Fußball und Flüchtlinge – ein Jahr gemischte Mannschaft in Westen

Erfolg mit gemeinsamer Taktik

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Das Westener Team freut sich über Verstärkung und ein neues Outfit.

Westen - Doppelte Freude bei den Herrenfußballern des TSV Jahn Westen. Neben der einjährigen Mitgliedschaft von acht Flüchtlingen, hat die Mannschaft nun ein neues Outfit.

Nach einem schwierigen Start in der vergangenen Saison mit vielen Niederlagen sind die „Neuen“ und „Alten“ inzwischen zu einer Fußball-Mannschaft zusammengewachsen. Zur Saison 2015/16 hat die Herrenmannschaft einen neuen Trikotsatz in den Vereinsfarben erhalten. Das Team dankt insbesondere Bernd Mertens dafür, dass er den Sponsor organisiert und die Trikots beschafft hat. Da der Geldgeber selbst nicht genannt werden möchte, haben die Trikots keinen Werbeaufdruck erhalten. „Dadurch kommt das Vereinswappen umso mehr zur Geltung“, freuten sich die Kicker.

Wie ist diese Mannschaft entstanden? Im Sommer 2014 kamen junge Eritreer als Flüchtlinge nach Westen. „Was kann man jungen Männern, die wenig oder gar kein Deutsch sprechen, in einem ländlichen Umfeld bieten?“, fragten sich die Gastgeber damals. „Fußball, das spielt man überall auf der Welt.“ Das Interesse auf beiden Seiten war da und so begannen zehn Eritreer mit der 1. Herrenmannschaft des TSV Jahn Westen zu trainieren. Schnell war klar, nur trainieren und nicht am Spielbetrieb teilnehmen, das ist nichts für motivierte Fußballer und weitere Spieler konnte die Herrenmannschaft gut gebrauchen.

Noch im September 2014 wurden für acht Eritreer Spielpässe beantragt. Das war langwieriger als zunächst gedacht. Als dann doch endlich alle Formalitäten erledigt waren, konnte es losgehen. Doch so einfach war es dann letztlich nicht. Es stoßen Mentalitäten aufeinander. Die „deutsche Pünktlichkeit“ trifft auf afrikanisches „Laissez faire“, wie einigt man sich da? Beim Training könnte es ja lockerer angehen, nur zum Spiel, da muss jeder pünktlich sein. Zur Not eben mit Abholservice.

Aber auch die ganz normalen Querelen in einer Mannschaft kamen zum Tragen: Wer darf spielen und auf welcher Position? Das sind Probleme, die in jeder Mannschaft aufkommen. Sie ließen sich jedoch mit Mannschaftssitzungen und durch klare Regeln lösen. Missverständnisse oder Vorurteile wurden zunehmend ausgeräumt. Vier Flüchtlinge beschlossen dennoch lieber, in einer reinen Flüchtlingsmannschaft zu spielen.

Die Sprachkenntnisse bei den „Neuen“ haben mittlerweile gute Fortschritte gemacht. Für einige der Flüchtlinge stehen nach dem abgeschlossenen Kurs der Arbeitsagentur nun als Nächstes die ersten Schritte in der Arbeitswelt an.

Wer Lust hat mitzuspielen, neue Spieler sind herzlich willkommen. Trainingszeiten Dienstag und Freitag, 19 Uhr, auf dem Sportplatz in Westen.

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