeyer.

Normalerweise würden das Bläserklassenteam jetzt in die Grundschulen gehen, das musikalische Profil der Oberschule vorstellen und die Schüler die Instrumente ausprobieren lassen. Dass das in Pandemiezeiten leider nicht möglich ist, versteht sich von selbst. Aber ganz viele Infos finden Schüler und Eltern auf folgender Webseite: https://wordpress.nibis.de/awobs/blaeserklasse/ Dort gibt es außerdem Fotos, Videos und das Anmeldeformular.

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