Pago Balke und Nicolai Thein sorgen für „Gnadenlose Heiterkeit“

Intensiver Publikumskontakt

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Pago Balke faszinierte die Besucher mit „Gnadenloser Heiterkeit“.

Dörverden - Wie wohl ist dem, der dann und wann sich etwas Schönes dichten kann. Das Kulturgut Ehmken Hoff stand am Samstagabend ganz im Zeichen des Dichters und Zeichners Wilhelm Busch. Pago Balke (Rezitation) und sein kongenialer Partner Nicolai Thein (Piano) sorgten mit Wilhelm Busch für „Gnadenlose Heiterkeit“.

Das Duo präsentierte den Dichter und Maler in all seiner Vielseitigkeit. Die Musik, die erklang, stammte aus der Zeit Buschs. Der Abend war ausverkauft, denn die kulturellen Veranstaltungen auf dem Kulturgut sind schon lange kein Geheimtipp mehr.

Wer den Namen Wilhelm Busch hört, denkt vermutlich automatisch an die Schelme Max und Moritz oder an die fromme Helene. Dass aber Busch, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts lebte und wirkte, ein vielseitiges künstlerisches Werk hinterlassen hat, ist vielen nicht bekannt.

Umso schöner, dass Balke und Thein intensive „Aufklärungsarbeit“ betrieben, so dass der Abend sicher im Sinne des Autors geriet: bissig und witzig, spitz und kritisch, moralisierend und scharfzüngig, aber auch philosophisch, zärtlich und sanft.

Das Duo präsentierte neben wenigen Klassikern vor allem viele unbekannte Stücke, die es neu interpretiert, vertont und damit zu neuem Leben erweckt hat. Dabei trug Balke Buschs Verse frei vor und untermalte sie zuweilen mit den Klängen und Geräuschen selbst gebauter Musikinstrumente. Balke stellte die Werke exemplarisch vor. Er schlüpfte in vielerlei Rollen und ließ durch Mimik und Gestik sowie mittels Körpereinsatz oder intensivem Blickkontakt zum Publikum jede einzelne Darstellung und pointierte Rezitation zum Erlebnis werden.

Mal philosophisch, mal schrullig und immer voller Respekt vor dem Werk, wurde beispielsweise die Geschichte von Balduin Bählamm erzählt, der sich zu Höherem berufen fühlt und darum ringt, endlich von der Muse geküsst zu werden. Doch just in dem Moment, in dem er seine Gedanken zu Papier bringen und dichten will, wird er gestört. Sei es durch eine lärmende Kinderschar, die Ehefrau oder durch eine laut muhende Kuh.

Nicht fehlen durfte auch Maler Klecksel, der nicht nur den bürgerlichen Kunstkenner aufs Korn nimmt, sondern auch hin- und hergerissen ist zwischen der reichen, ältlichen Gönnerin Fräulein von der Ach und der jungen, verführerischen Suse. Am Ende wechselt Klecksel den Beruf und wird Schankwirt in seiner Stammkneipe.

So köstlich die Leistungen von Balke waren, so wirkungsvoll war die musikalische Begleitung durch Nicolai Thein. Sie gab dem Abend Fülle und rundete die sprachlichen Finessen ab, besonders als Thein das Piano ganz im Sinne von Buschs Bildexzess „Der Virtuose“ auch noch mit allen Vieren „marterte“.

Melodien bekannter Komponisten ergänzten die Texte, die, mitten aus dem Leben gegriffen, vor allem die idyllische Welt des Kleinbürgertums beschrieben. Rede, Darstellung und Melodien verschmolzen zu einem unterhaltsamen Gesamtkunstwerk, das die Zeitlosigkeit von Busch in den Fokus des Abends katapultierte. Schließlich sind viele seiner Lebensweisheiten aktuell wie eh und je.

Knapp zwei Stunden lang gewährten Balke und Thein Einblicke in Leben und Werk des Humoristen. Vieles regte die Besucher zum Schmunzeln an. Die Aufführung lebte von den schauspielerischen und musikalischen Glanzleistungen der Künstler, für die sich das Publikum schließlich mit lang anhaltendem Applaus bedankte.

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