Aus der Dorfhistorie: Das Armenhaus in Stedebergen bestand 60 Jahre

Eine Bleibe für Witwe Lüders

Ein
+
Ein

Stedebergen – Zu Beginn des 19. Jahrhunderts griff die Armut in Deutschland auch auf die Dörfer über. Es kam zu großer Not und einige Bürger wussten nicht, wie sie ihren Lebensunterhalt bestreiten sollten. Hinzu kam auch eine Wohnungsnot, weil keine neuen Unterkünfte gebaut wurden. Weil auch für die Bauern schlechtere Zeiten anbrachen, wurden kaum noch Arbeitsstellen auf den Feldern und im Haushalt angeboten.

Dies beschäftigte auch die örtlichen Gremien und die Gemeindevorsteher, wie die heutigen Bürgermeister in den Dörfern damals genannt wurden. Die Bezeichnung Bürgermeister entstand erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. In Stedebergen wurde am 4. Mai 1852 Johann Hinrichs vom „Küsters Hof“ Nr. 7 (heute Blanke/Boyer) von der Gemeindeversammlung, in der nur die Haus- und Grundstücksbesitzer vertreten waren, zum ersten Gemeindevorsteher gewählt.

Im Dezember 1859 wurde Johann Bischoff, der 1848 auf den Diers-Hof Nr. 9 (heute Wöltjen) eingeheiratet hatte, als sein Nachfolger gewählt. Er wurde am 2. Dezember 1865 in seinem Amt bestätigt. Nach Ablauf seiner zweiten Dienstzeit musste er das Amt am 3. Mai 1867 aus gesetzlichen Gründen niederlegen. Am 6. Mai 1867 wählte die Gemeindeversammlung Hermann Dittmer Meyer von Hof Nr. 2 (heute Hermann-Dieter Meyer) zum neuen Gemeindevorsteher. In der gleichen Sitzung wurde auf Vorschlag von Johann Harm Hinrich Rengstorf, Johann Dietrich Hellwinkel und Dietrich Spöring von der Gemeindeversammlung mit Unterstützung des neuen Gemeindevorstehers mit deutlicher Mehrheit der Bau eines Armenhauses beschlossen.

Das strohgedeckte Armenhaus war allerdings erst zu Weihnachten 1871 bezugsfertig. Es hatte weder Fenster mit Scheiben noch eine feste Haustür. Doch es war ein Dach über dem Kopf. Witwe Dorothea Lüders konnte mit ihren drei Kindern einziehen. Einige Leute aus dem Dorf brachten ihr zum Weihnachtsfest alles Lebensnotwendige und versorgten sie auch später.

Sie hatte auf dem Holtorf-Hof Nr. 8 (früher Kolkmanns-Meyer) gearbeitet und gewohnt, aber nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes im Winter 1867, der dort als Knecht gearbeitet hatte, mussten sie ausziehen und hatten keine Bleibe mehr. Zunächst waren sie bei dem Kötner Johann Dietrich Hellwinkel auf Plaß-Hof Nr. 12 (früherer Pagels Dreschmaschinen-Schuppen) in einem Stallgebäude untergekommen.

Das Armenhaus bestand 60 Jahre und war davon 50 Jahre bewohnt. Es wurde 1931 auf Betreiben einiger Bauern abgerissen, da ihre größeren Kornwagen nicht mehr durch die schmale „Gatzen“ passten. Gemeindevorsteher Hermann Dittmer Meyer verstarb noch vor Ablauf seiner Amtszeit am 21. August 1872. Am 27. August 1872 wurde sein Vorgänger Johann Bischoff erneut zum Gemeindevorsteher gewählt. Aus Krankheitsgründen legte dieser das Amt am 12. Mai 1877 nieder. Sein Nachfolger wurde August Hinrichs von Hof Nr. 7, der Sohn des ersten Stedeberger Gemeindevorstehers.

1833 begann die „Ära Jünemann“. Mit 31 Jahren wurde Heinrich Jünemann der jüngste Gemeindevorsteher im Kreis Verden. Er wurde fünfmal wieder gewählt und blieb insgesamt 36 Jahre im Amt. Sein Sohn Karl löste ihn am 1. Januar 1920 ab. Er blieb bis zum 13. April 1945, nach dem Einmarsch der britischen Truppen in Stedebergen im Zweiten Weltkrieg, im Amt.

Von Werner Rengstorf

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Fünf wirklich außergewöhnliche Erlebnistouren

Fünf wirklich außergewöhnliche Erlebnistouren

Dominikanische Republik: Der bunte Hund von Cabarete

Dominikanische Republik: Der bunte Hund von Cabarete

So fährt es sich im Ford Mach-E

So fährt es sich im Ford Mach-E

Desserts mit Gemüse zubereiten

Desserts mit Gemüse zubereiten

Meistgelesene Artikel

Barmer Geisterauto kommt jetzt weg

Barmer Geisterauto kommt jetzt weg

Barmer Geisterauto kommt jetzt weg
Landkreis Verden: Dienstag erstmals seit langem null Neuinfektionen

Landkreis Verden: Dienstag erstmals seit langem null Neuinfektionen

Landkreis Verden: Dienstag erstmals seit langem null Neuinfektionen
Schöner wohnen mit Gebrauchtmöbeln

Schöner wohnen mit Gebrauchtmöbeln

Schöner wohnen mit Gebrauchtmöbeln
Trinkwasser: Plötzlich Zeitdruck

Trinkwasser: Plötzlich Zeitdruck

Trinkwasser: Plötzlich Zeitdruck

Kommentare