Sondengänger Martin Rodenburg entdeckt Rarität

Münzfund in Dörverden: Klarer Fall fürs Schatzregal

Eine Silbermünze mit Patina, darauf das Brustbild eines Mannes mit Harnisch, Krone und Faltenkragen
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Das Original: Der Speziesdaler von 1639 zeigt König Christian IV.. Wie ist die Münze, etwa so groß wie ein Zwei-Euro-Stück, in den Dörverdener Acker gelangt, wo Martin Rodenburg sie fand? Darauf wissen die Experten noch keine Antwort.

Es war ein Montagabend im August 2020, als Martin Rodenburg, wie so oft, mit seiner Metallsonde seine Runden auf einem Acker in der Gemeinde Dörverden zog, in der Hoffnung, auf etwas Interessantes zu stoßen. „Als ich das laute Signal hörte, dachte ich sofort: Das ist diesmal etwas Besonderes.“ Oder doch wieder nur eine alte Patronenhülse? Er bückte sich, wühlte in der Erde. Als er sein Fundstück in den Händen hielt, hatte der erfahrene Sondengänger keinen Zweifel mehr.

Dörverden – Die Silbermünze, die auf der einen Seite einen Herrscher mit Krone und Harnisch zeigt, auf der anderen einen bekrönten Löwen mit geschwungener Axt, ist etwas Außergewöhnliches. Und sein erster Eindruck täuschte den Barmer nicht. Die Silbermünze, ein halber Speziesdaler, 1639 geprägt, mit dem Abbild des dänisch-norwegischen Königs Christian IV., ist ausgesprochen selten, erklärte Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht bei der Präsentation des Fundes auf dem Kulturgut Ehmken Hoff. Sie berichtete, dass sich in den Jahren 1623 bis 1629 der dänisch-norwegische König Christian IV. die Städte Verden, Osnabrück und Halberstadt einverleiben wollte. Das habe aber nicht geklappt. „Damals könnten natürlich dänische Söldner hier unterwegs gewesen sein, aber das war lange, bevor diese Münze geprägt wurde.“

Wie kam die Münze nach Dörverden? Die Historiker wissen es nicht

Für die Zeit von 1639 bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 gebe es keinen konkreten Anlass, warum sich jemand aus Dänemark/Norwegen hier aufgehalten haben könnte. „Letztlich bleibt es rätselhaft, wie die Münze in die Gemeinde Dörverden gelangt ist: Möglicherweise hat ein Söldner aus Skandinavien sie hier verloren“, so Precht, die sich naturgemäß für historische Rätsel begeistern kann. Sie hat mittlerweile herausgefunden, dass zur fraglichen Zeit ein Mann namens Anders Pedersen in der Prägestätte Christiania bei Oslo Münzmeister und damit wohl für die Herstellung des Geldstückes verantwortlich war. Er wurde 1642 wegen ungeklärter Verfehlungen entlassen. „Was für Verfehlungen? Hat er Gold und Silber für sich abgezweigt? Wir wissen es nicht“, so Precht.

Dank an den ehrlichen Finder

Die Kreisarchäologin bedankte sich bei Rodenburg für sein vorbildliches Verhalten nach dem Fund. „Er hat sich sofort bei mir gemeldet“, so Precht. Und das, obwohl er ahnte, was auf ihn zukommt. „Mir war direkt klar, dass das ein Fall fürs Schatzregal sein könnte“, sagte Rodenburg schulterzuckend. Schatzregal – so heißt der Vorgang, der eingeleitet wird, wenn eine Privatperson einen Fund von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung macht. Dann gehört dieser nämlich automatisch dem Land Niedersachsen.

Münze geht an das Land Niedersachsen

„Wir wollten das aber nicht wie eine gefühlte Enteignung stehen lassen“, erklärte Arnd Hüneke, stellvertretender Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege in Hannover, beim Pressetermin. Deshalb habe man einen Numismatiker, also einen Münzkundler, um ein Gutachten gebeten. Weil bereits vor einigen Jahren ein solches Exemplar bei einer Auktion versteigert wurde, wusste man ungefähr, was dem Finder zusteht. Das Landesamt zahlte Rodenburg als eine Art Finderlohn einen vierstelligen Betrag. „Dass wir das Schatzregal anwenden, kommt äußerst selten vor, vielleicht ein-, zweimal im Jahr“, so Hüneke.

Sondengehen ist kein Hobby wie jedes andere

Ob er einen Moment überlegt habe, den Fund gar nicht zu melden? Rodenburg lacht: „Nein, dafür bin ich vielleicht zu spießig.“ Er wisse um die Regeln, die bei solch wichtigen Funden gelten, denn er hat eine Sondengängerschulung besucht und ordnungsgemäß eine Genehmigung zum Sondengehen erhalten. Precht: „Herr Rodenburg hat viel Erfahrung und weiß: Das ist kein Hobby wie jedes andere. Die Funde sind unser aller kulturelles Erbe, und es ist wichtig, dass damit kein Blödsinn passiert.“

Finder bekommt zur Erinnerung eine Replik der Silbermünze

Das Original hat das Landesamt für Denkmalpflege in Hannover an sich genommen. „Aber wir wollten natürlich, dass das gute Stück auch vor Ort in Erinnerung bleibt“, so Hüneke. Deswegen habe man die Restaurateurin Andrea Tröller-Reimer gebeten, einige Nachbildungen zu erstellen. Als Erster durfte sich natürlich Martin Rodenburg eine Replik aussuchen. Ein weiteres Exemplar ging an den Ehmken-Hoff-Verein, wo Rodenburg Mitglied der Aktionsgruppe Geschichte und Archäologie ist. Der Verein will jetzt nach einer Möglichkeit suchen, die Nachbildung auf dem Kulturgut auszustellen.

Bei der Präsentation des außergewöhnlichen Fundes: Helmut Lohmann (Sprecher AG Geschichte und Archäologie im Ehmken-Hoff-Verein), Finder Martin Rodenburg aus Barme, Dieter Sprei (Vorsitzender Stiftungsvorstand), Arnd Hüneke (Landesamt für Denkmalpflege) und Kreisarchäologin Dr. Jutta Precht (v.l.).

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