Schafsfest in Hülsen mit Führungen / Blick in die Geschichte

Neue Frisur für die Skudden

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Die Skudden bekommen einen neuen Harrschnitt.

Westen - Von Monia Budnik. Die Herde Skudden der Hülsener Nutztierarche unter der Leitung von Leo Schwaiger hatte ihren jährlichen Haarschnitt nötig. Das Schafsfest in Hülsen war dafür der geeignete Ort, sich eine neue Frisur zuzulegen.

Die Skudden sind eine kleinwüchsige Schafrasse, die ursprünglich aus Ostpreußen und dem Baltikum stammt und heute vom Aussterben bedroht ist. Schwaiger setzt sich für die Erhaltung dieser sehr genügsamen und leichtfuttrigen Rasse ein. „Die Schafe gehen das ganze Jahr über auf die Weide und kommen auch im Winter mit zugefüttertem Heu und etwas Gerste aus“, so Schwaiger. „Außerdem ist die alte Schafrasse sehr widerstandsfähig.“

Der Schäfer ist ständig bemüht, die Haltung seiner Schafe zu optimieren und noch artgerechter zu gestalten. Dabei kommt Schwaiger beruflich aus einer ganz anderen Richtung. Als ehemaliger Professor für Mathematik fand der gebürtige Bayer eher zufällig den Weg zur Hülsener Nutztierarche und reist jetzt jede Woche mit dem Zug aus Nürnberg nach Hülsen. Schwaiger plant die Schafhaltung noch auf eine weitere bedrohte Schafrasse aus der Region, zum Beispiel das Leineschaf, auszudehnen. Gespräche mit der Gesellschaft zur Erhaltung gefährdeter Nutztierrassen laufen.

Viele Gäste erlebten an diesem Tag ihre erste Schafschur. Schade nur, dass es kaum Abnehmer für die Wolle der Skudden gibt und der Rohstoff vielfach vernichtet werden muste. Doch im vergangenen Jahr fand sich ein Käufer und Schwaiger ist guter Dinge, auch jetzt wieder jemanden zu finden.

Nach der Schafschur ging es für die Besucher des kleinen Festes zum nahegelegenen Schafstallviertel, wo sie bei der Führung „Zwischen Pastorale und Plackerei“ von Antje Oldenburg in die Zeit der Heidebauernwirtschaft eintauchten. An die alte Kulturlandschaft Heide erinnern im Aller-Leine-Tal heute nur noch Namen wie Heidhüsen oder Hämelheide. Wie die Landwirtschaft damals aussah, als die Heide Lebensgrundlage vieler Menschen war, das war Inhalt der Führung.

Die Schafe waren für die Heidebauernwirtschaft am wichtigsten. „Damals wurden überwiegend grau behörnte Heidschnucken gehalten, diese wurden morgens ausgetrieben und abends wieder in den Stall gebracht, da der Kot als Dünger für den Ackerbau genutzt wurde“, erfuhren die Gäste. Die Wolle war damals noch sehr gut verkäuflich, zudem lieferten die Tiere Fleisch und förderten auch die Erträge in der Imkerei, indem sie die Spinnennetze in der Heide zertraten und somit die Bienen davor schützten, sich in den Netzen zu verfangen. Den damaligen hohen Stellenwert der Schafhaltung erkennt man auch im hohen Ansehen des Schäfers. „Dieser war der erste Hoferbe nach dem ältesten Sohn“, erklärte Antje Oldenburg.

Heute sind von den ursprünglich etwa 30 bis 34 Schafställen noch zehn erhalten, von denen neun unter Denkmalschutz stehen.

Der Kulturförderkreis Hülsen hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Schafstallviertel zu erhalten und noch weiter mit Leben zu füllen. Neben der Ausstellung zu ländlicher Hauswirtschaft und bäuerlichem Handwerk sind eine Ausstellung mit landwirtschaftlichen Großmaschinen sowie eine Kalistube zur Erinnerung an den Kalibergbau geplant.

Antje Oldenburg will im Rahmen von Gästeführungen Weserbergland ihre Veranstaltung „Zwischen Pastorale und Plackerei“ regelmäßig anbieten. Für Gruppen sind die Termine aber auch davon unabhängig buchbar.

„Das letzte erhaltene Schafstallviertel im norddeutschen Raum ist auf jeden Fall einen Besuch wert“, waren sich die Gäste einig. Sie konnten nach der Führung an der Nutztierarche einkehren und bei kleinen Snacks sowie Kaffee und Kuchen sich über das Erlebte austauschen.

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