SPD spürt „Wechselstimmung“

Dörverdens neuer Bürgermeisterkandidat Volker Meyer stellt sich vor

Drei Männer stehen in einem Garten, im Hintergrund ein Wohnhaus.
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Erster Auftritt vor der Presse als Bürgermeisterkandidat: Volker Meyer hat zu sich nach Hause eingeladen, coronabedingt in den Garten. Jens Künzler und Rolf Lühning (v.l.) von der SPD kamen auch dazu.

Die Abendsonne scheint, die Hunde Wella und Cita wuseln durch den Garten, die Stimmung ist entspannt. Der Gastgeber bietet den Anwesenden das „Du“ an – und setzt damit nicht nur den Ton für sein erstes Pressegespräch als Bürgermeisterkandidat, sondern wahrscheinlich für seinen gesamten Wahlkampf. Bürgernah und offen, so präsentiert sich Volker Meyer, so möchte der 49-jährige Dörverdener wahrgenommen werden. Ein „Gegenpol“ zu Amtsinhaber Alexander von Seggern wolle er sein.

  • Volker Meyer bewirbt sich als parteiloser Bewerber um das Amt des Dörverdener Bürgermeisters.
  • Die SPD unterstützt den 49-Jährigen.
  • Der Stedorfer glaubt, dass die Gemeinde „einen Schub“ braucht.

Dörverden –Auch Jens Künzler und Rolf Lühning sind zur Vorstellung des Herausforderers in dessen Garten nach Stedorf gekommen. Der Fraktionsvorsitzende der SPD und sein Stellvertreter wollen damit auch öffentlich die Unterstützung signalisieren, die intern bei den Sozialdemokraten bereits beschlossene Sache ist. Künzler will eines klar gestellt wissen: „Es geht nicht darum, auf jemandem rumzuhacken. Wir haben einen guten Bürgermeister, der die Verwaltung bisher korrekt geführt hat.“ Aber es gebe in der Gemeinde eine „Wechselstimmung“, die die SPD nicht ignorieren wolle. „Wenn wir dieses Gefühl bei den Bürgern nicht wahrgenommen hätten, bräuchten wir das hier ja alles nicht zu machen.“

SPD sieht bei ihm „Herzblut“ und „Motivation“

Als der parteilose Volker Meyer auf die SPD zugekommen sei und um Unterstützung geworben habe, sei man grundsätzlich aufgeschlossen gewesen. „Wir haben uns ja von Anfang an gewünscht, dass die Dörverdener mit mindestens zwei Bewerbern eine echte Wahl haben.“ Aber man hätte sich nicht hinter jeden beliebigen Kandidaten gestellt. Einen Bewerber von außerhalb zu unterstützen – das wäre nicht in Frage gekommen. Bei Meyer habe die SPD jedoch „Herzblut für den Ort, in dem er lebt und den er weiterentwickeln möchte“, gesehen. „Seine Motivation kommt aus dem Inneren“, zeigt sich Künzler überzeugt.

Viele kennen ihn ja bereits: Der in Stedorf aufgewachsene Meyer ist seit vielen Jahren ehrenamtlich engagiert. Seit zwölf Jahren ist er Vorsitzender der DLRG und hat dort unzähligen Kindern das Schwimmen beigebracht, seit sieben Jahren ist er zweiter Vorsitzender des Schützenvereins Stedorf. Freunde und Vereinskollegen würden ihn wohl als „Macher“ beschreiben, glaubt Meyer. Man sehe ihn viel mit dem Fahrrad oder Motorrad fahren – und für einen Klönschnack sei er immer zu haben. „Die Gemeinschaft ist mir wichtig“, sagt der Stedorfer. Und bei Feiern würde er oft als Letzter nach Hause gehen.

Vom Werkzeugmechaniker zum Geschäftsführer

Beruflich hat sich der Dörverdener in den vergangenen Jahrzehnten ziemlich nach oben gearbeitet. Bei der Norka in Hülsen hat er Werkzeugmechaniker gelernt. Er wechselte von der Werkstatt ins Büro, in die Personalabteilung der Firma Wiebe, und eignete sich in den Folgejahren, abends und am Wochenende, in zahlreichen berufsbegleitenden Fortbildungen kaufmännisches Wissen an. Seit neun Jahren ist er Geschäftsführer einer Bremer Immobilien-Projektentwicklungsfirma.

Projekte gehen ihm nicht schnell genug

Warum er sich um das Amt des Bürgermeisters bewirbt? „Ich glaube, dass Dörverden mal einen richtigen Schub braucht und viele Sachen im Argen liegen“, ist Meyer überzeugt. „Viele Projekte werden nicht mit der nötigen Konsequenz vorangetrieben“, sagt er. Der Gewerbe- und Industriepark Barme hätte nach seiner Meinung schon lange in Betrieb genommen werden müssen. „Wir sind seit 2004 dabei, dieses Projekt zu verwirklichen. Dass es kein Zweijahresprojekt ist, sollte jedem klar sein, aber nunmehr 17 Jahre, das ist eindeutig zu lang.“ Auch die Realisierung des Feuerwehrhauses Dörverden/Stedorf sei lange nicht vorangekommen.

Meyer: Baugebiete fehlen

„Außerdem fehlen Bauplätze. In den letzten Jahren ist bei diesem allgemeinen Bauboom nicht ein einziges Baugebiet entwickelt worden. Junge Familien werden in andere Regionen abwandern“, fürchtet Meyer, der eigentlich große Potenziale in seiner Heimatgemeinde sieht. „Wir leben in einer unheimlich schönen Gegend, mit zwei Flüssen und viel Wald, das muss man sich vor Augen halten. Wir haben dank des Bahnhaltes eine gute Infrastruktur.“

Ein Verwaltungsfachmann bin ich sicher nicht, und ich habe auch keine politischen Vorerfahrungen.

Volker Meyer

Was die Herausforderungen des Bürgermeisteramtes geht, sagt Meyer: „Ein Verwaltungsfachmann bin ich sicher nicht, und ich habe auch keine politischen Vorerfahrungen.“ Allerdings vertraue er darauf, dass die Gemeinde über viele gut qualifizierte Mitarbeiter verfüge, die ihn bei seiner Arbeit unterstützen werden. „Von Seggern weiß ja auch nicht, wie man eine Kläranlage bedient.“ Und gerade weil er nicht aus der Verwaltung, sondern aus der Wirtschaft komme, verfüge er neben kaufmännischem Wissen und Führungsqualitäten auch über Projektentwicklungskenntnisse.

Parteilosigkeit ist ihm wichtig

Ob Chefetage oder Baustelle, er wisse mit den unterschiedlichsten Menschen umzugehen. Er sei jemand, der immer offen für Gespräche sei, auch gerne auf Platt. „Aber vor allem kann ich zuhören.“ Er wolle Bürgermeister werden – und nicht nur Verwaltungschef. „Dabei ist mir die Parteilosigkeit sehr wichtig, weil ich für alle Menschen gleichermaßen zur Verfügung stehen möchte. Dass mich die SPD unterstützt, freut mich sehr.“ Gespräche mit den anderen Parteien stünden auf dem Plan.

SPD will fairen Wahlkampf

Seine Familie gebe ihm Rückendeckung: Frau Tanja (49) unterstütze ihn und auch seine Töchter Jule (16) und Yara (20) stünden zu der Entscheidung ihres Papas. Meyer fühlt sich also bereit für den Wahlkampf. Eine Schlammschlacht solle es auf keinen Fall werden, stellt Jens Künzler klar. „Das wäre wirklich überhaupt nicht angebracht. Alexander von Seggern war immer fair, auch in seinem letzten Wahlkampf gegen Karin Meyer. Diesen Anspruch haben wir auch.“

Wenn es rein nach der Statistik geht, hat Volker Meyer übrigens gute Chancen, die Wahl im September zu gewinnen: In der Gemeinde Dörverden hat es bisher überhaupt noch kein hauptamtlicher Bürgermeister geschafft, für eine zweite Amtszeit gewählt zu werden.

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