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Von Dörverden nach Neubruchhausen: Waldarbeiterschutzhütte „Minna“ zieht um

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Eine Hütte wird von einem Kran in die Luft gehoben.
Mittels Kranwagen und drei Mitarbeitern vom Technischen Hilfswerk, Ausbildungsstätte Hoya, wird die alte Waldarbeiterschutzhütte „Minna“ auf einen Tieflader des THW verladen, um sie anschließend nach Neubruchhausen zu transportieren. © Sierk / Niedersächsische Landesforsten

In Diensthop, der zu den Niedersächsischen Landesforsten gehörenden Försterei Rotenburg, steht ein Standortwechsel an. Nicht etwa Mitarbeiter des Forstamtes ziehen um, sondern eine historische Waldarbeiter-Schutzhütte tritt ihre Reise ins etwa 30 Kilometer entfernte Neubruchhausen an.

Diensthop – Morgens um 9 Uhr sind im Forstort Höpen walduntypische Fahrzeuge unterwegs. Ein Kran und ein Lkw mit Tieflader des Technischen Hilfswerks (THW), stationiert im Ausbildungszentrum Hoya, bahnen sich ihren Weg in den Wald, um die Schutzhütte zu verladen.

Michael Müller, Leiter der Revierförsterei Diensthop, erklärt: „Die historische Waldarbeiter-Schutzhütte, von allen liebevoll ,Minna’ genannt, steht schon seit Jahr und Tag im Höpen. Sie ist Wind und Wetter ausgesetzt und zerfällt zusehends, das wollen wir verhindern. Schließlich handelt es sich um eine forstgeschichtliche, mobile Unterkunft für Waldarbeiter aus einer Zeit, als die hiesigen Wälder begründet wurden“.

Die Hütten dienen vor allem als Schutz vor Witterung

„Schutzhütten dienen seit je her den im Wald hart arbeitenden Menschen als Pausenraum und vor allem als Schutz vor der Witterung. Vereinzelt finden sich noch feste Forstdiensthütten in den Wäldern. Für die wechselnden Arbeitsorte und, um die Wege kurz zu halten, haben sich bereits früh mobile Hütten durchgesetzt“, schreiben die Landesforsten in einer Pressemitteilung.

Das genaue Alter von „Minna“ lässt sich nur aus ihrer Bauweise schätzen. Der hölzerne Aufbau ist ein Eigenbau, der dem vorhandenen Unterbau angepasst wurde. Ein „Federwagen“ dient als Fahrwerk, das heißt, Blattfedern dienen als Stoßdämpfer. „Stöße waren unausweichlich, schließlich wurde die Hütte durch vier auf starre Achsen montierte Holzräder bewegt.“

Alter wird auf über 100 Jahre geschätzt

Wenn auch das Holz der Räder inzwischen morsch geworden ist, so drehen sich noch heute alle Räder problemlos, trotz der Jahrzehnte, die „Minna“ nicht mehr bewegt wurde. Eine alte hölzerne Deichsel weist darauf hin, dass die Hütte früher durch Zugtiere umgesetzt wurde, später dann durch Traktoren. „Ich gehe davon aus, dass die Hütte Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut wurde. Sie ist also deutlich über 100 Jahre alt. Leider habe ich keine Aufzeichnungen gefunden und ein Aufruf in unserer Mitarbeiterzeitung hat auch keine neuen Erkenntnisse gebracht, um meine Schätzung zu untermauern“, resümiert Michael Müller.

„Minna“ wurde nun durch drei Mitarbeiter der THW-Ausbildungsstätte Hoya vorsichtig per Kran auf einen Tieflader verladen und zur Restaurierung nach Neubruchhausen gebracht. Hans- Heiner Hupe, Ausbilder beim THW, erklärt: „Aufgrund des Zustands des Bauwagens hatten wir keine andere Alternative als die Bergung mit schwerem Gerät. Für uns war diese Aktion eine gute Übungsmöglichkeit, für die Niedersächsischen Landesforsten und den Heimatverein Neubruchhausen, der die Schutzhütte übernimmt und restauriert, eine willkommene Hilfe.“

Neuer Standort an der Alten Oberförsterei Neubruchhausen

Nach der Restaurierung soll die alte Schutzhütte ihren neuen Standort an der Alten Oberförsterei Neubruchhausen bekommen. Hier lebte und arbeitete Friedrich Erdmann ab 1892 für fast 50 Jahre. „Also genau zu der Zeit, als ,Minna" gebaut wurde. Erdmann war ein bedeutender Forstmann, der die damals in der Region vorherrschenden Kiefernwälder in stabile Mischwälder umgebaut hat. Er sorgte für eine verbesserte Humusbildung der Waldböden und ließ kleinflächig Buchen, Eichen, und Weißtannen säen und pflanzen. Später folgten Douglasien, Küstentannen, Lärchen, Roteichen und vereinzelte Exoten wie Esskastanie und sogar Orientbuche. Heute bilden diese ,Erdmannwälder" das Waldgebiet des Jahres 2022“, freut sich Müller über diesen forstgeschichtlichen Brückenschlag.

Wenn auch das Holz morsch ist, so drehen sich alle vier Räder problemlos, trotz der Jahrzehnte, die „Minna“ nicht bewegt wurde.
Wenn auch das Holz morsch ist, so drehen sich alle vier Räder problemlos, trotz der Jahrzehnte, die „Minna“ nicht bewegt wurde. © Sierk / Niedersächsische Landesforsten

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