Geschwindigkeit drosseln – Leben retten

Reaktion auf zahlreiche Wildunfälle: Rote Kreuze im Revier Barnstedt aufgestellt

Es ist Vorsicht geboten: Kurz vor der 70er-Zone steht eines der neuen Dreibeine im Revier Barnstedt. Die Pächter erhoffen sich, dass die Autofahrer in dem Bereich mit angepasster Geschwindigkeit fahren, um weitere Wildunfälle zu vermeiden.
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Es ist Vorsicht geboten: Kurz vor der 70er-Zone steht eines der neuen Dreibeine im Revier Barnstedt. Die Pächter erhoffen sich, dass die Autofahrer in dem Bereich mit angepasster Geschwindigkeit fahren, um weitere Wildunfälle zu vermeiden.

Barnstedt – Plötzlich waren sie da: Quasi über Nacht sind vergangene Woche an der Ahneberger Straße bei Barnstedt über ein halbes Dutzend Dreibeine aufgetaucht. Sie alle sind rot angestrichen und tragen ein Hinweisschild mit der Aufschrift „Wildunfall“. Mal stehen sie alleine, mal zu dritt unmittelbar nebeneinander. Ist es denn in so kurzer Zeit zu so vielen Kollisionen mit querendem Wild gekommen?

Oder wieso wurden die roten Kreuze gerade jetzt aufgestellt? Stefan Kleiner, Hegeringleiter der Allermarsch bei der Jägerschaft des Landkreises Verden, und Inga Schwarze, deren Vater der Pächter des Reviers Barnstedt ist, klären auf.

„Einen konkreten Anlass, weswegen die Wildunfallkreuze gerade jetzt aufgestellt wurden, gibt es so nicht“, stellt Kleiner klar. „Die Dreibeine wurden schon vor einer ganzen Weile bestellt, aber zu dem Zeitpunkt waren gerade keine freien verfügbar. Das weiß ich, weil die Jägerschaft das Aufstellen der Kreuze fördert. Ich schätze, dass nun wieder welche verfügbar waren und an den Revierpächter geliefert werden konnten.“ Maximal ein halbes Jahr lang sollen die roten Kreuze voraussichtlich stehen bleiben, „damit nicht irgendwann ein Gewöhnungseffekt bei den Autofahrern eintritt“, so Kleiner.

„Tatsächlich aber passt es gerade sehr gut, dass die Wildunfallkreuze genau jetzt geliefert und aufgestellt wurden“, fügt Kleiner hinzu, denn die Zeit, in der die älteren Kitze von den Ricken getrennt werden, die um den 1. Juni eine neue Generation Kitze gebären, habe gerade begonnen. „Diesen Prozess bezeichnet man unter Jägern als abschlagen.“ Die Rehböcke würden zunehmend territorial gegenüber anderen Böcken und ebenfalls gegenüber männlichen Kitzen, die dann aus dem Sprung und infolgedessen auch mal über die Straße getrieben werden. „Die aktuell sprießende Vegetation kann ein weiterer Grund sein, wieso Wild derzeit vermehrt die Straße überquert“, so Kleiner.

Wildunfälle häufen sich in der Abend- und Morgendämmerung

Gerade zwischen Wäldern und Wiesen käme es wegen dieser beiden Gründe oft zu Wildunfällen. „Besonders die Morgen- und Abenddämmerung ist gefährlich, weswegen es sich immer empfiehlt, dann mit angepasster Geschwindigkeit zu fahren, und anstatt der oftmals erlaubten 100 auf 70 Stundenkilometer runterzudrosseln. Da kann man selbst sowie das Reh oder der Hirsch noch am ehesten reagieren.“

„Ich habe die Kreuze zusammen mit meinem Mann, Jan-Ole, vorletztes Wochenende aufgestellt“, berichtet Insa Schwarze. „Mein Vater ist Pächter des Reviers und wir helfen ihm oft und gerne bei solchen Aktionen, insbesondere wenn es um Prävention und letztendlich um das Retten von Leben geht.“ Gemeinsam hätten sie die Dreibeine an spezifischen Stellen aufgebaut. „Einmal beispielsweise im Bereich des Deiches, denn da kommt es vermehrt zu Unfällen in der Dunkelheit, weil der Lichtkegel der Autoscheinwerfer nicht hoch genug ist. Rehe, die oben auf dem Deich stehen, werden nicht oder erst zu spät erkannt und erscheinen quasi aus dem Nichts, wenn sie sich erschrecken und mit einem Sprung plötzlich auf der Straße stehen.“

2020: Sechs Unfälle innerhalb einer Woche an derselben Stelle

An einer weiteren Stelle kurz vor Westen entschieden sie sich, gleich drei Kreuze geballt an einer Stelle aufzubauen. „Denn exakt da, wo die Warnhinweise stehen, kam es vergangenes Jahr innerhalb von einer Woche zu sechs Unfällen“, schildert Schwarze. Das könne daran liegen, weil Rehe wortwörtlich Gewohnheitstiere sind und immer dieselben Wege entlanggehen.

„Unsere Hoffnung ist, dass wir die Leute mithilfe der Kreuze sensibilisieren können und somit weniger Rehe von der Straße holen müssen als sonst, und es nicht wie letztes Jahr einen Unfall gibt, der nicht nur tödlich für ein Tier, sondern auch für einen Menschen ausgeht“, so Schwarze abschließend und bittet Autofahrer stets lieber vorsichtig als schnell zu fahren.

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