„Mit Wut rein, zufrieden wieder raus“

Ehemalige Wehrpflichtige erinnern sich an ihre Zeit in der Niedersachsenkaserne Barme

Die Panzeraufklärungskompanie 320 bei einer Übung.

Vor 60 Jahren, im Oktober 1959, traten 27 junge Männer ihren zwölfmonatigen Wehrdienst in der Niedersachsenkaserne in Dörverden-Barme an. Genau sechs Jahrzehnte später haben sich die ehemaligen Wehrpflichtigen der Panzeraufklärungskompanie 320 verabredet und am Tor vor dem einstigen Kasernengelände getroffen. Auch wenn das nicht die erste Zusammenkunft dieser Art war, gab es ein freudiges Wiedersehen.

Barme – „Damals hatte man uns der Freiheit beraubt. Dennoch war die Bundeswehrzeit in Dörverden eine wirklich schöne Zeit; jedenfalls in der Rückschau. Ich bin mit Wut rein und zufrieden wieder raus“, schmunzelt Dietmar Stieg. Der 81-Jährige lebt in der Nähe von Freiburg. Er hatte die weiteste Anreise zu dem von Fritz Harnacke aus Dörverden organisierten Treffen auf sich genommen. „Nach 60 Jahren muss man die Erinnerungen doch wieder aufleben lassen“, findet er. Es sei bedauerlich, dass nur noch 14 der einstigen Kameraden lebten.

Im Gespräch mit den Wehrpflichtigen von damals wird schnell deutlich, dass es ihnen nicht darum geht, von der Bundeswehr zu schwärmen. „Wir waren Kameraden. Man möchte wissen, was aus den anderen geworden ist und wie es ihnen geht“, so der Tenor. Und wie war es damals in Barme, als 21-jähriger junger Soldat? „Es war zuweilen schon sehr anstrengend. Einige Vorgesetzte waren sehr speziell“, erinnern sich die Männer.

Erinnerungen in Schwarzweiß: der Tag des Einzugs in die Kaserne. Einige von den jungen Männern verspürten keine Vorfreude auf die bevorstehenden zwölf Monate.

Außerdem sei auf dem Dorf ja nicht viel los gewesen. Sie hätten natürlich trotzdem öfters etwas unternommen, und wenn es nur ein Besuch im Soldatenheim war, wo auch regelmäßig Kinofilme gezeigt wurden. Fritz Harnacke verrät, dass Dietmar Stieg den besten und bequemsten Job von allen hatte. „Wir lagen im Matsch, während er in der Schreibstube saß und dort die rechte Hand vom Spieß war“, erzählt Harnacke mit einem schelmischen Lachen. Und er erinnert sich an einen ganz speziellen Hauptmann, der immer weiße Handschuhe trug. „Der war nicht ohne und hat uns gerne gezeigt, dass er weit über uns stand.“ So waren die Stubendurchgänge gefürchtet: leer gefegte Spinde, umgedrehte Matratzen oder Strafen für Versagen.

Wilhelm Schmidt erinnert sich an eine Übung „mit allen Schikanen“. Doch während sich seine Kameraden abmühten, habe er der Truppe den Rücken gekehrt und sich hinter einem Munitionsbunker versteckt. „Als die Übung zu Ende war, bin ich leise zurückgeschlichen und habe mich wieder zu den Kameraden gesellt“, erzählt er.

Freudiges Wiedersehen: Karl-Heinz Stannehl, Alfred Hasse, Wilhelm Schmidt, Dietmar Stieg, Wilhelm Vehling, Fritz Harnacke und Hans Stark (von links).

Auch Alfred Hasse steuert den Erinnerungen ein originelles Erlebnis bei, indem er von einem 50-Kilometer-Marsch unter vollem Gepäck berichtet. Es war wichtig, dass die Truppe die Kaserne wieder geschlossen erreicht, da als Belohnung ein langes freies Wochenende lockte. Doch was für die meisten der jungen Männer kein Problem war, stellte für einige wenige eine kaum zu bewältigende körperliche Herausforderung dar: auch für den an Schreibstubenarbeit gewöhnten Dietmar Stieg. „Meine Füße waren total kaputt. Ich konnte nicht mehr und wollte alles nur noch hinschmeißen.“ Doch das habe Hasse nicht zugelassen. „Alfred war damals ein echter Hüne und einen Kopf größer als ich. Er hat einfach meine gesamte Gepäcklast übernommen, außerdem noch mein Gewehr geschultert und mir gesagt, dass ich einfach nur noch laufen soll.“ So seien dann alle ins Ziel gekommen.

„Eine solche Kameradschaft gibt es nicht alle Tage. Das war schon toll“, sprudelt es aus Karl-Heinz Stannehl heraus, der heute in Neustadt am Rübenberge lebt.

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