Abschied von Dörverdens Schulleiter Joachim Kruse / Nachfolger soll Anfang 2021 kommen

Keine Angst vor Herausforderungen

Abschied auf Abstand, aber nicht weniger herzlich: Jörg Rokitta (links), Dezernent der Landesschulbehörde, bedankt sich bei Dörverdens Schulleiter Joachim Kruse für dessen Engagement.
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Abschied auf Abstand, aber nicht weniger herzlich: Jörg Rokitta (links), Dezernent der Landesschulbehörde, bedankt sich bei Dörverdens Schulleiter Joachim Kruse für dessen Engagement.

Dörverden – Inklusion, Flüchtlingsarbeit und zum Schluss noch Corona: Joachim Kruse, Schulleiter der Aller-Weser-Oberschule in Dörverden, weiß, wie man Herausforderungen meistert. Gestern wurde der Pädagoge in den Vorruhestand verabschiedet; mit Sicherheitsabstand im kleinen Kreis und ohne die bei solchen Anlässen üblichen Beiträge von Schülern, wie Kruse ausdrücklich bedauerte.

Und jetzt? Endlose Ferien? „Konkret habe ich mir für die nächste Zeit erst einmal nichts vorgenommen. Ich möchte im neuen Lebensabschnitt ankommen. Dann werde ich weiter sehen“, sagt er in einem Gespräch mit unserer Zeitung. Klar kommen in seiner Lebensplanung auch die klassischen Wünsche künftiger Pensionäre vor: mehr Zeit für Reisen, die Familie oder Hobbys. Aber das, so scheint es, wird Kruse nicht lange genügen.

Im Gespräch skizziert der gebürtige Dörverdener einige Schlüsselsituationen seines Lebens, würdigt den Anteil vieler Beteiligten, spricht aber auch von Zufällen, die ebenfalls Auswirkungen an seiner Entwicklung hatten und macht so Schritt für Schritt deutlich, wie er zu dem wurde, was er heute ist. „Ich bin ganz gern in Dörverden zur Grund- und später zur Realschule gegangen, war allerdings ein wenig faul“, blickt der zweifache Vater und Großvater einer kleinen Enkelin gleich Jahrzehnte zurück.

Eine Ausbildung zum Bankkaufmann wird seine nächste Station, gefolgt von Zivildienst, dem Besuch der Fachoberschule Sozialpädagogik und dem Lehramtsstudium mit den Fächern Geografie und Arbeitslehre Technik als Schwerpunkte. Nach erfolgreichem Abschluss des Studiums steuert Kruse auch gleich auf die nächste Schlüsselsituation zu, die er mit Glück umschreibt. „Damals gab es eine Lehrerschwemme und ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könne, mich hinsichtlich der Schulentwicklung einzubringen und beim Aufbau von Ganztagsschulen mitzuwirken.“ Kruse sagte zu und engagierte sich als pädagogischer Mitarbeiter. „Während dieser Zeit sind viele tolle Sachen entstanden“, erinnert er sich.

Als Nächstes war er als Feuerwehrkraft in verschiedenen Schulformen eingesetzt, dann kam es zu der ersten Anstellung als Lehrer an der damaligen Haupt- und Realschule in Dörverden. Dort waren damals sogar noch einige seiner alten Lehrkräfte im Dienst, denen er nun, wo Kruse selbst Lehrer geworden war, auf Augenhöhe begegnete. „Wenn ich gemerkt habe, es kommt nichts Neues mehr, alles ist mehr oder weniger Routine, suchte ich wieder eine Veränderung. Da passte es gut, dass der Landkreis anfragte, ob ich nicht die Leitung der Kreisbildstelle, später Kreismedienzentrum, übernehmen wollte“, erzählt er weiter.

Kruse wechselte nochmals den Job und folgte dem Ruf ans Niedersächsische Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung (NLQ) in Hildesheim. Dort baute er die landesweite Onlinemediendistribution Merlin auf und fungierte als Mitautor des ersten Landesmedienkonzepts, dass sich heute in der Umsetzung befindet.

Und Kruse ist es auch gewesen, der die Schulmedientage in die Region geholt und der Elbe-Weser-Filmklappe den Weg bereitet hat. Eine Affinität für Technik und Medien hatte er nach eigenen Worten schon immer. „Es wurde mir in die Wiege gelegt. Es war schließlich mein Onkel, der in Dörverden das erste Kino betrieben hat.“

Doch zurück zur Oberschule Dörverden, an die Kruse vor fünf Jahren und diesmal als Schulleiter zurückgekehrt ist. Was war ausschlaggebend für diese Entscheidung? „Der didaktische Leiter der Schule, Oliver Schaal, hat am Rande einer Fortbildung diese Saat gelegt“, erzählt er. „Ich habe mich in meinem Beruf ja alle paar Jahre verändert, das ist immer so in Etappen gelaufen. Nach einer gewissen Zeit bin ich einfach unruhig geworden und wollte mich verändern. Schaal ist auf mich zugekommen und hat mich gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, Verantwortung in Dörverden als Schulleiter übernehmen. Zunächst wollte ich nicht, aber dann habe ich ja gesagt und diese Entscheidung auch nie bereut.“

An der Schule schätze er die überschaubare Größe, die Vielfalt und dass während seiner Leitungszeit die komplette Dreizügigkeit erreicht worden sei, was für steigende Schülerzahlen und die gute Teamarbeit des Kollegiums spreche. Auch sei das Kollegium sehr engagiert und das Arbeitsklima entsprechend gut.

Froh sei er, dass sich das Image der Schule positiv gewandelt habe und viele Eltern zu der Erkenntnis gelangt wären, dass der Besuch eines Gymnasiums für ihr Kind nicht zwingend das Beste sei. „Es ist gut, das unser Schulsystem wesentlich offener und durchl��ssiger geworden ist.“ Es gäbe heute schließlich viele Wege, die zum gesteckten Ziel führten. Und dabei sei dieser von unten nach oben für Schüler wesentlich motivierender als umgekehrt, wenn man die Schule wechseln und „absteigen“ müsse.

Abschließend kommt Kruse noch auf den gravierend veränderten Familienalltag zu sprechen, sodass Kinder Bindungen und Vorbilder in Medien suchten. Die Folge: Schule müsse heute wesentlich mehr im sozialen Bereich arbeiten, da auch die diesbezüglichen Erwartungen von Eltern stark gestiegen wären. Hier habe jeder Schulstandort seine ganz eigenen Bedingungen und Herausforderungen.

Kruse bestätigt, dass seine Nachfolge, die zum 1. Februar 2021 geplant sei, gerade geregelt werde und sich das Bewerbungsverfahren in der finalen Phase befinde. Bis dahin werde Konrektorin Sandra Vogel die Oberschule Dörverden leiten.  nie

Von Christel Niemann

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