Chris Stolte und Andrea Kupferschmidt geben Hühnern neues Zuhause

Sandbad und Nester für Lenin und Castro

Andrea Kupferschmidt sitzend mit sechs Hühnern um sie herum.
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Auslauf, Büsche, Sandbad, ein sicheres Haus mit Nestern – ein paradiesisches Zuhause für die sechs Hühner.

Dörverden – „Stalin“ ist der Boss, „Lenin“ sein Assistent und „Putin“ der Schmuser im Hühnersextett. „Kim Jong Un“ gibt eine eher seltsame Figur ab, „Castro“ ist ein Faulpelz und „Mussolini“ der Mitläufer, der sein Fähnchen nach dem Wind hängt. Im Garten von Chris Stolte und seiner Lebensgefährtin Andrea Kupferschmidt tummelt sich seit einigen Wochen eine kleine Schar lebhafter, neugieriger Hühner mit schönem Federkleid und aufrecht-rotem Kamm.

Einzig bei großer Sommerhitze zeigen die Tiere Anzeichen von Lethargie. Ansonsten scharren und picken sie und freuen sich gackernd über jeden Besucher im Hühnerpferch, weil es dann immer Streicheleinheiten gibt und außerdem diverse Leckereien abfallen.

Vom Verein „Rettet das Huhn“ vor Schlachthof bewahrt

Dass sich die Hühnerschar jetzt so paradiesisch anmutender Lebensumstände erfreuen darf, war eigentlich gar nicht vorgesehen. Die Tiere sind nur mit viel Glück ihrem bestimmten Schicksal entronnen. Sie wurden vom Verein „Rettet das Huhn“ vor dem Schlachthof bewahrt und mit Schutzvertrag in private Hände vermittelt.

Tiere stammen aus Legebatterie

Ihr Leben zuvor haben die sechs Hühner in einem Großbetrieb in Schleswig-Holstein verbracht, der 125 000 der auf Massenproduktion hochgezüchteten Hühner hält. In Legebatterien eng zusammengepfercht, dienten die Tiere hier nur einem einzigen Zweck: so viele Eier wie möglich zu legen.

Durch das Engagement von „Rettet das Huhn“ und durch Hühnerfans wie Chris Stolte und Andrea Kupferschmidt, haben sie nun ein zweites, schönes Leben und ihnen bleibt – das steht unter anderem im Schutzvertag – der Tod im Schlachthof garantiert erspart.

Legehennen meist nach einem Jahr für Betriebe nicht mehr rentabel

Allerdings sei die Lebenserwartung auch in Hühnerparadiesen wie dem beschriebenen nicht zwangsläufig hoch, wie Julia Helmers erzählt, die im Auftrag von „Rettet das Huhn“ einstige Legehennen im Heidekreis und in der Region Celle und Hannover vermittelt. „Hühner, die nicht so hochgezüchtet sind, können etwa zehn Jahre alt werden. Aber aufgrund von Haltung und Massenproduktion von Eiern werden sie meistens nicht so alt. Ihre Legeleistung lässt bereits nach einem Jahr in der Massentierhaltung nach, sodass sie für die Betriebe nicht mehr rentabel sind. Sie werden durch neue Tiere ersetzt und überwiegend in Schlachthöfe im Ausland gebracht und grausam getötet“, sagt Helmers.

Rettung von jährlich rund 12000 Legehennen

Insgesamt könne der Verein jährlich rund 12 000 Legehennen retten“, erzählt die engagierte Tierschützerin, die selber pro Jahr 300 bis 500 Tiere rettet und in eine hühnergerechte Haltung bringt. Ein Tropfen auf den heißen Stein? „Nein“, sagt Helmers. „Der Einsatz lohnt. Jedes Tier zählt und es zählt jeder Tag, an dem es angstfrei und artgerecht leben darf. Denn das Gros der Hühner habe noch ein paar gute Jahre vor sich und könne mit viel Glück vielleicht sogar acht Jahre alt werden. Helmers: „Leider sind diese sogenannten Hybridhühner oft Qualzuchten, die nicht selten von Tumoren betroffen sind und deshalb früh sterben.

Helmers berichtet vom wachsenden Trend, Hühner zu halten und von Verbraucherkritik an den Haltungsbedingungen in den auf die Eierproduktion fokussierten Betrieben. Sie unterstreicht, dass „Rettet das Huhn“ die einstigen Legehennen nur in artgerechte Haltung und in verantwortungsvolle Hände vermittelt. „Die Bewerber müssen uns schon glaubhaft darlegen, warum und wie sie Hühner halten wollen. Für sie soll nicht das Ei, sondern das Tier im Mittelpunkt des Interesses stehen.“ Wichtig sei daher das ganze Drumherum, zum Beispiel ausreichend Platz – empfehlenswert sind zehn Quadratmeter pro Huhn –, ein raubtiersicherer Stall, Schutzzäune und Netze gegen Greifvögel, eine artgerechte Fütterung und ein guter Kontakt zu den Tieren. Denn wenn die Tiere ausgestallt würden, kämen sie teils erbarmungswürdig daher und müssten aufgepäppelt werden. So schön wie die sechs aus Dörverden, die aus einem Großbetrieb in Schleswig-Holstein kommen, sähen längst nicht alle aus. Es sei immer wieder erstaunlich, wie selbst Tiere in erbarmungswürdigem Zustand bei guter Pflege schnell wieder aufblühten.

Die „Hühnereltern“ Stolte und Kupferschmidt, die in Kürze vier weitere Legehennen aufnehmen werden, möchten Hühnerfans auf das Projekt aufmerksam machen und sie gewinnen, zu helfen, Hühner aus den Legebatterien zu retten. Denn: „Ein Tier zu retten verändert nicht die ganze Welt, aber die ganze Welt verändert sich für dieses Tier.“ Ein Spruch, den sich der Verein „rettet-das-huhn.de“ zum Leitsatz gemacht hat.  

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