„Ich hatte mir meinen Abschied anders vorgestellt“

Dörverdener Ärzte Gente gehen in den Ruhestand

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Noch brennen die Lichter an der Gemeinschaftspraxis von Annegret und Wulf-Reinhard Gente. Wenn kein Nachfolger gefunden wird, gehen sie Ende Januar endgültig aus.

Dörverden - Dr. Annegret und Dr. Wulf-Reinhard Gente sehen keinen anderen Ausweg. Die Fachärzte für Allgemeinmedizin werden ihre Praxis in der Diensthoper Straße 13 in Dörverden Ende Januar 2018 nach über 30 Jahren schließen und in Rente gehen.

„Am 31. Januar, ein Mittwoch, ist unser letzter Arbeitstag. Danach ist für uns Schluss. Die Arbeit ist einfach nicht mehr zu schaffen. Die Zahl der Patienten ist aufgrund der Schließung von Arztpraxen in Westen und Eystrup zu hoch geworden. Wir können den Patienten so nicht mehr gerecht werden“, sagen sie einmütig.

Und in der Tat: An manchen Tagen ist „die Hölle los“ und die Patienten stehen bis hinunter zur Straße. Gente: „Ich habe wirklich kein Problem damit, zehn Stunden zu arbeiten. Aber bei 12, 13 Stunden hört der Spaß auf.“ In der Praxis gehen also vermutlich bald sämtliche Lichter aus, denn Gentes haben trotz intensiver Suche keinen Nachfolger gefunden.

Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen ist diesbezüglich aber noch am Ball (siehe Infokasten) und die Mediziner hoffen, dass vielleicht doch noch ein Wunder geschieht, zumal die Praxis ablösefrei übergeben wird.

Dr. Wulf-Reinhardt Gente betont, dass er sich nicht auf den Ruhestand freut. „Ich hatte mir meinen Abschied aus dem Berufsleben anders vorgestellt. Eigentlich wollte ich noch bis 2020 praktizieren“, sagt er. Auch seine Frau würde am liebsten noch weiter arbeiten, allerdings nicht mehr so viel. „Mit den Patientenzahlen von vor zwei, drei Jahren wären wir fertig geworden, aber was in diesem Jahr auf uns eingestürmt ist, ist einfach zuviel. Wir ziehen die Notbremse.“

Patienten reagierten überwiegend verständnisvoll 

Die Arzthelferinnen seien als erste von der bevorstehenden Praxisschließung informiert worden, danach die Patienten, die, so Gentes, überwiegend mit Verständnis reagiert hätten, nichtsdestotrotz aber auch in großer Sorge bezüglich der eigenen medizinischen Versorgung seien. „Die Patienten fragen sich natürlich, wer und wo in Zukunft ihr Hausarzt ist.“ Den Ärzten macht die Versorgung ihrer nichtmobilen Patienten den größten Kummer. Durchschnittlich zehn Patienten täglich werden zurzeit im Umkreis von zehn Kilometern versorgt. Und diese Menschen, so Gente, könne man nicht einfach in ein Fahrzeug verfrachten und zur nächsten Praxis kutschieren. Sie wären auf Hausbesuche angewiesen.

Die Allgemeinmediziner betonen, dass sie sich in Dörverden immer sehr wohl gefühlt haben. „Wir haben so viele langjährige Patienten, aber wir sind auch seit 34 Jahren durchgehend die jüngsten Ärzte am Ort.“

Gentes befürchten zudem, dass das Ende der Gemeinschaftspraxis auch Auswirkungen auf die örtliche Apotheke haben könnte. „Wir hoffen natürlich, dass die Kunden der Apotheke erhalten bleiben.“

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Stellungnahme der Kassenärztlichen Vereinigung 

Der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN) ist die geplante Beendigung der Praxistätigkeit der Gentes natürlich bereits bekannt. Dort nimmt man die Situation sehr ernst, wie Michael Schmitz, Geschäftsführer der Bezirksstelle Verden, betont. „Wir haben kurzfristig finanzielle Förderungen für die Neu-Niederlassung in Dörverden beschlossen“, erklärt er. „So können wir bei einer Neu-Niederlassung oder Neu-Anstellung für zwei Ärztinnen oder Ärzte eine Investitionsförderung von je 50 000 Euro zur Verfügung stellen.“ Anträge könnten laut Schmitz ab sofort gestellt werden. In der ärztlichen Fachpresse sollen diese Fördermöglichkeiten veröffentlicht werden, außerdem wolle die KVN Ende November im Rahmen eines Existenzgründerseminars auf den Standort hinweisen. „Die Praxis Gente hat bereits selbst noch einmal die mögliche Praxisübernahme im Ärzteblatt inseriert“, so Schmitz. Eine gute Nachricht sei, dass zum 1. Januar in Eystrup eine Hausarztpraxis neu öffne. Außerdem werde in der Praxis Dr. Gorski/Rehnert vermutlich im ersten Halbjahr 2018 die bisherige Assistentin eine Zulassung erhalten. „Für diese Praxis wird intensiv nach Verstärkung gesucht, um eine zukunftsfähige Gemeinschaftspraxis aufzubauen. Natürlich ist auch eine direkte Nachfolge für die Praxis Gente wünschenswert. Die räumliche Infrastruktur ist in Dörverden vorhanden.“ Der Erhalt der Praxissitze habe für die KVN absolute Priorität. Laut Schmitz mache es für die Patienten keinen Sinn, sofort einen Arztwechsel vorzunehmen. Die Versorgungssituation sei auch in Verden angespannt. Aufgrund entsprechender Nachfragen weist die KVN Verden darauf hin, dass sie Patienten nicht anderen Arztpraxen zuweisen kann.  

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