„Er fletschte die Zähne“

Hülsenerin und ihr neunjähriger Enkel begegnen Wolf

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Katharina Hünerberg an der Stelle, wo der Wolf in der Schonung verschwunden ist. „Wir fühlen uns seit der Begegnung in der Natur nicht mehr sicher“, erzählt die Hülsenerin. - Foto: Niemann

Dörverden - Dieses Zusammentreffen mit einem Wolf werden vermutlich weder Katharina Hünerberg noch ihr Enkel André je wieder vergessen: „Das war schon ein traumatisches Erlebnis und ich denke, dass der Junge gleich mehrere Schutzengel hatte“, erzählt die Hülsenerin, der der Schreck noch immer anzumerken ist. Dabei ist die unfreiwillige Begegnung mit dem Wolf bereits mehrere Wochen her. Geistesgegenwärtig haben Enkel und Großmutter damals reagiert und sich – und ihre Hunde – vielleicht vor Schlimmerem bewahrt. Doch der Reihe nach.

In der Ortschaft Hülsen und in der benachbarten Hämelheide ist es offenbar schon mehrmals zu ungewollten Begegnungen zwischen Menschen und einem Wolf gekommen. In besagtem Fall am helllichten Tag, und zwar am Sonntag, 18. Februar, gegen 16.30 Uhr.

Wie schon so oft zuvor, hatten sich Großmutter und Enkel zum Hundespaziergang aufgemacht und waren in der Straße Bomworth in Richtung Feldmark spaziert. Der Neunjährige, so erzählt Hünerberg, habe seine kleine Chihuahua-Hündin an der Leine geführt, der Junge sei ausgelassen gewesen und habe sich hüpfend fortbewegt. Doch dann habe er abrupt gestoppt und habe wie am Spieß geschrien, während sich sein Hund wie ein Berserker gebärdet habe. „Dann habe ich gesehen, was da los war. Vor meinem Enkel stand ein leibhaftiger Wolf, den dann vermutlich das Schreien meines Enkels und das Gekläffe aller Hunde in die Flucht geschlagen hat. Wir befanden uns in Höhe der Tannenschonung und genau darin ist er dann auch verschwunden.“

Wolf in gebückter Haltung und mit fletschenden Zähnen

Rund zweieinhalb Meter hätten Wolf, Kind und Hund getrennt und sie dürfe sich gar nicht ausmalen, was alles hätte passieren können. „Der Wolf stand in gebückter Haltung und die Zähne gefletscht hat er auch.“ Hünerberg glaubt, dass der Hund an der Leine des Jungen die eigentlich ausgemachte Wolfsbeute war. Sie betont zugleich, dass sie keine grundsätzliche Wolfsgegnerin ist. Doch was zu viel sei, sei nun einmal zu viel. „Wölfe, die sich so nah an Menschen heranwagen, gehören entnommen. Sie sind eine Gefahr für Menschen und für Tiere, denn sie haben die Erfahrung gemacht, dass ihnen nichts geschieht“, sagt Hünerberg, die berichtet, dass sie vermutlich denselben Wolf nur zwei Tage später vom Küchenfenster aus auf ihrem Reitplatz gesehen hat.

Dass ihr Enkel an den Folgen der Begegnung leidet, stimmt die Großmutter traurig. „Er träumt schlecht und traut sich nicht mehr nach draußen zum Spielen.“ Sie erzählt, dass sie unmittelbar nach dem Vorfall Kontakt zu der zuständigen Stelle im Umweltministerium aufgenommen habe, man dort ihre Ängste aber abgewiegelt und nicht ernst genommen habe. „Im Grunde genommen wurde nicht reagiert.“ Reagiert habe nur Wolfsberater Frank Fass. Er habe mit ihrem Enkel über den Schockmoment gesprochen und auch die Örtlichkeit der Wolfsbegegnung in Augenschein genommen.

Mehrere Hinweise auf Wolfsvorkommen

Abschließend erklärt Hünerberg, dass sie aktuell einfach Angst habe und sich in der Natur nicht mehr sicher fühle. „Wo soll man hier noch bedenkenlos laufen? Schließlich habe eine Freundin einen Wolf schon im Dorf umherstreifen gesehen und in Allernähe sei er auch schon gesichtet worden.

Dem Wolfsberater ist der Vorfall bekannt. „Es gab im Bereich Hülsen in den vergangenen Wochen mehrere dokumentierte Begebenheiten, die auf ein Wolfsvorkommen hinweisen“, berichtet Frank Faß. An einem Tag seien von zwei Nutztierhaltern Schafsrisse gemeldet worden. „Hier wird derzeit durch ein Labor geprüft, ob es sich tatsächlich um Wolfsrisse handelt.“ Kurze Zeit später habe es die Meldung eines Treckerfahrers gegeben, der einen Wolf gesehen und fotografiert habe. „Das Bild war sehr unscharf, der Bericht des Mannes aber glaubwürdig“, so Faß. Die Wolfssichtung von Katharina Hünerberg und ihrem Enkel sei die vierte Meldung gewesen. Bei einer Vor-Ort-Begehung habe sich Faß die Eindrücke der beiden schildern lassen.

„Dass der Junge in dieser Situation Angst hatte, ist für mich nachvollziehbar“, so Faß. „Er und seine Oma haben richtig reagiert und den Wolf mit lautem Geschrei verjagt.“ Ob die beiden tatsächlich in Gefahr waren, möchte Faß nicht beurteilen. „Für mich scheint es eine Zufallsbegegnung gewesen zu sein, in der der Wolf von dem Gebell des Hundes irritiert war.“ Klar sei für ihn: Wenn sich der Hülsener Wolf künftig vermehrt auffällig verhalte, müssten die zuständigen Stellen entsprechende Maßnahmen einleiten. „Um festzustellen, ob es sich um ein auffälliges Verhalten handelt, ist es aber wichtig, dass die Bürger Wolfssichtungen auch tatsächlich melden“, so Faß.

Lesen Sie auch: Auf unserer Themenseite haben wir unter anderem zusammengefasst, wie man sich bei einer Begegnung mit einem Wolf verhalten sollte.

nie/rei

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