Pago Balke und sein Partner Gerhard Stengert

Religiöse Besonderheiten und Glaubensrituale auf die Schippe genommen

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Pago Balke mischt sich gerne unters Publikum, mit dem er nicht zimperlich umgeht. Aufforderungen mitzusingen sind bei manchen Texten nicht unbedingt beliebt. - Foto: Niemann

Dörverden - Von Christel Niemann. Es war, im wahrsten Sinne des Wortes „Unglaublich“, was dem Publikum mit dem gleichnamigen Kabarettprogramm von Pago Balke auf dem Kulturgut Ehmken Hoff geboten wurde: Ein brillanter und zugleich hoch amüsanter Ritt durch alle wichtigen Weltreligionen, der einen ganz neuen Zugang zu Altvertrautem ermöglichte oder Dinge verstehen ließ, die einem zuvor eher unverständlich waren.

Ein Programm abseits des Mainstreams, das aber schon konzentriertes Hinhören verlangte. Auf der Bühne: Ein ganz in schwarz gekleideter Satiriker und scharfzüngiger Wortkünstler. Daneben der in einen Kaftan gehüllte Musiker: Abinandhana Balla-Badrah, auch Gerhard Stengert, dessen clownesk ambitionierter Streifzug durch musische Klangsphären zum wahren Ohrengenuss geriet. 

Als gleichberechtigte Partner wurden von ihnen die religiösen Besonderheiten und Ursprünge vieler Glaubensrituale anschaulich, wenn auch nicht immer zimperlich, erklärt. Schon Balkes Begrüßung: „Freunde, Gläubige, Atheisten und Fundamentalisten“, machte deutlich, dass es hier so richtig zur Sache gehen würde.

Der Bremer Kabarettist hat schließlich akribisch recherchiert. Wie anders könnte er auch die tatsächlichen Begebenheiten aus Bibel oder Koran so treffsicher und pointensicher aufs Korn nehmen? Besonders vergnügt reagierte das Publikum, als Balke dazu noch in unterschiedliche Rollen schlüpfte und sich etwa als schwäbelnder Prof. Dr. i.R. Häberle mit der psychiatrischen Einschätzung von Jesus auseinandersetzt oder als Nonne, Schwester Lukretia, die Frage: „Was sagen die Frommen? Mit Fromms oder ohne Fromms?“, zu beantworten versucht. 

Manches war schon harter Tobak, doch die Spur des guten Geschmacks verließ der Wortkünstler nicht. Selbst dann nicht, als kirchliche Tabus wie sexueller Missbrauch oder Beschneidungsriten zur Sprache kamen. So griff Balke nach einem Zitat aus der Bergpredigt zum Thema Onanie selbst zur Gitarre und stimmte zu dem Refrain „Onanie ist Sex mit einem, den man wirklich lieb hat“, ein Lied zum Mitsingen an. Die Reaktion des Publikums war zwar eher verhalten, aber Balko forderte auf: „Los Leute, singt mit, ich musste da schließlich auch durch.“

Fast zweieinhalb Stunden dauerte die Reise des Publikums durch die verwegenen Glaubenslehren, in der Widersprüchlichkeiten, Absurditäten und Fehldeutungen aufgezeigt und ad absurdum geführt wurden.

Der Abend war in der Tat unglaublich. Glauben darf man jedoch die Begeisterung des Publikums, da es die Leistung der beiden Künstler mit anhaltendem Applaus honorierte.

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