Neuer Besitzer startet durch

Heisenhof: Wird der rechte Szenetreff zum botanischen Garten?

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Aufräumaktion: Vor dem Hauptgebäude türmen sich Grünabfälle, Stubben und Äste. Die Pflegemaßnahmen sind voll im Gange.

Immer neue Container werden angefahren, die sich in kürzester Zeit mit Müll füllen. Junge Bäume werden ausgerissen, Schrotthaufen abgetragen, Zufahrten und Wege freigeschnitten. Und so nach und nach kommt dahinter etwas zum Vorschein: der Heisenhof.

  • Heisenhof in Dörverden: Neuer Besitzer will Abriss verhindern
  • Das Anwesen Heisenhof war einst ein rechter Szenetreff
  • Der Hof mit rechtsextremer Vergangenheit hat leichte Schäden

Dörverden - Das Team, das derzeit auf dem Anwesen bei Dörverden tätig ist, kommt kaum zum Pause machen, so viel ist auf dem Gelände des weit über die Region hinaus bekannten Anwesens zu tun. Der neue Besitzer des Heisenhofs, Christian Droop aus Frankfurt, meint es offensichtlich ernst. Er will das geschichtsträchtige Anwesen erhalten. „Und die Gebäude möglichst einer neuen Nutzung zuführen“, wie er auf Nachfrage der Verdener Aller-Zeitung mitteilte.

In der Vergangenheit ist der Heisenhof, der lange Zeit als Teil der Niedersachsen-Kaserne der Bundeswehr genutzt wurde, eher für negative Schlagzeilen gut gewesen. Der Hof gehörte von 2004 bis Herbst 2011 der „Wilhelm-Tietjen-Stiftung für Fertilisation“. Deren Gesellschafter war der 2009 verstorbene rechtsextreme Rechtsanwalt Jürgen Rieger, der vorhatte, dort ein Schulungszentrum aufzubauen. 2011 hatte ein Kirchlintler Ehepaar den Hof gekauft. Deren Pläne, den Heisenhof zum Beispiel in ein Wellness-Hotel umzuwandeln, scheiterten ebenso wie mehrere Versuche, den ehemaligen Treffpunkt der rechtsextremen Szene weiterzuverkaufen.

Rechter Szenetreff könnte zum botanischen Garten werden

Die neuen Pläne für den Heisenhof will Christian Droop jetzt noch nicht bekanntgeben. „Dafür ist es noch zu früh.“ Klar ist aber, dass die Immobilie in Dörverden mit seinem 2,4 Hektar großen, parkähnlichen Grundstück gut in das geschäftliche Portfolio des Frankfurters passt: In Hahnstätten in Rheinland-Pfalz baut er derzeit einen großen botanischen Garten. „Schloss Bieberstein“ soll mit Abenteuerspielplatz und Seebühne ein touristischer Anziehungspunkt werden. Eigentlich hätte der Park mittlerweile Eröffnung feiern sollen, doch das Projekt hat sich verzögert, was teilweise für negative Stimmen in der Ortschaft gesorgt hat. „Es geht den Leuten oft nicht schnell genug“, so Droop. Ein botanischer Garten könne auch für den Heisenhof „ein Teilaspekt des Konzeptes sein“, so der Geschäftsmann.

Droop hatte den Zuschlag für den Heisenhof Anfang Dezember bei einer Auktion bekommen. 100.000 Euro hat er für das ehemalige landwirtschaftliche Gut bezahlt, ohne es sich vorher live angesehen zu haben. Dass es eine Abrissverfügung für den Heisenhof gibt, sei dem Geschäftsmann und Liebhaber alter Gebäude aber vorher bekannt gewesen.

Heisenhof in Dörverden hat leichte Feuchtigkeitsschäden

Mittlerweile war Droop zu Besuch in der Gemeinde Dörverden und hat sich Gut Ramdohr, wie der Heisenhof früher hieß, angeschaut. Der Zustand habe ihn eher positiv überrascht: „Klar: Wenn ich jetzt einen Neubau erwartet hätte, wäre ich enttäuscht gewesen. Aber der Hof stand 15 Jahre leer, entsprechend gibt es kleine Feuchtigkeitsschäden. Also müssen wir jetzt schnell die Löcher in den Dächern stopfen, damit das nicht schlimmer wird.“ Ansonsten sei die Bausubstanz des ehemaligen Rechtsextremen -Treffpunkts aber weitestgehend „tipptopp“.

Das Außengelände sei dagegen sehr zugewuchert gewesen und habe keinen ansprechenden Eindruck gemacht. Deshalb habe Droop direkt eine Firma beauftragt, hier tätig zu werden. Seit Montag sind Andreas Hoffmann und sein vierköpfiges Team auf dem Heisenhof im Einsatz. „Wir wollen jetzt erst einmal alles in einen vernünftigen Zustand bringen“, erklärte der Gärtner. Das Gelände an sich sei gartenbaulich sehr beeindruckend. „Der Eigentümer hat deutlich gemacht, dass er die vorhandenen Strukturen und den alten Baumbestand unbedingt erhalten möchte“, so Hoffmann. Beim Kauf hatte Christian Droop bereits zugesichert, sich für den Erhalt des Heisenhofs einzusetzen.

Wenn der ganze Wildwuchs jetzt erstmal entfernt sei, würde das Gelände in Dörverden schon wieder ganz anders aussehen, ist sich Gärtner Hoffmann sicher. „So, dass sich die Menschen vor Ort vielleicht auch wieder mehr damit identifizieren können.“

Heisenhof: Abrissverfügung nicht in Stein gemeißelt

Der Landkreis Verden hat vor einigen Jahren entschieden, dass der ehemalige Treffpunkt der rechten Szene abgerissen werden muss. „Diese Verfügung ist immer noch nicht aus der Welt“, weiß Droop. Er habe bereits Kontakt mit dem Landkreis aufgenommen. Aber er wisse auch, dass es jetzt erst einmal gilt, die örtlichen Entscheidungsträger von seinen Plänen zu überzeugen: „Im Dezember habe ich Dörverdens Bürgermeister Alexander von Seggern aufgesucht und mich persönlich vorgestellt.“ Er habe das Gefühl gehabt, dass ihm der Verwaltungschef zwar grundsätzlich offen begegnet sei, „aber mit einer gesunden Skepsis“. Weil er die Vorgeschichte des Heisenhofs natürlich kenne, habe er vollstes Verständnis dafür, dass man in der Verwaltung vorsichtig sei. Aber er hoffe, dass er die Chance bekommt, auf dem Heisenhof etwas Positives zu entwickeln. „Ein Gebäude ist weder gut noch böse. Jetzt ist es an uns, ein vernünftiges Konzept auszuarbeiten und das dann vorzulegen.“

Wenn sich die Gemeinde von Droops Plänen überzeugen lässt, könnte die Abrissverfügung bald der Vergangenheit angehören. Landrat Peter Bohlmann: „Wenn die Gemeinde einen Bebauungsplan für den Heisenhof aufstellt, wird der Landkreis das Ganze neu bewerten.“

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