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Umweltminister startet Pilotprojekt Solarhecke in Dörverden

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Von: Heinrich Kracke

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Gruppenbild mit 16 Personen, die auf Gras stehen. Im Hintergrund ein Feld, ein Solarpanel, links ein Traktor.
Gruppenbild mit Umweltminister: Zum Start des Pilotprojekts Solarhecke, der senkrechten Sonnenkollektoren auf Äckern, versammelten sich Unterstützer aus Politik, Verwaltung und einer Reihe Energie-Initiativen am Standort in Stedorf. Olaf Lies hatte eine Förderzusage über 400 000 Euro im Gepäck. © Kracke

Knapp mehr als eine halbe Million Euro fließen in eine neue Solarhecke in der Gemarkung Stedorf, davon rund 400000 Euro aus der Landeskasse. Umweltminister Olaf Lies gab gestern den Startschuss des Pilotprojektes Agri-PV, eine fünfjährige Studie zum Zusammenspiel von Land- und Energiewirtschaft. Senkrechte Solarmodule sollen den Anbau und die Ernte von Feldfrüchten zulassen.

Verden/Dörverden – Es hatte etwas gedauert, ehe der Umweltminister die Photovoltaik-Anlage der etwas anderen Art im hintersten Winkel der Gemarkung Stedorf gefunden hatte, aber dann fand er sie gut. „Hier entsteht ein Projekt, das eine Dimension hat, sich gegen den Widerstand ,es wird nicht funktionieren‘ durchzusetzen“, sagte Olaf Lies gestern Nachmittag beim Startschuss des Pilotprojektes Agri-PV. Senkrechte Solarmodule sollen auf ein und demselben Feld die Ernte von Strom und Gemüse zulassen. Und das gleichzeitig.

Knapp mehr als eine halbe Million Euro fließen in die neue Solarhecke, davon rund 400000 Euro aus der Landeskasse. Völlig neu ist die Idee nicht. Im Raum Hannover wurde bereits die Effizienz von senkrecht stehenden Kollektoren getestet. Hier geht es jetzt unter Federführung der kreiseigenen Klimaschutzagentur Klever um eine fünfjährige Studie zum Zusammenspiel von Land- und Energiewirtschaft. Konkret sollen die Module in langen Reihen aufgestellt werden, wobei zwischen jeder Reihe zehn bis zwölf Meter bewirtschaftbaren Ackers liegen. Die Nutzbarkeit der verbleibenden Krume gibt der Hersteller mit 90 Prozent an.

Drei generelle Fragen seien in den nächsten fünf Jahren zu beantworten, erläutert Projektleiter Corbinian Schöfinius von Klever. Zunächst die technische Seite. Wie hoch fällt der Ertrag senkrechter Kollektoren aus? Welche Auswirkungen haben Staub, Steinschlag, eventuell ein vorbeifahrender Miststreuer auf die Anlage? Dann die ackerbauliche Seite. Wie lässt sich geplanter Ökolandbau mit Hackfrüchten, Getreide, eventuell Gemüse umsetzen? Welche Erträge wirft er ab? Ist Beregnung möglich? Wie hoch ist der zusätzliche Arbeitseinsatz? Schließlich der Naturschutz. Welche Effekte hat die Solarhecke? Ist eine biologische Vielfalt zumindest auf den Blühstreifen, auf denen die Hecke steht, möglich? Wie entwickelt sich die Qualität des Ackers? „Auf diesen ganzen Strauß von Fragen wollen wir Antworten geben“, sagt Schöfinius.

Der Umweltminister stellte die kommende Solaranlage mit einer Leistung von 230 Kilowatt Peak in den Gesamtzusammenhang. „Selbst wenn alle Hausdächer Niedersachsens belegt wären, kämen wir auf 50 Gigawatt, benötigt werden aber 15 Gigawatt mehr aus Solarstrom. Es müssen also anderweitige Lösungen her. Dies ist eine davon.“

Landrat Peter Bohlmann hob einerseits die Klever hervor. Sie sei ein unverzichtbarer Beitrag der kommunalen Hand zur Klimawende. Andererseits würdigte er die Passgenauigkeit des Pilotprojekts. „Hier entsteht eine Nutzung, die keine andere Nutzung verdrängt. Das erhöht die Akzeptanz von Photovoltaik auf freier Fläche.“ Dörverdens Bürgermeister Alexander von Seggern wies auf die Bedeutung für die Gemeinde hin. „Ein nächstes Dörverdener Leuchtturmprojekt, eine clevere Idee und ein guter Beleg, dass die Energiewende vor allem mit dem Engagement lokaler Akteure zu schaffen ist.“ Dr. Stefan Dreesmann von der Energiegenossenschaft Aller-Leine-Weser betonte besonders die Zukunftsperspektiven des Projekts. „Der Flächenverlust durch die Nutzung fruchtbaren Ackerbodens durch Solarparks mit herkömmlichen vertikalen Modulen könnte bald der Vergangenheit angehören.“

Sascha Krause-Tünker vom Hersteller Next2sun hob die Besonderheiten der kommenden Anlage hervor. Sie sei in Ost-West-Richtung aufgebaut, sie sammele Strom vor allem morgens und abends, sie sei vor allem dann aktiv, wenn das Solar-Hausdach eher in den Ruhestand gehe. „Damit füllt sie Lücken. Zugleich lassen sich die bestehenden Netze besser auslasten, ohne sie erweitern zu müssen.“

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