Neues Stück der Stedorfer Theaterbühne erweist sich als echter Brüller

Der Playboy-Bürgermeister und die Goethe-Seifenblase

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Männer mit Visionen: Brandmeister Florian Brenner (l., Jürgen Stahmann) und Bürgermeister Richie Schnösel (Sören Duske).

Stedorf - Bestens aufgelegte Darsteller, die frisch und spritzig spielen, ein sehr gut passendes Bühnenbild, eine gelungene Maske und dazu eine turbulente Handlung: Die Stedorfer Theaterbühne zieht in der Komödie „Alln's Goethe oder wat…? von Bernd Gombold derzeit alle Register und hat bei der Premiere mehr als zwei Stunden für köstliche Unterhaltung gesorgt.

Der Dreiakter bietet aber auch ausreichend Gelegenheit zu vielen Lachern und Szenenapplaus, obwohl seine Grundaussage auch nachdenklich macht. Und so könnte man beinahe auf die Idee kommen, dass es sich um ein gesellschaftskritisches Stück handelt – geht es doch um einen größenwahnsinnigen, triebgesteuerten Bürgermeister, von dem einige seiner Getreuen kaum weniger bescheiden daher kommen.

Doch blickt man auf die Besetzungsliste, wird beim Lesen der Namen schnell klar, dass es sich um eine spritzige Komödie handeln muss. Sowohl Harald Hoops, Inge Siems, Martina Brandt, Jürgen Stahmann als auch das Duske-Trio mit Elisabeth, Sören und Ricarda Duske sind für ihr komödiantisches Talent bekannt.

Um was geht es? Auf dem Dachboden der heruntergekommenen Kneipe „Zur eisernen Faust“ entdeckt Putzfrau Rosi (Inge Siems) verstaubte Papiere, die angeblich vom Dichterfürsten Goethe stammen sollen. Das zumindest meint Willi (Harald Hoops), ein verwahrloster, ehemaliger Gymnasiallehrer, der zusammen mit Wirt Johannes (Harm-Dierk Otte), Rosi und deren Freundin Elli (Martina Brandt) einen genialen Plan ausheckt.

Denn erstens muss die Kneipe vor dem drohenden Abriss gerettet werden und zweitens braucht der großmäulige Playboy von Bürgermeister einmal eine Lektion. Richie Schnösel (toll: Sören Duske) beißt auch gleich an, er wittert Prestige und Zuschüsse für sich und sein Dorf. Ein original erhaltenes Goethe-Haus soll die alte Wirtschaft werden, der Wirt namens Wärter wird flugs in Werther umbenannt… Bis zur ersten Pressekonferenz läuft auch alles glatt. Doch dann platzt die Goethe-Seifenblase – und das hat wahrlich turbulente Folgen.

Die Wahl des Stücks erwies sich als gelungen, ebenso die Besetzung mit Schauspielern, die es verstanden, ihren jeweiligen Rollen einen ganz individuellen Charakter zu verleihen und das Gebaren von Politikern und deren Geltungssucht auf die Schippe zu nehmen. Die Rolle der naiven Sekretärin und Gespielin des Bürgermeisters war eigentlich Jutta Schroeder zugedacht. Als diese aus familiären Gründen ausfiel, sprang wenige Tage vor der Premiere Elisabeth Duske ein, die mit einigen Tricks und viel Talent ihre Auftritte souverän meisterte.

Das Spektakel wird zehn Mal auf dem Kulturgut aufgeführt. Am 21. Februar wird der große Dichterfürst ein letztes Mal die Phantasie der Dörverdener Zuschauer anregen. Weitere Infos im Internet unter www.stedorfer-theaterbuehne.de.

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