Kontakt zu Familie verloren

Neue Heimat für Cherif Barry: Keine Sehnsucht nach Guinea

Möchte bleiben: Cherif Barry lebt in Stedorf.
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Möchte bleiben: Cherif Barry lebt in Stedorf.

Stedorf – Seit über drei Jahren lebt der junge Flüchtling Cherif Barry in der Gemeinde Dörverden und ist inzwischen ein Musterbeispiel für gelungene Integration. Trotzdem muss der 26-Jährige noch immer die Abschiebung fürchten, da er nur eine befristete Aufenthaltsgenehmigung besitzt.

„Diese Unsicherheit ist sehr belastend“, erzählt Barry, der bei den Verkehrsbetrieben Grafschaft Hoya (VGH) eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer absolviert. Dort ist er bei seinen Vorgesetzten und Kollegen gleichsam anerkannt und beliebt. Auch mit den Fahrgästen habe er keinerlei Probleme und von Fremdenfeindlichkeit bekomme er zu seiner Erleichterung ebenfalls nichts zu spüren. „Wenn ich freundlich bin, sind es die anderen auch“, ist seine Erfahrung. 99 Prozent der Fahrgäste begegnetem ihm mit großer Offenheit, sodass es keinerlei Probleme gäbe.

Das möge an seinem positiven Wesen und seiner Anpassungsfähigkeit liegen, vermutet Barry. Dass er seine Ausbildung im kommenden Jahr abschließen wird, daran besteht für den jungen Mann kein Zweifel. Auch weiß er schon, dass ihn die VHG nach bestandener Prüfung in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis übernehmen werden. Die Zukunftsaussichten sind gut für ihn, nachdem er 2017 einen gefährlichen Weg gegangen ist, um Diktatur, Korruption, Unfreiheit und der Unsicherheit in seiner Heimat zu entkommen.

Als der damals 23-jährige am 11. Juni 2017 endlich in Deutschland ankam, war er völlig auf sich alleine gestellt und weit weg von seiner einst so geliebten Heimat. Barry erzählt von den ersten Wochen in Deutschland, davon, wie er in Aufnahmelagern in Erkheim, Heidelberg, Karlsruhe oder Bramsche oft nur wenige Tage verbracht und wie er dann ein Zuhause auf Zeit in Hülsen gefunden habe, wo er freundlich aufgenommen worden sei. „Das war ein Gl��ck“, sagt er, und dass er der Betreuerin dankbar sei und sich ihr noch heute verbunden fühle.

Hier hat Barry auch eine der wichtigsten und höchsten Hürden im Schnelldurchgang genommen. Er lernte binnen kürzester Zeit die deutsche Sprache und fand mithilfe seiner Mentorin einen Ausbildungsplatz. Probleme bereite ihm derzeit nur sein Aufenthaltsstatus. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wollte ihn bereits einmal in sein Herkunftsland Guinea abschieben, sodass er in seiner Not drei Monate im Kirchenasyl in Achim verbrachte.

Da Barry nach erfolgreichem Abschluss seiner Ausbildung unbefristet übernommen werden soll, ist eine Zukunft in Deutschland wahrscheinlich. Denn nach Guinea will der junge Mann nicht zurück. Er erzählt, dass er den Kontakt zu seiner Mutter und den beiden jüngeren Geschwistern seit seiner Flucht verloren habe und es ihm bislang nicht gelungen sei, sie per Mail oder Telefon zu erreichen. „Die Mailadresse existiert nicht mehr. Ich habe keine Ahnung, wo und wie meine Familie heute lebt.“ Wenn er über diesen Aspekt seiner Flucht berichtet, wird seine Stimme ganz leise und man spürt, dass er darüber wie auch über die Details seiner Flucht nicht sprechen möchte. „Das möchte ich lieber vergessen“, sagt er dazu und erzählt lieber von seiner eigenen kleinen Wohnung, die auch Basis für seine sozialen Kontakte ist. „Ich bin in der Feuerwehr aktiv“, berichte er. In seiner Freizeit laufe er viel, manchmal bis nach Hülsen und wieder zurück. Fürs Fußballspielen habe er keine Zeit mehr.

Barrys Aufenthalt in Deutschland ist bislang nur geduldet, sodass mit dem Ende der Ausbildung auch das sogenannte Abschiebehindernis wegfallen wird. Er wird dann erneut eine Aufenthaltserlaubnis beantragen und die Entscheidung abwarten müssen.

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