Mehr als 100 Menschen in Westen / Spenden für die Überführung

Gedenken an jungen Eritreer: „Wo er war, da war Musik“

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Viele Menschen hatten zu der Gedenkfeier Blumen und Kerzen mitgebracht, um sie am Amtshaus niederzulegen.

Westen - Von Wiebke Bruns. Mehr als hundert Menschen versammelten sich am Sonnabend zu einer Mahnwache am Amtshaus Westen, um des nach einer Disko-Schlägerei gestorbenen 24 Jahre alten Flüchtlings zu gedenken. Darüber hinaus wurde ein Spendenaufruf gestartet, weil man dem Wunsch der Familie des 24-Jährigen folgen und dessen Leichnam in sein Heimatland Eritrea überführen möchte.

Der kleine Tisch mit einem Foto des Verstorbenen reichte schnell nicht mehr für die vielen Kerzen der Trauernden aus. So mancher legte eine Rose in Gedenken an den jungen Mann nieder, der seit dem vergangenen Sommer in Westen gelebt haben soll. Nach der Flucht schien er dort mehr als nur im tatsächlichen Sinne angekommen zu sein. Nicht nur akzeptiert als Mensch in Not, sondern willkommen als Freund und Nachbar, so wie es in Westen für alle Flüchtlinge zu gelten scheint.

„Wir sind heute hier, um gemeinsam an ihn zu denken. Um zusammen zu rücken beim gemeinsamen Aushalten und allen Versuchen, diese Tragödie verstehen zu wollen. Und um unserer Trauer Raum zu geben“, sagte Pastor Florian Krönke. Viele hätten den Verstorbenen gekannt, ob vom Willkommenscafé, Sprachkurs, Café der Kulturen oder Sport. „Manche kannten ihn nur vom kurzen freundlichen Gruß auf dem Fahrrad durch das Dorf oder von einem der vielen Veranstaltungen hier in Westen“, so Krönke.

Daniel Behrend ist einer derer, die den 24-Jährigen näher kannten. „Er war ein Fußball-Kollege“, erzählte der Hülsener. Auf die Frage, wie er den Verstorbenen beschreiben würde, sagt Behrend: „So wie jeder, der ihn kannte, als nett und hilfsbereit.“ Eine Frohnatur und „wo er war, da war Musik“, sagte der Hülsener.

Was lag da näher, als mit dem 24-Jährigen einmal in eine Disko zu fahren? Das war genau eine Woche vor dieser Mahnwache. Der Abend endete verhängnisvoll. Es gab eine Schlägerei und es gibt Tatverdächtige, doch alles weitere wird noch ermittelt. Der junge Mann aus Eritrea soll am nächsten Morgen nicht mehr aufgewacht sein. Am Mittwochabend ist er in einer Bremer Klinik verstorben. Über die genaue Todesursache ist noch nichts bekannt.

Mahnwache für toten Eritreer in Westen

„Ich habe in den letzten Tagen, seit der Hubschrauber morgens hier gelandet ist, mit vielen gesprochen, die entsetzt sind“, sagte der Hülsener Behrend. Diese Trauer und Hilflosigkeit habe den Anstoß zu der Mahnwache gegeben. „Wir machen die Mahnwache aber nicht, weil er ein Opfer geworden ist, sondern weil er ein Freund war“, betonte Eltje Buch, Leiterin des Mehrgenerationenhauses und Mitorganisatorin der Mahnwache.

„Wir haben heute viele Kerzen entzündet. Sie sollen das Licht seiner Seele symbolisieren, das immer noch leuchtet und unvergessen bleiben soll“, sagte sie in einer kurzen Ansprache. Gleichzeitig nutzte sie die Chance für einen Spendenaufruf. „Für die Überführung und Beerdigung wollen wir heute Spenden sammeln“, erklärte sie und dem folgten viele.

Am Ende war kaum noch Platz in dem großen Spendenglas. Fast 1500 Euro sind zusammengekommen. Es braucht jedoch rund 5000 Euro für die Überführung und weiteres Geld, damit die Eltern in Eritrea eine würdevolle Trauerfeier und Beisetzung für ihren Sohn ausrichten können.

Wer dies mit Spenden unterstützen möchte, nutzt bitte das Caritas-Konto mit der IBan-Nr. 48 2915 2670 0010 0404 00 bei der Kreissparkasse Verden. Als Verwendungszweck bitte angeben: Eritrea Westen.

Zur Aufklärung der Geschehnisse in der Disco werden weiterhin dringend Zeugen gesucht. Sie werden gebeten, sich mit der Polizei in Verden unter Telefon 04231/8060 oder jeder anderen Polizeidienststelle in Verbindung zu setzen.

Anmerkung der Redaktion:

Liebe Leser!

Wir haben lange darüber diskutiert, ob wir den Namen und ein Foto des jungen Eritreers veröffentlichen. Schließlich haben wir uns gegen eine solche Publikation entschieden, solange die Geschehnisse in und vor der Diskothek De La Sol in Verden nicht hinlänglich geklärt sind.

Die Ereignisse erhalten ihre besondere Dramatik dadurch, dass ein junger Mensch gerade dort zu Tode gekommen ist, wo er sich nach der Flucht aus seiner Heimat in Sicherheit und wohl auch schon ein wenig zu Hause fühlte. Dennoch mussten wir uns die Frage stellen, wie wir vorgegangen wären, wenn es sich bei dem Toten nicht um einen Flüchtling gehandelt hätte. Mit unserem Beschluss möchten wir nicht nur die Identität des 24-Jährigen schützen. Es geht uns auch darum, seiner Familie den nötigen Respekt zu erweisen. Wir bitten um Verständnis.

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