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Trauer-Schmerz wird nicht „weggetröstet“

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Von: Christel Niemann

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Frau mit Plakat.
„Eine neue Seite aufschlagen“, lautet das Motto, unter dem das kleine Jubiläum am heutigen Tag steht. Renate Steinau mit dem Plakat. © Niemann

Der Ehepartner verstorben, vielleicht sogar das eigene Kind. Die Dörverdenerin Renate Steinau bringt Menschen zusammen, die dieses Schicksal durchlebt haben.

Dörverden – Der Trauerkreis Verden feiert Jubiläum: Heute, am 8. März, begeht das von der Dörverdenerin Renate Steinau einst initiierte und bis heute geleitete Angebot seinen zehnten Geburtstag, der mit geladenen Gästen im Alten Schulhaus in Verden-Dauelsen gefeiert wird. Auch Superintendent Fulko Steinhausen hat sein Kommen bereits zugesagt.

Den Tod eines geliebten Menschen zu verkraften, zählt sicher zu den Ereignissen im Leben eines Menschen, die einem den Boden unter den Füßen wegzuziehen drohen. Es schmerzt unendlich, die Gefühle fahren Achterbahn, schwanken zwischen tiefer Trauer und Verzweiflung, zwischen Depression, Wut und Hilflosigkeit. Gefühle, die auch Renate Steinau aus Dörverden erfahren hat, als sie 2005 den Tod ihres Sohnes und wenige Jahre später den ihres Ehemannes verkraften musste.

Die Frage, wohin mit der Trauer, blieb und so nahm Steinau Kontakt zu Gruppen in der Umgebung auf, sammelte Informationen, suchte auch geistlichen Rat und organisierte mithilfe von Heike Hansmann, Leiterin der Kontaktstelle für Selbsthilfe im Kirchenkreis Verden, ein erstes Treffen Betroffener im Stadtkirchenzentrum in Verden. „Das war am 8. März 2012 und es kamen auf Anhieb zehn Personen“, erinnert sich die Dörverdenerin an die erste Zusammenkunft. Seitdem hat es viele Treffen und etliche Aktivitäten gegeben.

Im Trauerkreis dürfe jeder so sein, wie ihm gerade zumute sei. Jeder sei mit seinen Gefühlen und mit seiner individuellen Trauer willkommen. Schmerz und Kummer würden nicht „weggetröstet“. Die Trauergruppe biete jedem den Raum, der benötigt werde. „Für die Teilnehmer ist es wichtig, zu erleben: Da sind Menschen, denen es ähnlich geht“, sagt Steinau. Das entlaste und schaffe ein Gefühl von „Ich werde verstanden“, auch wenn es kein Allheilrezept für Trauernde gebe.

Steinau erzählt vom anhaltenden Bedarf an einem Gruppenangebot, sodass sie vor zwei Jahren eine zweite Trauergruppe gegründet habe, die aber von Corona ausgebremst worden sei. „Für die betroffenen Menschen war das ganz bitter. Die monatlichen Treffen sind wichtig. Telefongespräche oder ab und an ein Treffen im ganz kleinem Kreis oder unter vier Augen unter Corona-Bedingungen, konnten das nicht ausgleichen“, sagt sie.

Die Feier zum Zehnjährigen hat Steinau federführend akribisch vorbereitet. Einladungen wurden gebastelt und verschickt, ein Plakat gedruckt und ein kleines Rahmenprogramm auf den Weg gebracht. Auch für einen interessanten Vortrag ist gesorgt. Steinau stolz: „Ich konnte Hendrik Lind aus Tostedt gewinnen, der gemeinsam mit seiner Frau das Startup-Unternehmen TrostHelden gegründet hat. Über die Plattform im Internet können Trauernde nach Gleichgesinnten suchen und so Menschen zusammenfinden, deren Schicksale einander ähnlich sind.“  

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