Stedorfer Gerd Schmidt startet Unterschriftenaktion

Gegen den Ärztemangel

Die Unterschriftenliste

Dörverden - Lange Warteschlangen und -zeiten und sogar ein Aufnahmestopp von neuen Patienten kennzeichnen die aktuelle Situation in den Dörverdener allgemeinmedizinischen Praxen. Die dort tätigen Ärzte arbeiten am Limit. Neue Patienten aufnehmen können sie daher nicht mehr. Im Gegenteil: Es werden täglich Menschen weggeschickt, weil die Praxen aus allen Nähten platzen und kein Arzt rund um die Uhr arbeiten kann. In einer Unterschriftenaktion fordert der Stedorfer Gerd Schmidt eine realistische Bedarfsplanung durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV).

Die beschriebene Situation und das Empfinden vieler Bewohner in der Gemeinde passen nicht mit der Statistik der KV zur örtlichen Ärzteversorgung zusammen. Nach deren Angabe liegt der Versorgungsgrad in der Gemeinde bei über 100 Prozent.

Im Hinblick auf die Altersstruktur der niedergelassenen Ärzte könnte die Lage sogar dramatisch werden, befürchtet Schmidt, der an Diabetes leidet. Er ist Vorsitzender der örtlichen Diabetiker-Selbsthilfegruppe und hat, nachdem weder schriftliche Stellungnahmen noch Gespräche, die er mit den entsprechenden Stellen geführt hat, zu einem Ergebnis geführt haben, die Unterschriftenaktion gestartet. „Ich appelliere an die KV, bessere Rahmenbedingungen für potenzielle Praxisnachfolger zu schaffen und für Patienten die Unterversorgung in der Gemeinde zu beenden“, so Schmidt. Denn die Lage in den Orten Dörverden und Westen werde in absehbarer Zeit sicher prekär, da das mittlere Alter der dort tätigen Allgemeinmediziner schon jetzt über 60 Jahre betrage. Schmidt: „Die KV spricht jedoch von einem Versorgungsgrad von 107 Prozent.

Roland Clauß (l.) hat in der Central-Apotheke von Elisabeth Renaud seine Unterschrift auf die Liste gesetzt. Rechts im Bild ist Gerd Schmidt zu sehen, der Initiator der Aktion in der Gemeinde Dörverden. - Foto: Niemann

Da diese Berechnung aber nicht punktuell erfolgt ist, ist auch diese Zahl ein Witz. Tatsächlich ist eher von einem 65-prozentigen Versorgungsgrad im Einzugsgebiet der Gemeinde auszugehen.“ Schließe eine der Praxen, so Schmidt, „dann gehen in Dörverden ganz flott die Lichter aus.“ Von den in Dörverden tätigen Hausärzten werden nach Auffassung von Schmidt in absehbarer Zeit sicher zwei ihre Praxis altershalber abgeben. Ohne Nachbesetzung drohe, wie skizziert, eine dramatische Unterversorgung. „Hier sind neue Wege gefragt, meint Schmidt, denn je ländlicher die Region und je kleiner die Praxis, desto schwieriger die Suche nach einer Nachfolge.

Unter vergleichbaren Gesichtspunkten gelte es, die Versorgung durch sonstige medizinische Dienstleister, allen voran Apotheken vor Ort, im Blick zu haben. „Keine Online-Apotheke leistet Notdienst, berät die Patienten persönlich, leiht Hilfsmittel aus oder bereitet individuelle Pasten oder Tinkturen zu.“ Auch diese Versorgungsstruktur sieht Schmidt in Gefahr. Es sei wichtig, sie zu erhalten. „Sonst droht Patienten eine Fahrt von mindestens zwölf Kilometern nach Verden, nur um ein Rezept einzulösen.“

Schmidt hofft auf die Unterstützung vieler Dörverdener Bürger. „Gegen die hausärztliche Unterversorgung im Bereich Dörverden und Dörverden-Westen. Für eine realistische Bedarfsplanung durch die Kassenärztliche Vereinigung.“ Dieser Satz steht auf dem Kopf der Unterschriftenlisten, die in den kommenden Wochen in Arzt-, Zahnarzt- und Krankengymnastikpraxen und Apotheke sowie in der Grünerei und bei Getränke Dieckhoff in Dörverden ausliegen. - nie

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Erntefest in Neddenaverbergen 

Erntefest in Neddenaverbergen 

Trecker-Oldtimer-Treff in Vethem

Trecker-Oldtimer-Treff in Vethem

Schwarmer Familientriathlon

Schwarmer Familientriathlon

20 Jahre Gemüseabo in Dörverden 

20 Jahre Gemüseabo in Dörverden 

Meistgelesene Artikel

SPD-Fest ohne Sigmar Gabriel

SPD-Fest ohne Sigmar Gabriel

Scharnhorst: Vor 750 Jahren erstmals urkundlich erwähnt

Scharnhorst: Vor 750 Jahren erstmals urkundlich erwähnt

Radfahrer übersehen: 16-Jähriger schwer verletzt

Radfahrer übersehen: 16-Jähriger schwer verletzt

Verlegenheitslösung mit vielen Fragezeichen

Verlegenheitslösung mit vielen Fragezeichen

Kommentare