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Haus am Hesterberg: Gemeinsam altern mit Behinderung

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Von: Christel Niemann

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Die Waldheim-Wohngruppe im Haus am Hesterberg.
Die Waldheim-Wohngruppe im Haus am Hesterberg ist regionaler Vorreiter für inklusives Wohnen im Alter. Zurzeit noch zeitlich befristet, wäre eine Dauerlösung aber für alle Beteiligten denkbar und erstrebenswert. © Christel Niemann

Den Lebensabend genießen, ob allein oder in einer Gruppe, diese Frage stellt sich auch für behinderte Menschen, die heute oft ebenso alt wie Menschen ohne Behinderung werden. Die Stiftung Waldheim probt neue Form des Zusammenlebens am Hesterberg in Dörverden

Dörverden – Den Lebensabend genießen, ob allein oder in einer Gruppe, diese Frage stellt sich auch für behinderte Menschen, die heute oft ebenso alt wie Menschen ohne Behinderung werden. Bei der Gestaltung des künftigen Alltags müssen sich die Einrichtungen neuen Aufgaben stellen. Beispielsweise ob und wie Inklusion auch bei Senioren möglich ist? Eine Herausforderung, die ganz aktuell bereits Leitung und Mitarbeiter vom Haus am Hesterberg in Dörverden beschäftigt, wo sich eine Außenwohngruppe der Stiftung Waldheim – wenn auch zunächst zeitlich befristet – häuslich eingerichtet hat.

Die Fenster und Türen sind, von außen gut sichtbar, geschmückt mit Selbstgebasteltem. Innen eine fröhliche Runde älterer Menschen beim Kaffeetrinken in der Küche. Es sind die Bewohner der Außenwohngruppe der Stiftung Waldheim, die dort unter einem Dach im Haus am Hesterberg mit den Bewohnern der kreiseigenen Senioren- und Pflegeeinrichtung und den Kindern der Kita der Lebenshilfe leben. „Früher wurden diese Räumlichkeiten für unsere Bewohner genutzt“, erzählt die Leiterin der Senioreneinrichtung, Elke Lindhof. Doch wegen des anhaltenden Personalmangels habe man das Angebot an Wohn- und Pflegeplätzen reduziert und eine ganze Station habe leer gestanden.

Glück und Zufall, dass die Stiftung Waldheim genau zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach Wohnraum für rund 20 ältere Betreute war. Denn in Cluvenhagen werden zurzeit in vier Bauabschnitten alle Altbauten saniert und die jeweils davon betroffenen Bewohner müssen alternativ untergebracht werden. „Diese Lösung hier ist eine ganz Besondere und eine Win-win-Situation für beide Seiten“, bekräftigt Katharina Englisch, die für die Stiftung Waldheim die Öffentlichkeitsarbeit verantwortet.

Gemeinsam wird in der Einrichtung gebastelt.
Gemeinsam wird in der Einrichtung gebastelt. © C. Niemann

Und für das Haus am Hesterberg kam die Anfrage der Stiftung genau zum richtigen Zeitpunkt. Dadurch wurde nicht nur ein Leerstand vermieden, sondern nach geringfügigen Umbauarbeiten auch die Nachnutzung durch einen Personenkreis möglich, der nach Aussage von Lindhof auch optimal in das Gefüge der Einrichtung passt.

Die WG-Mitarbeiter berichten, dass sich die neuen Bewohner mittlerweile auch schon gut eingelebt haben. „Wirkliche Probleme gab es tatsächlich nicht. Und kleine Irritationen, die eine räumliche Neuorientierung für die Bewohner zwangsläufig mit sich bringt, sind mittlerweile behoben“, berichtet Teamleiterin Marlena Rosebrock. Sie habe das Gefühl, dass alle 20 WG-Bewohner inzwischen vollends angekommen seien. „Anfangs hat sich der ein oder andere auch schon mal in den Räumen „verlaufen“, aber jetzt finden sie sich gut zurecht.“

Hilke Ewecker, Pflegedienstleitung und Wohnbereichsleitung WG und Katharina Englisch geben zu bedenken, dass geistig behinderte Menschen im Hier und Jetzt lebten, dass ungewohnte Abläufe sie daher zunächst verunsicherten. Aber nun sei ja alles gut und alle wären glücklich und hochzufrieden mit der neuen Wohn-Konstellation.

Die WG-Bewohner Erik Bohnhorst, Irmgard Pollak, Wolfgang Preuser und Harald Rohde nicken bestätigend. Sie nehmen die Angebote in der WG gerne wahr, schätzen den Austausch mit anderen, ziehen sich aber auch gerne auf ihre neuen Zimmer zurück. „Hier gefällt es mir. Ich habe nämlich ein eigenes Bad“, freut sich Preuser. Irmgard Pollak erzählt, dass sie die Terrasse vor ihrem Zimmer besonders schön findet und dass sie gerne im nahen Wald spazieren geht.

„Dezentrale Angebote und mittendrin zu sein, ermöglichen unseren Bewohnern aktive Teilhabe. Die Wohngruppe im Haus am Hesterberg ist auch daher für uns ein Gewinn“, bekräftigt die Pressesprecherin.

Und wie sieht es mit Begegnungen zwischen den neuen und alten Bewohnern und zwischen kleinen und großen Leuten im Haus am Hesterberg aus? „Da ist bis auf einige Zufallsbegegnungen wegen Corona bislang leider noch nicht viel passiert“, bedauern Lindhof, Englisch und Rosebrock. Aber sie sehen – sobald es die Pandemie zulässt – eine ganze Fülle von Möglichkeiten, generationenübergreifend und ungeachtet möglicher Handicaps miteinander in Kontakt zu kommen. „Es muss kein Klassiker wie etwa ein Kennenlern-Fest sein. Oft sind Angebote für Kleingruppen sinnvoller und viel effektiver“, wissen die Verantwortlichen.

Wie die beteiligten Einrichtungen die Treffen gestalten, wird sich noch zeigen. Aber bestimmt wird auch der schöne Garten und der gut einsehbare Kita-Spielplatz Begegnungen fördern. „Wir freuen uns darauf und sind alle sehr gespannt“, hieß es.  nie

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