Ali Karamanc fühlt sich „angekommen“

„Ein freundliches Lächeln kann schon viel bewirken“

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Heute hat Ali einen Job, Freunde, engagiert sich im Verein. Früher seien die Zeiten für seine Familie schwer gewesen, sagt der 33-Jährige über die ersten Jahre in Deutschland.

Dörverden - Ali Karamanc ist heute 33 Jahre alt und fühlt sich wohl und „angekommen“ in Deutschland. Das war nicht immer so. Der Kurde erklärt, warum Integration nicht von heute auf morgen funktioniert.

Jeden Tag kommen neue Flüchtlinge in Deutschland an, was für den Bund, die Länder, vor allem aber für die Kommunen eine große Herausforderung ist. Wichtig ist die Frage, ob die Integration der Menschen aus den verschiedensten Ländern funktioniert. Nicht nur die Deutschen, sondern auch die Asylbewerber sind da gefragt. Dass es klappen kann – wobei es natürlich auch Probleme gibt – zeigt die Geschichte des 33-jährigen Ali Karamanc, der im Alter von fünf Jahren mit seinen Eltern, die politisch verfolgt wurden, aus Vransehir (ehemals Kurdistan) als Flüchtling nach Deutschland kam. Über mehrere Aufenthaltslager kam die Familie 1987 in Schwäbisch Hall an. Ein Jahr später wurde er als einziger Ausländer ohne Deutschkenntnisse in die erste Klasse eingeschult. „Ich hatte eine Lehrerin vom alten Schlag, die etwas gegen mich hatte. Deshalb musste ich, obwohl ich gut mit kam, die erste Klasse wohl wiederholen“, so Ali. „Die Leute wechselten damals die Straßenseite, grüßten nicht zurück und schauten uns immer seltsam an“, so Ali weiter. Eine weitere negative Erfahrung erlebte er, als ihn eine Schulkameradin nach Hause mitnehmen wollte. Aber an der Haustür hieß es dann: „Was willst Du mit dem Türken hier? Der kommt hier nicht rein“.

Im Jahr 1994 folgte der Umzug nach Verden, wo er in die Orientierungsstufe eingeschult wurde. „Hier waren alle schon etwas offener, denn es lebten in Verden inzwischen auch weitere Türken, Russen und Jugoslawen“, so Ali.

Von 2000 – 2003 machte er eine Ausbildung zum Autolackierer. Danach arbeitete er in mehreren Jobs. Als er den Führerschein für Lastkraftwagen bestanden hatte, war er sechs Jahre als Fahrer in einer Spedition beschäftigt. Seit 2009 arbeitet er beim Taxiunternehmen Kahlau in Dörverden. „Hier bin ich sehr gut aufgenommen worden und wir haben ein familiäres Verhältnis“, freut er sich.

Leider gebe es während seiner Tätigkeit immer wieder rassistische Anfeindungen. „Aber das wird es wohl immer geben“, so seine Feststellung. Inzwischen ist er, trotz aller Widrigkeiten, voll integriert. „Ich habe inzwischen viele Freunde, spiele Fußball in einer Mannschaft und habe nette Arbeitskollegen, Mit allen verstehe ich mich gut und ich fühle mich sehr wohl hier“, freut er sich.

Sein Fazit: „Die Deutschen müssen den Flüchtlingen Zeit geben, ihnen entgegen gehen, sich offen ihnen gegenüber verhalten. Ein freundliches Lächeln oder ein Hallo bringt manchmal mehr als alles andere“, rät Ali. „Integration findet nicht in kurzer Zeit statt, das dauert Jahre.“ Zur Debatte „Wir schaffen das“ meint er, dass Deutschland finanziell in der Lage sei, mehr als eine Million Flüchtlinge zu verkraften, denn es ist eines der wirtschaftlich stärksten Länder der Welt. Lediglich in der Logistik sieht er ein großes Problem.

„Die Deutschen sollten sich immer vor Auge führen, dass die Flüchtlinge nicht freiwillig hierher kommen, sondern weil sie Schutz suchen“, so Ali abschließend.

kt

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