Erich Rottmann und seine Touren mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft

Fahrer des Jahres

Seit zehn Jahren ist der Dörverdener Erich Rottmann als Fahrer für die DPG im Einsatz. Rund 117 000 Kilometer legte er dabei zurück. Foto: Preuß

Dörverden/Verden – Die Unterhaltung hat gar nicht richtig begonnen, da muss Erich Rottmann noch schnell telefonieren. Ein Kunde ist krank geworden und braucht deshalb an diesem Tag kein Essen auf Rädern von der Awo Dörverden. Das muss der Fahrer von Organisator Rottmann wissen.

Um dessen ehrenamtliches Engagement bei der Arbeiterwohlfahrt soll es bei dem Gespräch mit der Presse aber gar nicht gehen. Sondern um die geschätzten 117 000 Kilometer, die der Dörverdener seit 2010 im Dienste der Deutsch-Polnischen Gesellschaft (DPG) Verden zurückgelegt hat. Fahrer des Jahres 2019 wurde er.

Ein Dutzend Mal saß Erich Rottmann vergangenes Jahr selber am Steuer, wenn es nach Polen ging, etwa in die Partnerstädte Achims, Nowa Sol, oder Verdens, Zielona Gora. Bei sechs weiteren Touren packte Rottmann mit an, sei es bei der Annahme von Spenden oder dem Beladen der Autos und Anhänger.

Zur DPG kam der 71-Jährige vor zehn Jahren wie die Jungfrau zum Kind. Der gelernte Elektro-Maschinenbauer kannte DPG-Transportleiter Heinz Möller. Bei einem Treffen fiel dessen Blick auf das geräumige Auto von Rottmann.

Es begann der Versuch der Akquise Rottmanns. Möller habe ihn gefragt, ob sein Wagen auch über eine Anhängerkupplung verfüge, berichtet der Dörverdener schmunzelnd. Er habe dies verneint und es, nachdem Möller sich unters Auto gelegt habe, auch abgelehnt, seinen Wagen mit einer solchen nachzurüsten.

Damit war Rottmann raus. Vorläufig. Denn nur einen Monat später fragte Anton Werle den Dörverdener, ob dieser nicht Lust habe, ihn als Beifahrer nach Polen zu begleiten. Ein zweites Mal sagte Rottmann nicht nein.

Seitdem war der Mann, der niemals zuvor in dem Nachbarland zu Besuch war, etwa 90 Mal mit der DPG in Polen und machte gemeinsam mit Ehefrau Annemarie inzwischen sogar dreimal dort Urlaub. Reichlich Gelegenheit, das Land ein wenig kennenzulernen.

„Sehr nette Leute, landschaftlich toll. Das ist eine Reise wert“, fasst er sein Bild von Polen zusammen. Groß ist die Gastfreundschaft, die er und seine Mitstreiter immer wieder erfahren. „Ich habe in den ganzen Jahren noch nie ein böses Wort gehört.“

Die Freundlichkeit der Polen drückt sich aus in der herzlichen Umarmung zur Begrüßung, in Tafeln, die sich biegen vor Essen, und in schönen Ausflügen, die die Polen für die Helfer aus Deutschen organisieren. „Da würde man sonst nie hinkommen“, sagt Erich Rottmann und denkt zurück an einen Besuch des früheren Goldbergwerks in Zloty Stok nahe der tschechischen Grenze.

Im Laufe der Jahre ist der DPG-Fahrer allerdings auch zu der Erkenntnis gelangt, dass wohl einige Zeit ins Land gehen wird, ehe die Hilfstransporte eingestellt werden können. „Es ist immer noch Bedarf da“, erklärt Rottmann und macht das an einem Beispiel fest: Allein drei Paletten Reis brachten die Ehrenamtlichen der DPG beim jüngsten Besuch zur kirchlichen Hilfseinrichtung von Sw. Brata Krystyna in Dlugie. Dort würden jede Woche 2 000 Armenspeisen ausgegeben, berichtet der Dörverdener.

Die Fußgängerzonen in den größeren Städten seien durchaus mit denen Bremens oder Verdens zu vergleichen. „Aber drei Seitenstraßen weiter denkt man: Ich bin in einem anderen Land.“ Wege wie Häuser bedürften dringender Reparaturen. Doch dafür fehle das Geld, bei den Kommunen genauso wie bei ihren Bürgern.

„Sie tun ihr Möglichstes“, sagt Rottmann über die Bemühungen im Nachbarland. Erste Erfolge seien auch schon zu sehen. „Die Überlandstraßen sind top“, erklärt er mit zufriedenem Lächeln. Unter diesen Umständen können dann ja die nächsten Hilfstransporte also kommen.  kp

Zur Annahme von Sachspenden hat die Sammelstelle der DPG Verden wieder am Sonnabend, 25. Januar, von 10 bis 12 Uhr, geöffnet. Benötigt wird insbesondere warme Winterbekleidung in allen Größen. Kleinere Haushaltsgeräte, medizinische und orthopädische Versorgungsgüter, Pampers in der Größe XXL sowie Kranken- und Pflegebetten sind ebenfalls sehr gefragt. Die Verdener Sammelstelle befindet sich auf dem Gelände der ehemaligen Futtermittelfabrik Anton Höing, in Verden, Brunnenweg 1, im Innenhof rechts an der Rampe. Im Raum Achim können die Sachspenden bei Fritz-Heiner Hepke, Wiesenstraße 8, Telefon 04202/2217, sowie bei Katharina und Daniel Weßlowski, Philosophenweg 21, Telefon 04202/5199076, abgegeben werden. Eine DPG-Sammelstelle gibt es jetzt auch im Heidekreis. Heinz Steudle, Bergstraße 15, in Bomlitz, Telefon 05161/941249, nimmt die Sachspenden entgegen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

EU startet vor Libyen-Gipfel Diskussion über Militäreinsatz

EU startet vor Libyen-Gipfel Diskussion über Militäreinsatz

Bundestag debattiert über Sicherheit für Radler

Bundestag debattiert über Sicherheit für Radler

Neue Maßnahmen gegen "Sauf-Tourismus" auf Mallorca und Ibiza

Neue Maßnahmen gegen "Sauf-Tourismus" auf Mallorca und Ibiza

Trecker-Demo in Bremen: Schlepper aus dem Kreis Verden und Heidekreis dabei

Trecker-Demo in Bremen: Schlepper aus dem Kreis Verden und Heidekreis dabei

Meistgelesene Artikel

Trecker-Demo am Freitag: Staus und Blockaden zum Feierabend

Trecker-Demo am Freitag: Staus und Blockaden zum Feierabend

Verdener Ostertorstraße: Unternehmer Carsten Flügge stellt Antrag auf Insolvenzverfahren

Verdener Ostertorstraße: Unternehmer Carsten Flügge stellt Antrag auf Insolvenzverfahren

Neuheit in Oyten verursacht Chaos: Pestalozzistraße für Elterntaxis gesperrt

Neuheit in Oyten verursacht Chaos: Pestalozzistraße für Elterntaxis gesperrt

Das Vorhaben auf den Kopf gestellt

Das Vorhaben auf den Kopf gestellt

Kommentare