Klöppelschüler präsentieren Arbeiten / Keine „Alte-Frauen-Beschäftigung“

„Drehen und kreuzen, das ist das ganze Geheimnis“

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Filigrane Weihnachtsbaumanhänger sind in dem Kurs unter anderem entstanden.

Dörverden - Interessiert blicken die Besucher Dozentin Angelika Küker und ihren Klöppel-Schülern über die Schultern und staunen über deren flinke Finger. Bei jeder Bewegung klappern die hölzernen Klöppel, die sie immer paarweise abwechselnd von einer Seite auf die andere wandern lassen. „Drehen und kreuzen, das ist das ganze Geheimnis“, sagt die Hoyaerin, während sie unermüdlich erklärt und attestiert.

Die Teilnehmerinnen am Klöppelkurs der Kreisvolkshochschule Verden auf dem Kulturgut Ehmken Hoff in Dörverden haben jetzt im Rahmen des Kulturcafés ihre Arbeiten gezeigt. Die Motive der teils weit angereisten Frauen reichten von Lesezeichen über eine Bonbonniere bis zum Anhänger für den Weihnachtsbaum. Und die alte Handarbeitskunst war kein Privileg der älteren Generation. Die Teenager Marie Koopmann und Marlene Ohm waren ebenso mit Begeisterung dabei wie Aurel Hoffmann, ein Achtjähriger, der auch häkeln und stricken kann. Er hatte sich als einziges männliches Wesen in die Gruppe gewagt.

Die Finger der Schüler scheinen beim Klöppeln schwerelos und absolut selbstständig zu arbeiten, während sie auf einem Polster Fäden nach bestimmten Mustern verkreuzen oder verdrehen, so dass eine Spitze entsteht. Doch was auf den Laien wie heilloses Durcheinander wirkt, hat ein fixes System. Alle wissen genau, wann welche Klöppel gekreuzt werden müssen, damit am Ende ein kleines filigranes Kunsthandwerk entsteht, von dem der Laie nicht einmal ahnt, wie viel Zeit und wie viele Arbeitsschritte darin stecken. „Ungeduldige lernen beim Klöppeln Geduld. Und Raucher rauchen weniger“, erzählt Angelika Küker schmunzelnd.

„Es ist wie ein Virus und macht süchtig“, meint eine Teilnehmerin, die an einem Lesezeichen arbeitet und Obacht geben muss, da jede Arbeit mit Hilfe der Arbeitsanleitung, dem sogenannten Klöppel-Brief, angefertigt wird. Die Möglichkeiten, die das Klöppelgarn bietet, sind ganz unterschiedlich. Wie die Gründe, durch die die Anwesenden zu der speziellen Handarbeit gekommen sind. Für die meisten ist es ein beruhigender Ausgleich zur Berufstätigkeit, während andere durch Erkrankungen zum Klöppeln gekommen sind und wieder andere die im Kurs erworbenen Kenntnisse sogar für ihr Studium benötigen.

Was Küker übrigens gar nicht mag, ist, wenn jemand sagt, dass Klöppeln eine „Alte-Frauen-Beschäftigung“ ist. Das sei völliger Quatsch, sagt Küker, die schon viele Kinder und Jugendliche fürs Klöppeln begeistert hat. „Meine jüngsten Kursteilnehmer sind sechs, die ältesten über 70 Jahre alt.“ Klöppeln sei folglich ein Hobby für jedes Alter, für das es außer guter Laune keinerlei Voraussetzungen brauche. Neulinge bekommen in ihren Kursen die Fertigkeiten des Klöppelns von Grund auf vermittelt. Sie lernen, wie Drehen und Kreuzen, wie Halbschlag, Ganzschlag, Verbindungen und Verzierungen funktionieren und können sich recht schnell an eigenen Kreationen ausprobieren. Die dafür benötigten Gerätschaften werden den Kursteilnehmern gestellt.

Im Frühjahr wird es auf dem Kulturgut einen weiteren Lehrgang in Sachen Klöppeln geben. Mehr Informationen finden sich auf der Internetseite von Angelika Küker unter www.klöppeln-hoya.de.

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