Genügsam und freundlich: Zwergzebus

Der gekörte Zuchtbulle Flint ist ein Genießer. Links kratzt ihm Anja Schlechte das Fell mit dem Schrubber, rechts streichelt ihn die 15-jährige Angelique. Fotos: Niemann

Immer wieder bleiben Passanten staunend stehen und wundern sich, was in der kleinen Ortschaft Stedebergen für eigenartige Rinder mit Buckel weiden. Es handelt sich um Zebus, Zwergzebus, um genau zu sein. Weidetiere, die ursprünglich aus Sri Lanka stammen.

Stedebergen – „Ihr Anblick ist hierzulande eher selten und daher kaum jemandem vertraut“, sagt Besitzerin Anja Schlechte. Auf die Frage, warum sie gerade diese Rasse und keine „normalen“ Kühe hält, antwortet sie: „Weil ich den Geruch von Kühen nicht mag. Zebus riechen viel angenehmer.“

Vor rund drei Jahren trafen die ersten Zwergzebus auf der Weide in Stedebergen ein. Ihrer Ankunft vorausgegangen waren intensive Diskussionen zwischen Anja Schlechte und ihrem Mann Ingo, welche möglichst robuste Tiergattung sie für die Weidepflege anschaffen sollten. Anja Schlechte: „Wir hatten zunächst Alpakas ins Auge gefasst, das Vorhaben dann aber als zu arbeitsintensiv wieder verworfen.“ Kühe kamen wegen des Geruchs für Anja Schlechte nicht infrage, während ihr Mann keine Schafe riechen mag. „So kamen wir auf die Idee mit den Zwergzebus“, erzählt die Besitzerin.

„Wir haben uns ausgiebig über die Tiere informiert, Kontakt zu einem erfahrenen Züchter in Brake aufgenommen und ihn zeitnah auch besucht.“ Und es kam, wie es kommen musste: Anja Schlechte verguckte sich gleich beim ersten Besuch in „Hilary“. „Die Kuh war bereits 15 Jahre alt und – so hieß es – vermutlich tragend. Ansonsten sollte sie zum Schlachter.“ Wer Anja und Ingo Schlechte persönlich kennt, wird es eine typische Reaktion nennen: Hilary wurde gekauft, und weil ein einzelnes Tier noch keine Herde ausmacht, wurden noch Silvie und Liane hinzugesellt. Außerdem wurde im selben Jahr Annabelle, das Kalb von Hilary, geboren. „Ja, so „harmlos“ hat es angefangen“, blickt Anja Schlechte zurück und klopft Flint den Hals. Der gekörte Zuchtbullen sorgt für Nachwuchs in der kleinen Herde. Er war bereits erfolgreich: Nach neunmonatiger Tragzeit hat die kleine Svenja im Frühjahr das Licht der Welt erblickt. „Das Kälbchen ist putzmunter und kerngesund“, freuen sich die Hobbylandwirte, die ihre Entscheidung für diese Rinderrasse immer wieder treffen würden. „Sie haben ein zwar distanziertes aber auch freundliches Wesen. Sie sind nicht aggressiv, sehr robust und nahezu unempfindlich gegen die Unbilden der Witterung“, zählt Anja Schlechte Eigenschaften auf, die Zwergzebus ausmachen. Auch seien sie als Weidepfleger nicht wählerisch, sondern marschierten über die Weide wie Rasenmäher. Aufgrund ihrer Standorttreue versuchten sie nicht – anders als etwa Schafe – aus ihrer Koppel auszubüxen.

In den zurückliegenden Jahren sei eine einzige Fehlgeburt vorgekommen, so Anja Schlechte. Ohnehin sähen die Tiere den Tierarzt nur selten. Beim Fressen seien die Zwergzebus genügsam. Gras und Heu, dazu hin und wieder Möhren und Apfelstücke.

Eine positive Eigenschaft hat Familie Schlechte selber noch nicht an den Wildrindern entdeckt. „Ihr Fleisch soll sehr gut schmecken. Ein Mix aus Rind und Wild“, so Anja Schlechte. Die Tiere werden nicht geschlachtet, da sie die ganze Familie ins Herz geschlossen hat. Hilary, Silvie, Flint und Co. haben gute Chancen, noch etliche Jahre zu leben. Zumal sie sich auch den anderen Hoftieren gegenüber als verträglich erweisen und in friedlicher Koexistenz mit Ponys, Großpferd (Tinker), Mini-Schweinen, Hühnern, Katzen oder Hund leben.

Abschließend erzählt Anja Schlechte, dass sie in Stedebergen und Umgebung eine langfristige Pachtwiese oder Fläche, die eingesät werden kann, zur Weidepflege durch die Zwergzebus suchen. Kontakt unter Telefon 0151/21247758.  nie

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